HOME

Banküberfall: SEK stürmt gekaperten Linienbus

Die Geiselnahme eines Linienbusses in Berlin ist von der Polizei beendet worden.

Mit einer Blitzaktion hat die Polizei in Berlin eine Geiselnahme in einem entführten Linienbus beendet. Nach knapp vierstündiger Belagerung stürmten Spezialkräfte um 14.16 Uhr den eingekesselten Doppeldeckerbus der Linie 185. Der mehrfach vorbestrafte Geiselnehmer hatte zuvor mit einem Komplizen eine Bank überfallen. Bei der Geiselbefreiung erlitt er eine Schussverletzung an der Schulter. Die zwei letzten Geiseln wurden mit einem Schock in ein Krankenhaus gebracht. In dem gekidnappten Bus hatten zeitweise rund zehn Menschen festgesessen. Am Nachmittag fasste die Polizei einen zweiten Mann. Unklar war, ob er der Komplize ist.

Täter ein "erfahrener Bankräuber"

Der bewaffnete und vermummte Räuber hatte am Vormittag gegen 9.40 Uhr zusammen mit einem Komplizen eine Filiale der Commerzbank in der Schloßstraße in Steglitz überfallen. Der Täter, laut Polizei ein "erfahrener Bankräuber", war nach Informationen der dpa in Berlin bereits zwei Mal aus dem Gefängnis geflohen und hatte Banken überfallen. Der Täter soll nach Angaben von Staatsanwalt Bernd Wolke nun einem Haftrichter vorgeführt werden.

Beute ging verloren

Beide Männer waren nach dem Überfall zu Fuß geflüchtet. Die Beute von rund 5000 Euro verloren sie laut Polizei bei der Flucht. Nachdem sie sich an einem U-Bahnhof getrennt hatten, kaperte einer der beiden den Doppeldecker und irrte zunächst mit knapp zehn Fahrgästen durch die Stadt. Die genaue Zahl stand am Abend noch nicht fest. Der Geiselnehmer drohte, seine Geiseln zu erschießen. Dazu gehörte auch eine Polizistin aus einer Funkstreifenbesatzung, die nach dem Banküberfall alarmiert worden war. Die junge Frau folgte dem Täter in den Bus, wo der Mann ihr die Waffe abnahm. Die Polizei sagte, sie habe wegen der Gefährlichkeit des Täters auch dessen Tötung nicht ausgeschlossen.

Täter war nicht kompromissbereit

Unterwegs ließ der Gangster mehrere Geiseln frei. Auch der 39- jährige Fahrer entkam bei dem letzten Halt. Zuvor hatte er der Polizei per Funk die wechselnden Aufenthaltsorte durchsagen können. So sei es den Einsatzkräften nach einer Stunde gelungen, an einem günstigen Punkt das Fahrzeug auszubremsen. Am Sachsendamm in Schöneberg war der Bus dann eingekreist. Der Mann forderte Hubschrauber und einen Fallschirm. Der Täter war laut Polizei, die in direkten Verhandlungen zu ihm stand, nicht kompromissbereit.

15 Beamte stürmten das Fahrzeug

Das Fahrzeug war über Stunden von Polizeiwagen umstellt, das Areal weiträumig abgesperrt. Scharfschützen verteilten sich auf umliegenden Häusern. Auch die Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. 15 Beamte eines Sondereinsatzkommandos, die sich hinter dem Bus platziert hatten, stürmten das Fahrzeug. Sie starteten die Aktion über das Heck sowie beide Seiten. Laut Polizei wurden zwei Schüsse auf den Täter abgegeben. Die Polizei sprach von einer Befreiung in "Sekundenfrist".

Mindestens fünf Jahre Haft

Ein Ermittlungsverfahren gegen den Täter wurde eingeleitet. Ihm drohen mindestens fünf Jahre Haft. Bei dem Mann handelt es sich laut Polizei um einen 46 Jahre alten Deutschen. Er wurde im Sommer 2000 aus der Haft entlassen und lebt seither in Berlin. Wegen eines früheren Überfalls, wegen Sprengstoffdelikten und räuberischer Erpressung hatte er bereits zwei Mal sechseinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. Die Polizei bezeichnete ihn als hochgradig gefährlich.

Die Geiseln, eine 25 Jahre alte Polizistin und ein 52-jähriger Mann, wurden laut Feuerwehr mit Schock ins Krankenhaus gebracht. Sie blieben äußerlich unverletzt.

"Professioneller Einsatz"

Die Polizei nahm einen zweiten Mann im Alter von 49 Jahren fest. Ob er der geflüchtete Komplize des Banküberfalls ist, war am Abend noch unklar. "Die Einsatzkräfte sind erleichtert, dass die Situation so glimpflich abgelaufen ist", sagte Jörg Nittmann, Einsatzleiter der Polizei. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sprach von einem erfolgreichen, professionellen Polizeieinsatz.