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Rätselhafter Fund Muss Australiens Geschichte umgeschrieben werden? 1000 Jahre alte Münze lässt das vermuten

An einem isolierten Strand im Norden Australiens suchen Hobby-Historiker Mike Owen und Michael Hermes nach Felsbildern einer in Vergessenheit geratenen Zivilisation.


Plötzlich sichtet Hermes etwas Unerwartetes: Eine Münze. Das berichtet Owen im stern-Interview.


Zunächst widmen sie dem Fund nur wenig Aufmerksamkeit:


"Wir dachten zuerst es wäre ein Centstück. Also eine australische Münze."


Erst zuhause in Darwin fällt Owen auf, wie spektakulär der Fund sein könnte. Seine Vermutung: Es ist eine Münze der Kilwa-Zivilisation.


"Sie ist zwischen 800 und 1000 Jahre alt und stammt aus dem Kilwa-Sultanat in Ostafrika. Wir wissen, dass Kilwa und China vor 1000 Jahren gehandelt haben. Wir glauben, dass Händler zwischen Kilwa und China oft von Piraten Richtung Süden gedrängt wurden. Oder vorherrschende Winde könnten sie an die australische Küste gespült haben. So weit ist das nicht entfernt."


Owens liebste Theorie: Portugiesen, die Mittelsmänner des Welthandels im 16. Jahrhundert, sollen die Münze nach Australien gebracht haben.


Der 66-Jährige behauptet, eine unglückliche Strömung habe die Europäer zum australischen Kontinent geführt – über 250 Jahre bevor der berühmte Seefahrer und Entdecker Captain James Cook dort landete.


"Es gibt eine lächerliche Sache, die Kinder hier lernen: Captain Cook habe Australien entdeckt. Er hat das selber nie behauptet. Es ist eine auf Sydney fokussierte Perspektive. Die ganze australische Geschichte wird als die Geschichte Sydneys dargestellt."


Owen und Hermes sind Mitglieder von "The Past Masters" – einem Verein, der die Geschichte Australiens umschreiben will.


"Wir versuchen, Australien in Südostasien zuzuordnen. Unsere Geschichte und Identität kommt zumindest teilweise aus Südasien. Und unser Land hat eine lange Geschichte in diesem unglaublich vielfältigen und aktiven Teil der Welt. Vor allem in den letzten 1000 Jahren. Wir wollen Australiern die Augen öffnen: Es gibt mehr von Australien als Sydney und es ist noch viel interessanter und diverser."


Die Münze könnte der Schlüssel für dieses Vorhaben sein. Erst müssen die Historiker aber beweisen, dass die sie tatsächlich von der Kilwa-Zivilisation stammt.


Die "Past Masters" wollen das Geldstück per Röntgenanalyse und mit einem Rasterelektronenmikroskop untersuchen lassen. 


"Auch wenn wir die Oberfläche nicht lesen können, können wir viel von den Bestandteilen des Metalls lernen: Der Anteil der Legierung und Dinge, die beim Herstellungsprozess genutzt wurden wie zum Beispiel Arsen."


Die Ähnlichkeiten der Korrosion zwischen der gefundenen Münze und einer echten Kilwa-Münze sind für Owen fast unbestreitbar.


"Die Münze ähnelt anderen Kilwa-Münzen, die wir haben. Wir haben Münz- und Metallexperten gefunden – sogar einen, der im British Museum seine Promotion über Kilwa-Münzen gemacht hat – und die Experten sind ziemlich sicher, dass diese echt ist. Sie sagten, ihnen fällt nichts ein, was es sonst sein könnte. Ich drücke die Daumen."


Von Portugal nach Ostafrika, über den indischen Ozean bis nach Australien: ein langer Weg für Händler im 16. Jahrhundert. Owen glaubt jedoch an diese Geschichte.


"Bei den Ureinwohnern gibt es viele mündliche Überlieferungen zu diesen Kontakten. Wir versuchen, die Teile wieder zusammenzusetzen." 
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Eine in Australien gefundene Münze könnte ein Indiz dafür sein, dass Seefahrer aus der westlichen Welt bereits weit vor dem berühmten James Cook in Down Under landeten.

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