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Amoklauf vereitelt: Der Held von Kalifornien

Seine Schüler halten große Stücke auf Ryan Heber. Doch seit er an der Taft Union High School einen Amoklauf verhindert hat, ist er mehr als ein beliebter Lehrer. Er wurde zum Helden von Kalifornien.

Für den Lehrer und Familienvater Ryan Heber war es ein schwarzer Donnerstag. Gleichzeitig ist es wohl ihm zu verdanken, dass alles nicht noch viel verhängnisvoller endete. "Es war der schlimmste Tag im Leben meines Sohnes", sagt David Heber, der Vater des Helden-Lehrers aus Kalifornien. Aber er sei wohlauf.

Gegen 9 Uhr platzte ein bewaffneter Jugendlicher in seinen Unterricht und begann, auf die Schüler zu schießen. Trotzdem gelang es Heber irgendwie, einen kühlen Kopf zu bewahren. Er redete beruhigend auf den Schützen ein, und mithilfe des herbeigeilten Schulaufsehers Kim Lee Fields überzeugte er den Täter, seine Waffe niederzulegen. Als wenige Minuten später die Polizei eintraf, ließ sich der 16-Jährige wiederstandslos festnehmen. Heber ist es zu verdanken, dass der versuchte Amoklauf nicht in einem Blutbad endete.

Nicht leicht aus der Bahn zu werfen

Direkt nach dem Vorfall habe er seiner Mutter per SMS mitgeteilt, dass es ihm gut gehe. "Es ist immer gut, die Mutter zu kontaktieren, wenn es eine Krise gibt", sagte der Vater in der Lokalzeitung "Bakersfield Californian".

Laut Polizeiangaben trug Heber einen Streifschuss am Kopf davon. Eine Behandlung habe er jedoch abgelehnt. Körperlich ginge es seinem Sohn gut, aber mental müsse er sich natürlich noch von dem Schock erholen, sagte der Vater dem Lokalsender "KGET TV 17". Den psychologischen Beistand, den die Schule ihm anbot, habe er ebenfalls abgelehnt. "Ich schaff das schon", soll er ihnen gesagt haben, denn so sei sein Sohn eben: emotional stabil und nicht so leicht aus der Bahn zu werfen.

Newtown ist noch nicht vergessen

"Die Heldenhaftigkeit dieser Männer steht außer Frage", sagte Polizeisheriff Donny Youngblood auf einer Pressekonferenz am Donnerstagabend. "Sie hätten genauso gut … flüchten - und die Schüler ihrem Schicksal überlassen können. Aber das haben sie nicht getan."

Der Amoklauf von Newton, bei dem ein junger Mann 20 Kinder, sechs Frauen und sich selbst getötet hatte, sitzt den Amerikanern noch in den Knochen. Der Sheriff sprach aus, was viele dachten: "Was passiert wäre, wenn dieser Lehrer nicht so schnell reagiert hätte, wissen wir nicht."

Der Polizeichef von Taft, Ed Whiting, schloss sich diesem Lob an. "Wir wollen dem Lehrer und dem Schulaufseher für ihre schnelle Reaktion unser Lob aussprechen", sagte er.

Mehr als ein beliebter Lehrer

Wie David Heber dem Lokalsender "KGET TV 17" erzählte, war sein Sohn Ryan früher selbst Schüler der Taft Union High School, an der er heute unterrichtet. "Er war Schülersprecher und spielte im Rugbyteam der Schule." Seine Frau arbeitete ebenfalls dort. Sie sei wahrscheinlich traumatisierter als ihr Mann, so David Heber der Lokalzeitung "Bakersfield Californian".

Ryan Heber ist ein beliebter Lehrer. "Seine Schüler halten große Stücke auf ihn", sagte der stolze Vater dem "KGET TV 17". Doch seit dem besagten Donnerstag ist er wohl mehr als das. In ganz Amerika feiert man ihn als Helden.

Stefanie Schütten
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