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Geplante Kampagne für Indien: Fords Berlusconi-Werbung ist gar nicht sexy

Eine Kampagne für ein neues Ford-Modell zeigt Silvio Berlusconi samt seiner Beute: drei gefesselte Frauen. Der Konzern muss sich entschuldigen. Das beworbene Auto ist für den indischen Markt bestimmt.

Vorne am Steuer sitzt Silvio Berlusconi. Ihm geht es gut wie immer. Er grinst und macht das Victory-Zeichen. Der umstrittene Italiener, den vornehme Zeitgenossen als sexsüchtigen Egomanen und Leute mit schlichtem Gemüt als geilen Bock bezeichnen, hat eine Ladung im Kofferraum eines Autos, die ganz nach seinem Geschmack ist. Drei halbnackte Frauen für, so wird dem Betrachter jedenfalls suggeriert, für eine Bunga-Bunga-Party. Die Damen - Kennzeichen: leichte bis nuttige Leidung und üppige Brüste - tragen Fesseln an Händen und Füßen sowie einen Mundknebel. Gemessen an ihrer Lage wirken sie noch ziemlich munter. Die Botschaft der Werbung für den neuen Ford Figo sollte lauten: Wenn du in der Bredouille bist, mach dir keine Gedanken, setz dich in deine Karre, mach eine Spritztour und vergiss schleunigst die Staatsanwälte, die dir was anhängen wollen. Der Spruch unter der Comic-artigen Werbung lautet: "Lass deine Sorgen hinter dir, mit dem extragroßen Kofferraum des Figo."

Die Werbung, die am Wochenende offenbar ohne Zustimmung von Ford im Internet erschienen war, sollte witzig sein. Doch das Lachen ist inzwischen auch dem US-Autohersteller vergangen. Die PR-Kampagne ging nach hinten los. Grund: Der Ford Figo wird in Indien produziert und die Werbung, entworfen vom indischen Ableger des New Yorker Werbekonzerns JWT, ist für den asiatischen Markt bestimmt. Indien ist seit Wochen mit Massenvergewaltigungen und anderen Gewaltakten gegen Frauen weltweit in den Schlagzeilen. Gerade läuft ein Prozess gegen mehrere Männer, denen vorgeworfen wird, eine Studentin bei einem sexuellen Missbrauch so schwere Verletzungen zugefügt zu haben, dass das Opfer an ihnen gestorben ist.

"Sexitisch", "frauenfeindlich", "geschmacklos", "schamlos"

So extragroß der Kofferraum des Ford Figo auch sein mag, der Protessturm gegen die Werbekampagne steht dem in Größe nichts nach. Im Internet melden sich empörte Frauen und Männer. "Sexitisch", "frauenfeindlich", "geschmacklos", "schamlos" oder schlicht "dumm" wird die Werbung bezeichnet. Gleichzeitig wird der Autohersteller verspottet: "Was ist die Bedeutung von 'lassen Sie Ihre Sorgen hinter sich'?", fragt ein User und mutmaßt sarkastisch: "Dass er mordet und die Frauen entsorgt?" Sogar ein Boykott-Aufruf gegen Ford macht die Runde.

Der amerikanische Konzern reagierte sofort und erklärte, die Werbung komme niemals auf den Markt. "Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst und stimmen mit unseren Agenturpartnern darin überein, das dies nie hätte passieren dürfen", beteuerte der indische Ableger von Ford am Montag. Die Werbefirma geißelte ihre eigene Idee als "geschmacklos", bedauerte sie zutiefst und meinte, Frauenfeindlichkeit passe nicht ins gesellschaftliche Klima. Die Bilder der Kampagne seien nicht "zur bezahlten Veröffentlichung" vorgesehen gewesen.

Das Berlusconi-Motiv war Teil einer Marketingstrategie mit bekannten Persönlichkeiten aus der Sport- und Partyszene. Die drei bekanntgewordenen Entwürfe sind im US-Autofachforum Autoblog.com zu besichtigen. Bei einer zweiten Anzeige sitzt Paris Hilton augenzwinkernd am Steuer und freut sich über ihre "Beute" im extragroßen Kofferraum. Es sind drei Frauen, die die Internetgemeinde als die Kardashian-Schwestern identifizierte. Sie sitzen - ebenfalls gefesselt - im hinteren Teil des Fords: eine in Jeans und T-Shirt, eine im Kleidchen und eine im Bikini. Das dritte Motiv wirkt dagegen harmlos: Vorne freut sich Michael Schumacher, drei frühere Konkurrenten abtransportieren zu können, ohne dass sie sich wehren können: Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Fernando Alonso schauen ziemlich sauer drein angesichts ihrer Lage.

tso
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