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Entführung: Nach dem Irrflug über Frankfurt

Einen Tag nach seinem Irrflug über Frankfurt wird der Pilot des Motorseglers vor den Haftrichter geführt. Sein Ziel war es, im Hochhaus der Europäischen Zentralbank zu "landen".

Einen Tag nach seinem Irrflug mit einem entführten Motorsegelflugzeug über der Innenstadt von Frankfurt soll der Pilot am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. Der 31 Jahre alte, geistig verwirrte Mann war am Sonntag festgenommen worden, nachdem er gut zwei Stunden in geringer Höhe über der City der Bankenmetropole gekreist war. Er hatte gedroht, in das Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB) zu fliegen. Das Flugzeug hatte er zuvor auf dem südhessischen Flugplatz Babenhausen mit vorgehaltener Pistole in seine Gewalt gebracht.

Der gesamte Verkehr auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurde gestoppt. Rund 140 Flüge waren betroffen. Etliche Maschinen waren zum Teil mehrere Stunden verspätet, einige wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Gut zwei Stunden, nachdem der Mann aus Darmstadt das Flugzeug in seine Gewalt gebracht hatte, landete er auf dem Frankfurter Flughafen und ließ sich laut Polizei widerstandslos festnehmen.

In der Frankfurter Innenstadt löste das zeitweise in nur 50 Metern Höhe zwischen den Bankentürmen kreisende Flugzeug Angst und Schrecken aus. Viele Menschen fühlten sich an die Terrorattentate in den USA vom 11. September 2001 erinnert. Die Polizei sperrte die Innenstadt für den Verkehr und räumte die EZB, die Oper und das Schauspielhaus. Der Motorsegler wurde von zwei Phantom-Kampfjets der Luftwaffe und einem Polizeihubschrauber verfolgt.

Über Sprechfunk hatte der Darmstädter gesagt, das EZB-Gebäude solle geräumt werden, da er niemanden verletzen wollte, teilte die Deutsche Flugsicherung mit. Ein Fluglotse habe dem Mann bei der Steuerung des Motorseglers per Funk geholfen, da dieser sich nur mit einem anderen Flugzeugtyp ausgekannt habe.

Der Pilot hatte dem Nachrichtensender n-tv noch während des Fluges gesagt, er wolle niemanden gefährden, sich aber am Ende der Aktion umbringen. Es komme ihm darauf an, die Astronautin Judith Resnick bekannt zu machen, die beim Absturz der US-Raumfähre Challenger 1986 ums Leben gekommen war.

Auf dem Flugplatz Babenhausen hatte sich der von seiner behinderten Mutter begleitete Mann für einen Rundflug interessiert, teilte der dortige Luftsportclub mit. Als die Maschine startbereit auf der Piste stand, habe er eine Pistole gezogen, sie dem Piloten an den Kopf gehalten und ihn zum Aussteigen gezwungen.

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