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Angespannte Lage in Hamburg: Attacke auf Davidwache - City ist "Gefahrengebiet"

Splitternde Scheiben, brennende Mülltonnen: Auf der Reeperbahn haben Vermummte die bekannte Davidwache angriffen. Die Krawalle dauerten bis zum Morgen - und könnten im Tagesverlauf wieder aufflammen.

Mehrere Streifenwagen sind nach einem Angriff auf die Hamburger Davidwache nicht mehr einsatzfähig. Die Polizei befürchtet weitere Ausschreitungen und hat die Innenstadt zum "Gefahrengebiet" erklärt.

Mehrere Streifenwagen sind nach einem Angriff auf die Hamburger Davidwache nicht mehr einsatzfähig. Die Polizei befürchtet weitere Ausschreitungen und hat die Innenstadt zum "Gefahrengebiet" erklärt.

Angespannte Lage am vierten Adventswochenende in Hamburg: Mehrere Tausend Menschen werden am Samstag zu einer Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums "Rote Flora" und ein Bleiberecht für Flüchtlinge erwartet. Die Polizei rechnet mit Ausschreitungen und hat ein Großaufgebot von mehr als 2000 Beamten aus mehreren Bundesländern zusammengezogen. Sie rechnet damit, dass bis zu 6000 Menschen durch das Schanzenviertel ziehen. Die Beamten stufen etwa die Hälfte der Teilnehmer als gewaltbereit ein.

Schon am Freitagabend hatten mehr als 300 vermummte Randalierer auf der Hamburger Reeperbahn die bekannte Davidwache und davor parkende Polizeiautos mit Steinen beworfen. Sieben Streifenwagen wurden dabei so stark beschädigt, dass sie abgeschleppt werden mussten, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Auf Youtube wurde Freitagabend ein Video veröffentlicht, dass einen Eindruck von der Situation im Stadtteil St. Pauli liefern soll.

Die Polizei rückte mit 150 Beamten aus, um den Bereich um die Wache zu sichern. Die Randalierer zogen daraufhin weiter und verteilten sich in den angrenzenden Straßenzügen. Dort setzten sie Mülltonnen in Brand und warfen die Scheiben einer Sparkassenfiliale ein. "Gegen 3.00 Uhr morgens war der Spuk vorbei", sagte ein Polizeisprecher. Vier Randalierer wurden in Gewahrsam genommen. Wie hoch der Schaden ist, konnte der Sprecher am Morgen noch nicht sagen.

Sonderrechte für die Polizei

Aus Sorge vor Ausschreitungen bei den Demonstrationen am Nachmittag hat die Polizei die gesamte Innenstadt zum "Gefahrengebiet" erklärt. Zwischen 14 und 23 Uhr können Beamte dort ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen, in Gewahrsam nehmen und Platzverweise erteilen. Gegen 15 Uhr will sich der Demonstrationszug vor der "Roten Flora" in Bewegung setzen, zwei Kundgebungen sind vorgesehen.

Die Proteste richten sich gegen eine mögliche Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums "Rote Flora", mit der Eigentümer Klausmartin Kretschmer gedroht hat. Außerdem geht es um ein Bleiberecht für Flüchtlinge und die "Esso-Häuser" an der Reeperbahn. Die Häuser waren in der Nacht zum Sonntag wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend zu friedlichen Protesten aufgerufen. Wie an den bisherigen Adventssamstagen wollen auch Unterstützer der "Lampedusa-Flüchtlinge" demonstrieren.

mad/ono/DPA / DPA