Deutsche Bergsteiger in Tirol gerettet Sie tranken Kondenswasser und teilten das Essen


Sie tranken das Kondenswasser, das sich auf den Zeltplanen bildete, kauerten sich aneinander und teilten das wenige Essen, das sie dabei hatten: Weil die vier in den Tiroler Bergen vemissten Deutschen trotz Schneesturm drei Tage zusammenhielten, überlebten sie.

Sie hatten alle Hoffnung darauf gesetzt, dass am Montag bessere Wetterverhältnisse sein würden. Doch das Wetter wurde nicht besser und die vier Schneeschuhwanderer wussten, dass die Rettungskräfte sie bei dem Schneesturm nicht suchen konnten. Der Handyempfang war schwach und die Kälte zerstörte die Batterie.

Drei Tage haben vier Männer aus Bayern und Baden-Württemberg einen Schneesturm auf rund 3600 Metern Höhe in Osttirol in Österreich überlebt. Seit Samstag hatten Helfer nach den Männern gesucht; am Dienstagmorgen wurden sie gefunden. Die Besatzung des Polizeihubschraubers "Libelle 4" entdeckte die Männer, weil sie mit Lampen und Schneeschaufeln winkten.

"Es galt letztlich für beide Seiten zu warten, bis das Wetter besser wird - was dann Gott sei Dank letzte Nacht der Fall war", sagt einer der Geretteten, der Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig, am Dienstag.

"Sie haben einfach alles richtig gemacht"

Das Verhalten der Schneeschuhwanderer bezeichneten die Bergretter als vorbildlich. "Es ist sicher nicht alltäglich, dass die Männer das überlebt haben", sagte der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Kurt Nairz. Die vier Wintersportler hätten einfach alles richtig gemacht und seien deshalb kaum verletzt. Der Hubschrauber habe sie zwar nach ihrer Rettung am Dienstag mit leichten Erfrierungen und Mangel an Flüssigkeit zur Beobachtung ins Krankenhaus in Lienz geflogen. Von dort könnten sie sich aber sicher bald auf den Heimweg machen.

Am Mittag des Karsamstags war plötzlich das Wetter auf dem rund 3600 Meter hohen Großvenediger in den Hohen Tauern umgeschlagen. "So etwas geht in den Alpen sehr rasch, ich würde nicht sagen, die Wanderer haben einen Fehler gemacht", sagte der Bergretter. Sofort gruben die Männer eine Höhle in den Schnee. Denn als erfahrene Bergsteiger wussten sie: In Nebel und Schneesturm zwischen Gletscherspalten herumzuirren, wäre für sie der sichere Tod. In ihrer Höhle kauerten sie sich in Biwaksäcken aneinander und verhinderten so einen Wärmeverlust. Den wenigen Proviant teilten sie, zu Trinken hatten sie nur das Kondenswasser, das sich auf den Biwakplanen bildete.

"Situation nur beherrschbar, wenn man zusammenhält"

Als nach drei Tagen endlich das Schneegestöber aufhörte und die Wolken über dem Gletscher aufrissen, wurden sie gerettet.

"Wir haben uns riesig gefreut, dass es ihnen gutgeht", sagte der Pilot Hans Schausberger. Er und weitere rund 70 Einsatzkräfte hatten mehr als 40 Stunden nach den Vermissten gesucht. "Da ist man gerne Bergmann", sagt auch Nairz. Jeder Einzelne habe für solch einen Einsatz mit Freude seine Osterfeiertage geopfert.

Für die vier Männer waren alle Retter nur voll des Lobes. "Solche Situationen sind nur beherrschbar, wenn man zusammenhält, wenn man Disziplin hat, die körperliche Kondition hat und wenn man sich unterordnen kann", sagte der Flugarzt Peter Kraler. Er habe mit allen persönlich gesprochen und es gehe ihnen erstaunlich gut, so Nairz.

Nach einem Bericht des Senders ORF waren am vergangenen Samstag mehr als 100 Menschen am Großvenediger unterwegs. Wie viele die empfohlene Ausrüstung aus Biwaksack, Lawinensuchgerät, Sonde und Schaufel dabeihatten, wollten die Helfer nicht schätzen.

Nicht mehr zu helfen war einer 31-jährigen Bayerin im Vorarlberg, deren Leiche die Bergrettung am Dienstag aus einer Lawine barg. Die Frau war mit drei weiteren Deutschen am Montag bei einer Skitour unterwegs und hatte die Schneemassen selbst losgetreten. Die Einsatzkräfte hatten zuvor vor erheblicher Lawinengefahr in dem Gebiet gewarnt und von Touren abgeraten.

ott/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker