Der Fall Maria Bögerl Experte vermutet spontane Entführung


Wenig Lösegeld und nur ein einziger Anruf: Nach Ansicht eines Kidnapping-Experten war der Entführer der Bankiersfrau Maria Bögerl allein und hatte die Tat nicht geplant. Er hat auch eine Vermutung, warum die 54-Jährige aus Heidenheim sterben musste.

Die Entführung und die Ermordung der Heidenheimer Bankiersfrau Maria Bögerl deuten nach Ansicht eines Experten für Kidnapping auf einen unprofessionellen Täter hin. "Wahrscheinlich war es eine spontane Entführung, die nicht längerfristig geplant war", sagte der Direktor des Kieler Instituts für Krisenforschung, Frank Roselieb.

Roselieb geht davon aus, dass ein Einzeltäter am Werk war. "Einige Details an dem Fall sind zudem für eine Entführung sehr untypisch, so zum Beispiel die geringe Lösegeldforderung von nur 300.000 Euro." Vieles spreche dafür, dass der Entführer schnell an Geld kommen wollte und das Opfer seinen Entführer enttarnt hat. "Möglicherweise wollte sich der Täter rächen, vielleicht ist es ein geschundener Bankkunde", vermutet Krisenexperte Roselieb.

"Wirkliche Profis gehen anders vor, sie melden sich lange nicht und fordern viel Geld", erklärte Roselieb. 80 Prozent aller Entführungen deutschlandweit seien bis ins Detail geplant gewesen - die Heidenheimer gehöre nicht dazu.

Übergabeort des Lösegelds stützt Roseliebs These

Auch die kurze Frist bis zur Übergabe des Lösegelds und der Übergabeort an der Autobahn 7 stützten die These einer ungeplanten Tat. Nach Angaben von Roselieb ist bei derartigen "Quick Kidnappings" ein einziger Anruf der Entführer durchaus die Regel. Dass Maria Bögerl als Opfer bei diesem Telefonat mit ihrem Mann sprechen durfte, sei jedoch unüblich.

"Wahrscheinlich war der Entführer alleine und hatte kein Versteck für sein Opfer", vermutete der Experte. Die geringe Lösegeldsumme sei damit zu erklären, dass der Täter hoffte, schnell an das Geld zu kommen. "Sterben musste Maria Bögerl nach der geplatzten Geldübergabe möglicherweise, weil sie ihren Entführer enttarnte." In Freiheit wäre sie sonst eine Gefahr für ihn geworden.

Roseliebs Ansicht nach kommt der Entführer mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Umgebung. Sowohl der schwäbische Akzent des Täters als auch die geringen Entfernungen zwischen dem Wohnort der Entführten, dem Fundort der Leiche und der Übergabestelle des Lösegelds sprächen dafür.

Noch immer keine heiße Spur

Unterdessen hat die Polizei noch immer keine heiße Spur. Am Samstag durchkämmte eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei den Wald rund um den Fundort der Leiche sowie ein benachbartes Rapsfeld. "Es wird im Detail durchsucht. Es sind zahlreiche Gegenstände gefunden worden, wobei nicht klar ist, welche Gegenstände es sind und ob sie überhaupt mit der Tat zu tun haben", sagte ein Heidenheimer Polizeisprecher.

Die verwesten Überreste der vor drei Wochen entführten 54-Jährigen waren am Donnerstagabend durch Zufall vom Hund eines Spaziergängers aufgespürt worden. Die Polizei hatte das Gebiet an den Tagen nach der Entführung am 12. Mai durchsucht, allerdings ohne Spürhunde. Bei der Polizei besteht nun Klärungsbedarf: "Wir wollen feststellen, welche Kollegen an der damaligen Suche beteiligt waren und mit ihnen sprechen", sagte der Polizeisprecher. Die damalige taktische Entscheidung, gerade in diesem Gebiet keine Hunde einzusetzen, komme nun auf den Prüfstand. "Man muss nachschauen, warum welche Entscheidungen getroffen wurden."

DPA DPA

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