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Atommülllager Gorleben: Greenpeace will Einsicht in Ergebnisse von Strahlenmessungen

Aus Angst, Ergebnisse von Strahlenmessungen seien "schön gerechnet" worden, hat Greenpeace Einsicht in die Akten der letzten behördlichen Messung verlangt. Der Grund sind abweichende Messergebnisse, die von verschiedenen Stellen bei der Umgebungsstrahlung festgestellt worden waren.

Greenpeace verlangt Einsicht in die behördlichen Akten zu den jüngsten Strahlenmessungen am Atommüllzwischenlager Gorleben. Wie die Umweltschutzorganisation am Freitag in Hamburg mitteilte, will sie damit überprüfen, ob diese "schön gerechnet" worden sein könnten, um die Genehmigung eines noch für dieses Jahr geplanten neuen Castortransports nicht zu gefährden. Hintergrund des Greenpeace-Vorgehens sind abweichende Messergebnisse, die von verschiedenen Stellen bei der Umgebungsstrahlung festgestellt worden waren.

Ende August hatten routinemäßige Messungen des zuständigen niedersächsischen Landesamts an einer Kontrollstelle am Zaun des Zwischenlagers mit den Castoren einen Zwischenwert ergeben, der auf das Jahr hochgerechnet eine Überschreitung der erlaubten zusätzlichen radioaktiven Strahlungsmenge von 0,3 Millisievert pro Jahr erwarten ließe. Der Betreiber des Zwischenlagers, die Gesellschaft für Nuklear-Servive (GNS), hatte auf Grundlage eigener Messungen aber Entwarnung gegeben und war darin von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) bestätigt worden. Diese war vom niedersächsischen Umweltministerium mit einer separaten eigenen Messung beauftragt worden war, um den Sachverhalt zu klären.

Greenpeace verlangt nun nach eigenen Angaben mit einem Schreiben vom Freitag Einsicht in alle Akten und den Schriftverkehr des Umweltministeriums, der sich mit den Messungen befasst. Grundlage ist das Umweltinformationsgesetz (UIG). Demnach hat das Ministerium vier Wochen Zeit, Stellung zu dem Antrag zu nehmen. Die Umweltorganisation äußerte vor allem den Verdacht, dass die zusätzliche Messung der PTB manipuliert worden sein könnte, um zu niedrigeren Werten zu gelangen und den Castortransport zu sichern. Dieser darf nur genehmigt werden, wenn die Grenzwerte an dem Zwischenlager eingehalten werden. "Alle Fakten zur radioaktiven Strahlung am Zwischenlager müssen auf den Tisch. So lange darf kein Castor nach Gorleben rollen", erklärte Greenpeace-Experte Tobias Riedl.

roh/AFP / AFP
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