Christmette gegen "Eintritt" Weihnachten ist kein Vereinsfest


Wenn sich vor den Feiertagen die besinnliche Stimmung einstellt, kommen sie aus ihrer Deckung: Politische Hinterbänkler mit ihren skurrilen Vorschlägen. Diesmal überraschte ausgerechnet ein Politiker aus der Partei mit dem großen C mit der Idee, die Christmette nur von Kirchensteuer-Zahlern besuchen zu lassen. Kommentar eines Bischofs dazu: "Wir feiern an Weihnachten kein Vereinsfest".

Platzkarten vor dem Weihnachts-Altar? Kircheneintritt nur für Gemeindemitglieder? Das klingt gerade vor dem "Fest der Liebe" wie ein schlechter Scherz. Es ist aber ein ernst gemeinter Vorschlag zu Weihnachten, wenn man einigen wenigen Politikern Glauben schenken darf. Wer nicht zahlt, bekommt auch keinen traditionellen Weihnachtsgottesdienst, fordert der baden-württembergische CDU-Jungpolitiker Thomas Volk. Und er hat es offenbar wirklich ernst gemeint.

"Messen sollten am 24. Dezember nur für Kirchensteuerzahler offen sein», meint der Landesvorsitzende des CDU-nahen Studentenverbandes RCDS - und erntete damit schnell bitterböse Kommentare und ungläubiges Kopfschütteln der Kirchenoberen, denen er damit eigentlich den Rücken stärken wollte. "Großer Blödsinn", meint der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer.

Mit seiner Forderung nach einem vorrangigen Eintritt für Kirchensteuerzahler will Volk zum einen verhindern, dass die Gotteshäuser am 24. Dezember überfüllt sind und ältere Menschen keinen Platz mehr erhalten. Zum anderen will Volk, der als RCDS- Landeschef auch nicht gewähltes Mitglied im CDU-Landesvorstand ist, die Bedeutung der Religion in den Mittelpunkt stellen. "Die Zahl der Kirchenaustritte hat abgenommen, die Fülle bei den Christmetten nimmt dagegen zu", ärgert sich Volk kurz vor dem Weihnachtsfest. Wie die Kirchen an den Eingängen kontrollieren wollen, wer nun brav seine Steuern zahlt und wer nicht, sagt Volk auf Anfrage nicht. "Die praktische Umsetzung müssten dann die einzelnen Gemeinden klären", meint er.

Der Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner will die Kirchen zwar nicht gleich komplett für nicht zahlende Gläubige schließen. Doch schlägt er Platzkarten für Gemeindemitglieder bei Gottesdiensten vor. "Die Praxis einiger Kirchen, etwa des Berliner Doms, den eigenen Gemeindemitgliedern zu Weihnachten Platzkarten für den Dom zu geben, halte ich für eine nachvollziehbare Idee." Es sei legitim, dafür zu sorgen, dass diejenigen, die in der Kirche aktiv mitwirkten und sie finanziell unterstützten, "gerade an Weihnachten nicht die Dummen sein dürfen".

Schlicht ein "großer Blödsinn"

Nach Ansicht von Badens Landesbischof Fischer ist die Verkündigung des Weihnachtsevangeliums nicht an eine Bedingung geknüpft worden. "Daher halte ich den Vorschlag, nur Kirchensteuerzahlern den Weihnachtsgottesdienstbesuch zu gestatten, angesichts der frohen Botschaft, die allen Menschen gilt, schlicht für einen großen Blödsinn."

Wenig Nächstenliebe kann Volk auch von Fischers württembergischem Amtskollegen, Landesbischof Frank Otfried July, erwarten. "Für unsere Kirche ist es nicht vorstellbar, so zu handeln", betont dieser. Die Weihnachtsbotschaft sei es ja gerade, das Evangelium allen Menschen zu verkündigen. "Wir feiern an Weihnachten kein Vereinsfest." Jeder sei herzlich eingeladen. "Gemeindeglieder, die sich an Weihnachten über volle Kirchen ärgern, sollten sich freuen, dass viele die Einladung annehmen."

April-Scherz im Dezember

Auch der Kirchenbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung winkt ab. Es sei eine Chance für die Kirchen, gerade in den Zeiten wie dem Advent oder der Passion Nichtmitglieder anzusprechen, sagt Staatssekretär Hubert Wicker.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hält ebenfalls nichts von der Sperre für die "Trittbrettfahrer" im Gotteshaus: "Das klingt nach einem schlechten April-Scherz im Dezember", meint ein Sprecher der rheinischen Landeskirche in Düsseldorf. Wenn es dabei an Heiligabend eng auf der Kirchenbank werde, "ist das kein Grund zur Klage - im Gegenteil".

DPA DPA

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