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Versteigerung: Dorf Alwine findet im zweiten Anlauf Käufer - und er hat einiges zu tun

Das 15-Seelen-Dorf Alwine ist bekannt. weil öffentlich versteigert wurde. Der damalige Käufer trat jedoch vom Kaufvertrag zurück, auf seinen Nachfolger wartet viel Arbeit.

Von Constantin Weeg

Hinter "Alwine" verbirgt sich kein altmodischer Frauenname, sondern eine Ortschaft im südlichen Brandenburg. Eine Dorfstraße, zehn Schuppen und neun Wohnhäuser, das war's. Schon im Dezember vergangenen Jahres war Alwine europaweit in den Schlagzeilen. Damals bot ein anonymer Käufer 140.000 Euro - für das gesamte Dorf.

Der damalige Kaufpreis betrug 140.000 Euro

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Eigentlich. Doch seit Monaten kommt Alwine nicht zur Ruhe. Der damalige Käufer trat aus gesundheitlichen Gründen vom Kaufvertrag zurück. Er habe sich als "nicht geschäftsfähig" gemeldet, so Matthias Knake, Chef des Auktionshauses Karhausen. "Um einen Rechtsstreit zu vermeiden, haben wir das Objekt erneut vermarktet." Mit Erfolg - der neue Käufer ist ein privater Investor aus Berlin. "Er hat reichlich Erfahrung und die nötigen Mittel für eine Sanierung". Allerdings musste der neue Dorfbesitzer zwei Bedingungen erfüllen: den Kaufpreis sofort bezahlen und das Dorf persönlich besuchen. Über konkrete Zahlen wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Einwohner freuen sich über den erfolgreichen Verkauf. 2001 wurde Alwine an ein Brüderpaar verkauft, einer der Männer starb, weshalb das Dorf verkauft werden musste. Seit Jahren war kein Geld für Renovierung und Instandhaltung investiert worden. Tatsächlich sind die Häuser baufällig, manche verfallen. Heizungen gibt es nicht, im Winter muss Holz verfeuert werden. "Hier braucht es jemanden, der anpacken kann", so Knake.

Seit Jahren Renovierungsstau in Alwine

Trotz aller Probleme hat das Leben in Alwine seinen Reiz. Rund 70 Kilometer von Dresden entfernt liegt das Dorf idyllisch inmitten eines Waldgebietes. Wer Ruhe sucht, der findet sie hier. Die verbliebenen Anwohner sind tief mit ihrer Heimat verwurzelt. Zu DDR-Zeiten war eine nahegelegene Brikettfabrik größter Arbeitgeber. Heute gibt es kaum noch Jobs in der Region.

Der Käufer von Alwine möchte das Dorf neu gestalten, und das möglichst schnell. Schon in diesem Jahr könnten die Arbeiten beginnen. "Die Pläne liegen schon bereit", erklärt Knake, für den es der erste Verkauf eines gesamten Dorfs war. Sein Auktionshaus hat schon Schlösser, Eisenbahnbrücken und (800!) Bahnhöfe versteigert. Ein ganzes Dorf? "Absolute Premiere." Bleibt zu hoffen, dass die Premiere glückt.

wue