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Gefährlicher Hefepilz "Globale Gesundheitsbedrohung": US-Behörden warnen vor "Candida auris"

Das Zeichen des "Centers for Disease Control and Prevention" im Tom Harkin Global Communications Center in Atlanta, Georgia. Die Institution warnt vor dem Ausbruch eines Hefepilzes.
Das Zeichen des "Centers for Disease Control and Prevention" im Tom Harkin Global Communications Center in Atlanta, Georgia. Die Institution warnt vor dem Ausbruch eines Hefepilzes.
© KEVIN C. COX / AFP
Wissenschaftler warnen auch in Deutschland vor Candida auris. In den USA ist der gefährliche und multiresistente Hefepilz bereits an mehreren Standorten ausgebrochen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de

US-Behörden warnen aktuell vor einer Verbreitung des Hefepilzes Candida auris. Der Pilz ist resistent gegen die meisten Medikamente. Eine Infektion kann vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem tödlich enden. Mediziner Dr. Christoph Specht erklärt, was den Pilz so gefährlich macht und ob er sich auch in Deutschland verbreiten kann.

Warum der Hefepilz Candida auris gefährlich ist

"Candida auris stellt eine ernste globale Gesundheitsbedrohung dar", warnt die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Laut CDC breitet sich der Pilz derzeit in Gesundheitseinrichtungen in Washington, D.C. und Dallas aus. "Mehrere Ausbrüche wurden identifiziert."

Mediziner Dr. Christoph Specht erklärt, warum eine Infektion mit dem Pilz gefährlich ist: "Candida auris ist ein multiresistenter Keim." Das bedeutet, "dass Antimykotika, die normaler Weise zur Behandlung von Candida-Infektionen einsetzt werden, wirkungslos ist". Doch nicht jeder Befall mit Candida auris sei gefährlich. "Der Pilz ist häufig in der Achselhöhle oder der Leistengegend nachweisbar". Er stelle aber für gesunde Menschen keine Gefahr dar.

Hohe Gefahr für immungeschwächte Menschen im Krankenhaus

Gefährlich werde es, wenn das Immunsystem infolge einer schweren Erkrankung wie Corona, aber auch durch Leukämie oder Diabetes geschwächt sei. Im Krankenhaus sei man besonders gefährdet, weil sich Pilze dort leicht vermehren könnten. "Wenn Sie im Krankenhaus liegen und erkrankt sind, kann der Pilz in die Wunde oder auf die Schleimhäute gelangen und schwere Erkrankungen bis hin zur Blutvergiftung verursachen." Gelange Candida auris ins Blutkapillarsystem, könne das zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen, die meist innerhalb weniger Stunden tödlich verlaufe.

Die Letalität liege bei 30-60 Prozent. "Das ist sehr hoch. Zum Vergleich: Die Letalität des Coronavirus liegt bei unter einem Prozent", erklärt der Experte. Unter Letalität versteht man die Wahrscheinlichkeit, an einer Krankheit zu sterben.

Hefepilz ist resistent gegen Desinfektionsmittel

Tückisch sei außerdem, dass der Pilz von Mensch zu Mensch übertragbar ist und sich auch über Oberflächen übertragen lässt, warnt Specht. Zudem ist Candida auris nicht nur resistent gegen Antimyotika, sondern auch gegen Desinfektionsmittel, was die Einhaltung der Hygienestandards erschwere.

Eine ernste globale Bedrohung stelle Candida auris jedoch nicht dar. Durch die leichte Ansteckung handele es sich meist um "lokale Ausbrüche", wie eben jetzt in Washington D.C. und Texas in den USA. Seine Ursprünge habe Candida auris in Südafrika und Indien. "Dort sind zwar Antimykotika vorhanden sind, aber die Menschen werden in der Regel nicht lange genug damit behandelt. Dadurch entstehen die Resistenzen", weiß Specht.

Auch in Deutschland gibt es bereits bekannte Todesfälle durch Candida auris

Dennoch ist Specht der Überzeugung, dass Ausbrüche von Candida auris in Zukunft eher zunehmen werden. Nicht zuletzt aufgrund der Globalisierung. Die starke weltweite Vernetzung der USA und Englands seien unter anderem Gründe für die rasche Verbreitung. "Besonders die Achse England-Indien ist sehr stark", betont Specht. Dies erkläre, warum sich auch die ursprünglich in Indien aufgetretene Deltavariante des Coronavirus so schnell und stark in England ausgebreitet habe.

Und auch in Deutschland gibt es immer wieder tödliche Verläufe infolge einer Erkrankung durch Candida auris – mit steigender Tendenz. "Es ist davon auszugehen, dass die Fälle auch bei uns zunehmen werden, vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Die beste Prävention dagegen sei ein gesunder Lebensstil. "Minimieren Sie Risikofaktoren für schwere Erkrankungen. Dazu zählen Rauchen oder Übergewicht." Auch ein erhöhter Blutdruck sollte nach Möglichkeit behandelt werden, um das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken. Denn wer nicht ins Krankenhaus müsse, infiziere sich meist auch nicht mit Candida auris.

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ldh / nri / RTL.de

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