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Deutschlands Top-Kuh: "Krista" bleibt die Schönste im ganzen Land

Wer zu den Schönsten gehören will, muss hart arbeiten - nicht nur bei Heidi Klum. Auch Kühe müssen an ihrem Aussehen feilen. 220 Schönheiten traten in Oldenburg bei der Wahl zur tierischen "Miss Germany" an. Am Ende siegte wieder "Krista".

Sina ist eine Schönheit mit dunklen Augen und wohlgeformten Beinen. Bei mehreren Wettbewerben ist die Kuh schon angetreten. Jetzt will sie "Miss Germany" werden. Zusammen mit den anderen Kandidatinnen stolziert sie vor der Jury auf und ab. Plötzlich hebt "Sina" ihren Schwanz und entleert ihre Blase - mitten auf dem Laufsteg. "Das liegt in der Natur der Sache", kommentiert Preisrichter Matthias Zens trocken.

Die Konkurrenz auf der Deutschen Holstein Schau am Donnerstag im niedersächsischen Oldenburg ist groß. Rund 220 Kühe konkurrieren in mehreren Runden um den Titel der Schönsten im ganzen Land. In einem Casting haben die 14 Landesorganisationen diese vorher aus den etwa zwei Millionen Holstein-Kühen in Deutschland ausgewählt.

Während die jüngeren Tiere sich bereits auf dem Laufsteg von ihrer Schokoladenseite zeigen, stärkt sich "Krista", die Siegerin der letzten Holstein Schau 2009, noch mal mit einer großen Portion Heu. Tagelanges Hungern wie bei den zweibeinigen Super-Models kommt bei der schwarz-weiß gefleckten Schönheitskönigin aus Großenkneten nicht infrage.

Seit zwei Wochen kann sie sich hemmungslos mit Heu vollstopfen. Denn das macht einen schön runden Bauch und ein pralles Euter. In einem Trainingscamp hat sich "Krista" auf den Wettbewerb vorbereitet, denn Modeln ist harte Arbeit. Täglich wurde die sieben Jahre alte Kuh gewaschen und gebürstet, an Stress und Lärm gewöhnt. "Sie sieht super aus", meint Betreuerin Janine Seeger.

Wie bei den zweibeinigen Supermodels kommt es vor allem auf eine gute Figur an. Eine schöne Kuh besitzt einen kräftigen Körperbau, starke Beine und straffe Haut - hängen sollte bitte nichts, findet Juror Zens. "Das Euter muss breit und hinten hoch sein." Am Halfter führen die Betreuer die schwarz- und rotbunten Kandidatinnen der jeweiligen Altersklasse auf dem Laufsteg im Kreis, untermalt von zarter Musik. Danach reihen sie sich für einen kritischen Blick aus der Nähe nebeneinander auf.

Erfahrene Models wie die acht Jahre alte "Indian Daylight" aus dem Rhein-Sieg-Kreis absolvieren das Schaulaufen mit stoischer Ruhe. "Sie beherrscht das jetzt seit Jahren", erzählt Betreuer Friedrich Kemmerling. "Sie weiß, wann sie den Kopf hochnehmen muss." Den Nachwuchsstars gehen dagegen schon mal die Nerven durch. "Cerin" lässt sich kaum über den Laufsteg führen, immer wieder bricht sie zur Seite aus und reißt schließlich den Tisch der Jury rum.

Da kann nur noch ein perfektes Styling Pluspunkte bringen. Seit dem Morgen sind spezielle Kuhfriseure im Einsatz, die für glänzendes Fell und einen vorteilhaften Schnitt sorgen. Waschen, Bürsten und Schneiden lassen die Kuhdamen geduldig über sich ergehen. Am Ende föhnt Stylist Jürgen Hoffmann die Rückenhaare nach oben und bringt sie mit einem Schermesser auf eine gerade Linie, "Topline" genannt.

Dadurch lassen sich Unebenheiten in der Wirbelsäule ausgleichen. Ein bisschen Schummeln und Tricksen macht die schönsten Kühe eben noch schöner. Bevor es raus auf den Laufsteg geht, fixiert Hoffmann die Frisur mit Haarspray, bringt Fell und Euter auf Hochglanz und tönt die Beine mit weißer Farbe nach, damit die Knochenstruktur gut zur Geltung kommt. Für den buschigen Schwanz reicht Aufbürsten. "Kühe haben von Natur aus eine Dauerwelle."

Acht Kühe stehen am Ende im Finale. Doch gegen "Krista" haben sie keine Chance. Zum zweiten Mal kürt die Jury sie zur Top-Kuh.

Irena Güttel, DPA / DPA
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