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Gesetz in Frankreich: Um Diskriminierung zu beenden: Schulformulare sollen geändert werden

Am vergangenen Dienstag wurde eine Gesetzesänderung für französische Schulen verabschiedet, Eltern von Schülern sollen fortan in Formularen mit "Elternteil 1" und "Elternteil 2" angesprochen werden. Ziel dieses Gesetzes ist das Einstellen der Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Eltern.

Schulkinder mit Vater

Die neue Gesetzesregelung in Frankreich soll die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Eltern beenden

Getty Images

"Mutter" und "Vater" sollen jetzt, in Formularen französischer Schulen durch "Elternteil 1" und "Elternteil 2" ersetzt werden. Die französische Nationalversammlung stimmte in der vergangenen Woche für dieses Gesetz, das vor allem gleichgeschlechtliche Elternpaare unterstützen soll. Die Meinungen der Franzosen spalten sich zu diesem Thema. 

Das Gesetz der gleichgeschlechtlichen Ehe wurde in Frankreich schon 2013 eingeführt, seither laufen auch die Diskussionen zur Änderung der Anrede bei Eltern in schriftlichen Formularen. Hauptargument in diesen Diskussionen sei, dass gleichgeschlechtliche Eltern durch die Bezeichnungen "Mutter" und "Vater" ausgeschlossen wären. Es ginge hier um Respekt vor den Menschen und ihrer Würde, sagen Politiker.

Jennifer De Temmerman, Abgeordnete der Partei "République en Marche" (REM), bestätigte die Aussage ihrer Partei, dass die heutigen Sozial- und Familienmodelle etwas veraltet seien. "Niemand sollte sich durch rückständiges Denken von dieser Gesellschaft ausgeschlossen fühlen", sagte sie. Die Partei REM, die von Präsident Macron gegründet wurde, unterstütze die Gesetzesänderung. In dem Änderungsantrag heißt es: "Um Diskriminierung zu verhindern, müssen die Formulare der Schule [...] und alle anderen offiziellen Formulare, an denen Kinder beteiligt sind, nur Elternteil 1 und Elternteil 2 angeben".

Zweifel an der Neuregelung

Andere Politiker erheben jedoch auch ihre Zweifel an der Neuregelung. Alexandre Urwicz, Präsident der Vereinigung der Homo-Eltern-Familien, befürchtete, dass das neue Gesetz zu einer elterlichen Hierarchie führen könne: "Wer ist Elternteil 1 und wer ist Elternteil 2?", fragte er. Zudem regnete es vor allem Kritik von Seiten konservativ eingestellter Franzosen. Der Parlamentsabgeordnete Xavier Breton sagte: "Wenn ich höre, dass die Leute sagen, dass dies ein altmodisches Modell sei, erinnere ich die Leute daran, dass heute unter den Gewerkschaften, zivil oder ehelich, etwa 95 Prozent Mann-Frau-Paare sind", berichtete "The Telegraph".

Ablehnung des Mehrheitssenats wird nicht erwartet

Schon die Gesetzeseinführung der gleichgeschlechtlichen Ehen im Jahr 2013 führte zu einer Polarisierung der Meinungen unter französischen Bürgern sowie zu massenweise Protestaktionen. Die neue Regelung bringt nun weitere Diskussionen mit sich, die noch nicht beendet sind. Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass die Änderung vom Mehrheitssenat abgelehnt wird. Sollte dieser Fall eintreten, würde der Gesetzesvorschlag zu einer weiteren Überprüfung an die französische Nationalversammlung zurückgehen.

Quellen: "The Mail"" / "The Telegraph"

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lber
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