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Bestattungen: Der teure Tod

Nach dem Wegfall des Sterbegeldes liegen anonyme Bestattungen im Trend. Eine Frau transportierte ihre tote Mutter sogar mit dem eigenen PKW von Bremerhaven bis Koblenz, um Geld zu sparen.

Wegen ihrer makaberen Fracht hat die Koblenzer Polizei eine Frau aus Bremerhaven gestoppt: Auf dem Rücksitz ihres Autos transportierte die 53-Jährige den Leichnam ihrer 90-jährigen Mutter. Die Frau wollte die Leiche nach Rheinland-Pfalz zur Beerdigung bringen, um die Transportkosten des Bestatters zu sparen.

Die Polizisten hatten das Fahrzeug nach einem Tipp vom rheinland-pfälzischen Bestatter-Verband gestoppt. Nach Polizeiangaben war die 90-jährige Frau in Bremerhaven eines natürlichen Todes gestorben. Daraufhin hatten die Angehörigen in der Eifel bei Bestattern die Transportkosten erfragt - zu teuer. So entschied sich die Familie für die illegale private Überführung. Die Beamten benachrichtigten einen regulären Bestatter, der die Leiche überführte.

Immer mehr anonyme Bestattungen

Seit das Sterbegeld gestrichen wurde, ist der Tod teurer denn je geworden. Die Folge: Anonyme Bestattungen steigen stark an. Das berichteten Vertreter der Bestattungsbranche im Vorfeld der Fachmesse "Pieta" in Dresden. Angeblich kämen viele Angehörige hinterher nicht damit zurecht, die Toten anonym bestattet zu haben.

Bestattungsunternehmer klagten zudem über eine zunehmend schlechtere Zahlungsmoral der Angehörigen. Offenkundig fühlten sich viele sozial schwache Familien finanziell überfordert. Seit 2004 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen zwar kein Sterbegeld mehr, doch könnten Bedürftige Zuwendungen bei den Sozialämtern beantragen. "Oft wird davon nicht Gebrauch gemacht, obwohl die Hinterbliebenen darüber informiert werden", sagte der Chef der Landesinnung sächsischer Bestatter, Werner Billing. Der Preis für ein "Begräbnis in Würde" wurde auf 3500 Euro taxiert.

Fachmesse für Bestattungsbedarf

Nach Angaben der Veranstalter ist die Dresdner "Pieta" in diesem Jahr die einzige Fachmesse für Bestattungsbedarf und Friedhofstechnik in Deutschland. Dazu haben sich 102 Aussteller aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Lichtenstein, Österreich, Tschechien und Ungarn angemeldet. Die Produktpalette reicht vom Leichenwagen über Särge und Grabmale bis hin zur Krematoriumstechnik. Vorträge zu Themen wie Trauerbewältigung, Bestattungskultur und Erbrecht runden das Programm ab. Bundesweit gibt es 3500 Bestattungsunternehmen.

AP/DPA / AP / DPA