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Ausschreitungen in Baltimore: Liebe und Moonwalk auf brennenden Straßen

Baltimore brennt - es geht um Polizeigewalt, Rassismus und Randale. Inmitten der Ausschreitungen nehmen sich einige ein Herz und zeigen, dass es auch anders geht. Etwa mit Hilfe von Michael Jackson.

Von Niels Kruse

Baltimore schmust gegen böse Jungs und böse Beamte

Baltimore schmust gegen böse Jungs und böse Beamte

In "Beat it" heißt es an einer Stelle: "Du willst ihnen zeigen, dass Du keine Angst hast, Du spielst mit Deinem Leben, aber das hier ist nicht Wahrheit oder Pflicht." Der Song, einer der ersten Riesenhits von Michael Jackson, ist ein eindeutiges Statement gegen Gewalt. Weswegen er auch durch die Straßen von Baltimore schallte, als die Unruhen dort überhandnahmen. 

Seit Anfang der Woche kommt es in der US-Ostküstenstadt zu Ausschreitungen. Anlass war die Trauerfeier für Freddie Gray. Einem Schwarzen, der von Polizisten festgenommen worden war und dabei eine so schwere Rückenverletzung erlitt, dass er kurz danach verstarb. Gray war das vorerst letzte Opfer von zahllosen Fällen von Polizeigewalt, ausgeübt gegen Afroamerikaner - so zumindest deuten es die Schwarzen in den USA. Nach der Trauerfeier wurden 15 Polizisten mit Steinen und Flaschen angegriffen, die Lage eskalierte - die Sicherheitskräfte riefen in der Nacht zu Mittwoch eine nächtliche Ausgangssperre aus, an die sich aber viele Menschen nicht hielten.

Der Tänzer von Baltimore


Neben den Bildern von Gewalt, Tränengaswolken, hochgerüsteten Polizisten und gewaltbereiten Demonstranten mischen sich aber auch solche von Mäßigung und Mitmenschlichkeit: Als etwa jemand mitten in der Nacht "Beat it" auflegt, beginnt ein gewisser Dimitri Reeves plötzlich auf einer Kreuzung an, den Moonwalk zu tanzen. Reeves ist ein mehr oder weniger bekannter Michael-Jackson-Imitator. Sein Kurzauftritt wurde von einem NBC-Reporter auf Video festgehalten und macht seitdem die Runde. Reeves Botschaft ist eindeutig: Stoppt die Gewalt. Auf Twitter wurde er bereits als "erster Politik-Tänzer" bezeichnet.

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Auch Bischof Cromartie hat einen kurzen Moment der Mitmenschlichkeit eingefangen. Sein Bild zeigt eine Kette von Polizisten, die mit Schutzschildern bestückt einen Straßenzug in Baltimore abriegeln. Vor ihnen steht ein kleiner Junge mit ein paar Flaschen Wasser in der Hand, die er den Beamten anbietet. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er dazu: "Eines von vielen Bildern, die ich heute eingefangen habe - und es spricht Bände."

One of many pictures that I captured today in the midst of helping clean up the city and it speaks VOLUMES #baltimore

Posted by Bishop M Cromartie on Dienstag, 28. April 2015


Eine resolutere Art der Beruhigung hatte in Baltimore kurz zuvor eine Frau gewählt, die einen Randalierer mit ein paar kräftigen Schlägen an den Kopf und noch kräftigeren Ausdrücken von der Straße gejagt hat. Das rabiate Vorgehen sei in diesem Fall gerade eben so entschuldigt, denn es handelt sich um die Mutter des Demonstranten.

That awkward moment your mom catches you rioting ???? #baltimore #baltimoreriots #prayforthiskid

Ein von Karla H.??? (@ine3) gepostetes Video am


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