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#EatenAlive So rechtfertigt Rosolie sein Schlangen-Experiment


Warum? Das fragen sich viele nach der Luftnummer mit dem Schlangen-Experiment. Dabei hatte Paul Rosolie schon früh erklärt: Es gehe ihm nur um die Aufmerksamkeit.

Viel Lärm um nix - das ist das Gefühl, das für viele Zuschauer von Paul Rosolies großmäulig angekündigten Experiment übrig bleibt. Er werde sich bei lebendigem Leib von einer Riesenschlange fressen lassen, hatte der 27-Jährige die Werbetrommel gerührt. Pustekuchen: Er brach das Experiment früh ab. "Bei lebendigem Leib einspeicheln lassen" hätte es besser getroffen, fanden die Nutzer auf Twitter. Bereits im Vorfeld waren Tierschützer und Biologen Sturm gelaufen. Für alle bleibt die große Frage: Was sollte das ganze Theater?

In einem Video-Interview formulierte ein Journalist wenige Tage vor der Ausstrahlung exakt den Satz, der vielen enttäuschten US-Zuschauern aus dem Herzen sprechen dürfte: "Nicht wahr, du tust das für die Quoten?", fragte er. Rosolie wehrte sich: "Es gibt nichts, was mich weniger interessiert als Quoten", behauptete er. "Ich tue das, um ihren Lebensraum zu schützen: den Amazonas." Dann benutzte er große Worte, sprach von Ökosystemen und Weltwirtschaft.

"Verzweifelte Zeiten, verzweifelte Maßnahmen"

Ähnliches wiederholte er auch auf seinem Twitter-Account. Er postete und retweetete Naturschutz-Beiträge und beharrte darauf, sich nur für den Schutz des Amazonas einzusetzen. Seine Waffe: mediale Aufmerksamkeit. "Ich hatte die Idee, weil ich die Leute wirklich schockieren wollte", sagte er vergangene Woche in der New York Post. "Ich versuche damit Leute anzusprechen, die nicht unbedingt wissen, was gerade mit dem Amazonas los ist." Dass es sich um einen Notfall handle, rechtfertige die sensationslüsternen Mittel: "Verzweifelte Zeiten, verzweifelte Maßnahmen", so Rosolie.

Ob ihm das mit dieser Aktion geglückt ist? Im Vorfeld hatte Rosolie sich noch siegessicher gegeben. "Wenn diese Leute die Sendung sehen, werden sie die Aktion unterstützen", hatte er gesagt. "Sie greifen mich an, aber ich bin derjenige, der in den Dschungel gegangen ist, um die Viecher zu beschützen."

Der Aufmerksamkeit, die Rosolie sich gewünscht hatte, hat er trotz des frühzeitigen Abbruchs seiner Aktion bekommen. Ob er die aber tatsächlich allein für den Regenwald will, sei dahingestellt. Man mag dem selbsternannten Naturschützer nichts Böses unterstellen, aber es dürfte wohl keine bessere Werbung geben für sein in diesem Jahr veröffentlichtes Buch als das Spektakel um das Eaten-Alive-Experiment. Und das Buch ist es schließlich, was Lesern als Erstes entgegenstrahlt, wenn sie auf Rosolies Homepage klicken.

Carina Braun

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