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Follow Me: Das Fliegerwunder vom Gauligletscher

Irrflug in den Bergen: Vor genau 70 Jahren stürzte eine amerikanische C-53 in der Schweiz ab. Erst nach Tagen wurden die Überlebenden durch das Spezialflugzeug Fieseler Storch vom Gletscher geborgen – die Geburtsstunde der alpinen Luftrettung. Jetzt ist ein Exemplar wieder flugfähig.

Fieseler Storch A-97

Oben links unter der Decke mit Skiern unter den Rädern: Der olivgrüne Fieseler Storch mit der Kennung A-97, der 1946 auf dem Gauligletscher landete, hing fünf Jahrzehnte in Luzern, im Verkehrshaus der Schweiz.

Acht VIPs und vier Besatzungsmitglieder waren an Bord der C-53. Die Militärs und Generalsgattinnen wollten von Wien, dem damaligen Hauptquartier der Besatzungstruppen Süd-Ost, via Marseille nach Pisa fliegen. Doch am Dienstag, den 19. November 1946, war das Wetter schlecht. Der Pilot der Maschine, die Militärversion der berühmten DC-3, entschloss sich für eine Route via München und Lyon. Über Innsbruck verlor die Crew die Orientierung, steuerte westwärts – und flog viel zu tief.

Heftige Turbulenzen schüttelten die Maschine durch. Bergkämme müssen nur knapp überflogen worden sein. Gegen 14.25 Uhr zerschellte die zweimotorige Propellermaschine zum Glück nicht an einer Felswand, sondern krachte im Blindflug mit 280 km/h auf einen 3300 Meter hoch gelegenen Gletscher und schlidderte im Tiefschnee einen Hang empor. 80 Meter lang war die Bremsspur. Sitze wurden aus der Verankerung gerissen, in der Kabine flog alles durcheinander.

Bruchlandung auf dem Gauligletscher

"Mayday, Mayday, Mayday", funkte die Besatzung. "US Z68846 crashed, Position unbekannt. Verletzte an Bord; inform United States Headquarters in Vienna." Die Überlebenden glaubten in den französischen Alpen zu sein und verbrachten die erste Nacht bei Temperaturen von minus 15 Grad in Fallschirmen eingewickelt im lädierten Rumpf der Maschine. Eine beispiellose Rettungsaktion begann. Doch Suchflugzeuge kreisten am nächsten Tag am falschen Ort.

Dakota DC-3 der US Air-Force auf dem Gauligletscher

Abgestürzt am 19. November 1946 auf dem Gauligletscher: Die Dakota DC-3 der United States Army

Mit angezündetem Treibstoff versuchten die Havaristen auf sich aufmerksam zu machen. Zwei der noch Gehfähigen suchten einen Weg durch das Gletscherlabyrinth talabwärts, vergeblich. Dann gab auch die Batterie des Funkgerätes ihren Geist auf.

Der Chef des Militärflugplatzes Meiringen im Schweizer Kanton Bern hatte Signale des Bordfunkers aufgefangen und glaubte, dass das Wrack in der Nähe liegen müsste. Doch die Amerikaner suchten weiterhin in Frankreich. Erst nach der dritten Nacht im Eis entdeckte eine Boeing B-29 auf dem Rückweg eher zufällig die verunglückte Maschine - im Berner Oberland. An Bord des Suchflugzeuges war General Ralph Tate. Sein Sohn war Unglückspilot der Douglas - und eine der acht Passagiere seine Ehefrau.

Schneefall, Frost und Umwege

Der ungefähre Absturzort war bekannt, die internationale Presse strömte in die Region Interlaken. Die Amerikaner schickten aus Italien einen Sonderzug mit 150 Gebirgsjägern und Raupenfahrzeugen Richtung Interlaken. Doch die Jeeps kamen nicht weit. Das US-Militär hatte die Verhältnisse in den Alpen völlig falsch eingeschätzt.

Dakota DC-3 der US Air-Force auf dem Gauligletscher

Luftaufnahme nach mehreren Tagen im Neuschnee: Die Überlebenden des Unglücks haben das Wort "FINI" in den Schnee gestampft, damit sie nicht weiter von Säcken mit Proviant bombardiert werden.

Erst am Samstag machten sich Schweizer Rettungsmannschaften auf den Weg ins verschneite Hochgebirge. Nach vier Tagen und vielen Umwegen erreichten zwei Skifahrer den Unglücksort. Später mussten auch die Retter in den eisigen Höhen zum Teil in Schneehöhlen übernachten. Lebensmittel wurden von Flugzeugen abgeworfen, doch der Abtransport der Verletzten mit Knochenbrüchen, ersten Erfrierungen und Wunden erwies sich als problematisch.

Die "Störche" kommen

Der Chef der Rettungskolonne funkte dennoch ins Tal: "Keine Toten, alle Verletzten transportfähig; Landung mit Fieseler Storch unmöglich." Damit verwies er auf Spezialflugzeuge mit Kurzstarteigenschaften, die im Tiefflug die Unglücksstelle inspiziert hatten und eventuell auf dem Gletscher landen sollten.

Dakota DC-3 der US Air-Force auf dem Gauligletscher

Der 150 Zentimeter tiefe Neuschnee hatte den Aufprall abgefedert: Alle zwölf Menschen an Bord überlebten das Unglück.

Bei der Fieseler Storch handelt es sich um einen Hochdecker mit auffallend hochbeinigem Fahrgestell. Das extrem langsam fliegende Flugzeug war eine Entwicklung der Gerhard-Fieseler-Werke in Kassel aus den 30er Jahren. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich zwei Exemplare dieses Typs in der neutralen Schweiz verirrt, mussten in Samedan im Oberengadin notlanden und wurden von den Eidgenossen konfisziert.

Fünf Tage und Nächte hatten die Überlebenden ausgeharrt. Dann gelang am Sonntag der Geniestreich: Zwei der Storch-Piloten setzte sich über alle Abmachungen hinweg und landeten mit Kufen unter den Rädern auf dem Gauligletscher, gleich unterhalb der Unglücksstelle. Zwei Verletzte wurden eingeladen, und zwölf Minuten später landete das Flugzeug mit den ersten Geretteten in Meringen-Unterbach. Nach acht Bergungsflügen waren alle Insassen der C-53 zurück in der Zivilisation und auf dem Weg ins Krankenhaus. 

Die Schweizer Militärpiloten wurden von der Weltpresse als Helden gefeiert. Seitdem gilt der 24. November 1946 als Geburtsstunde der alpinen Luftrettung. Ein US-General war voll des Lobes: "Wir Amerikaner haben von den Schweizern viel gesehen und gelernt; solche Leistungen vollbringen nur Schweizer." Ausgerechnet zwei Flugzeuge "made in Nazi-Deutschland" retteten die Amerikaner.

Die A-97 fliegt wieder

Schon eine Tag später begruben Schneemassen die Überreste des Flugzeugs. Erst im Juli 2012 fanden zwei Bergsteiger einen der beiden Propeller im tauenden Eis. Drei Jahre später gab der Gauligletscher weitere Teile des Rumpfes frei.

Dakota DC-3 der US Air-Force auf dem Gauligletscher

Die Bergsteiger Manuel Rufener (links) und Peter Flühmann fanden im tauenden Eis im Sommer 2012 einen der beiden 300 Kilogramm schweren Propeller der 1946 abgestürzten C-53.


Die "Störche" waren bei der Schweizer Luftwaffe noch bis 1963 in Betrieb. Eine der beiden Fieseler Fi 156, so die Typenbezeichnung, kam ins Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Dort wurde sie bis zum November 2015 ausgestellt. Denn der Verein Freunde des Fieseler Storch hat das historische Flugzeug aus seinem Dornröschenschlaf erweckt: Im polnischen Krosno wurde die A-97 generalüberholt und ging Anfang November erfolgreich auf Erprobungsflug.

Doch aus dem Plan, mit dem Museumsflugzeug am 70. Jahrestag der spektakulären Rettungsaktion noch einmal auf dem Gauligletscher zu landen, wird nichts – vorerst. Die Schnee- und Wetterverhältnisse erlauben am 24. November 2016 keine Landung. "Eine Folge des Klimawandels und der Erderwärmung", sagt Stefan Bitterle, Sprecher der Storchenfreunde. So müssen die Flugzeugenthusiasten ihr Vorhaben auf das Frühjahr 2017 verschieben, wenn hoffentlich mehr Schnee liegt. "1946 haben die Schutzengel Überstunden am Gauli gemacht, so Bitterle. "Das wollen wir ihnen nicht nochmal zumuten.“


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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.