Balearen Krisenkabinett nach Stromchaos auf Mallorca


Nach dem mehrstündigen Stromausfall auf Mallorca hat die Regionalregierung ein Krisenkabinett eingerichtet. Es müsse schnell eine Lösung gefunden werden, so der balearische Energieminister Josep Juan Cardona.

Nach dem mehrstündigen Stromausfall auf Mallorca und Teilen Menorcas hat die Regionalregierung am Dienstag ein Krisenkabinett eingerichtet. Es müsse schnell eine Lösung gefunden werden, damit sich ein solcher Notstand nicht wiederhole, sagte der balearische Energieminister Josep Juan Cardona in Palma. Wegen des totalen «Blackouts» hatten am Vorabend rund 1,5 Millionen Einwohner und Touristen teilweise fast zwölf Stunden im Dunkeln gesessen. Dies löste im Gastgewerbe und in der Reisebranche heftige Proteste aus. Das Image der Balearen als Ferienziel könne schweren Schaden erleiden, hieß es.

Natz überlastet

Ursache des Chaos war nach Angaben der Regierung eine Überlastung des Netzes, die drei Stromkreise in einem Elektrizitätswerk im Norden Mallorcas zusammenbrechen ließ. Als Hintergrund gilt der Rekordverbrauch angesichts der großen Hitze mit Temperaturen bis zu 40 Grad im Schatten: Überall laufen die Klimageräte auf Hochtouren. Der in die Kritik geratene örtliche Stromversorger Gesa schloss nicht aus, dass es weitere Pannen geben könne. Kurz vor dem Ausfall um 17.59 Uhr am Montagabend hatte das Unternehmen dringend aufgerufen, den «unhaltbar hohen» Verbrauch zu drosseln. Diese Aufforderung gilt weiter. Auf Mallorca konnte die vollständige Versorgung erst um 00.57 Uhr des Dienstags wiederhergestellt werden, auf Menorca dauerte es sogar bis 05.49 Uhr.

Die Regionalregierung räumte ein, dass das Stromnetz auf den Balearen «schwach» sei. Zugleich leitete sie eine Untersuchung ein. «Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen», hieß es. Regierungschef Jaume Matas kündigte ein Treffen mit Ministerpräsident José María Aznar an, um eine Lösung zu finden. Experten fordern schon seit Jahren ein Unterwasser-Kabel zum spanischen Festland. Dieses würde geschätzte 320 Millionen Euro kosten.

Handel kündigt Klagen an

Der «Blackout» hatte Mallorca weitgehend lahm gelegt. Auch auf dem Flughafen Son Sant Joan waren bis zur Einschaltung der Notaggregate für 15 Minuten die Lichter ausgegangen. Die Feuerwehr musste Dutzende Menschen aus feststeckenden Aufzügen befreien. Durch den Ausfall der Ampeln gab es zudem ein Verkehrschaos. Vielerorts gab es auch kein Wasser, weil die Pumpen nicht funktionierten. Die Krankenhäuser arbeiteten dank eigener Generatoren weitgehend normal. Aus Angst vor Überfällen und weil nur Bargeld angenommen werden konnte, schlossen viele Geschäfte frühzeitig. Die Höhe der Einbußen steht noch nicht fest, viele Inhaber kündigten aber Klagen gegen den Stromversorger Gesa an.

DPA

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