HOME

Organisiertes Verbrechen: Sie drohen, streiten, gehen gemeinsam in den Puff. Auf einmaliger Dienstreise mit der Mafia

Morddrohungen und Geldwäsche: Mit dem ’Ndrangheta-Clan auf Dienstreise durch Deutschland. Eine Nahaufnahme aus dem Alltag des Farao-Clans.

Von Norbert Höfler und Sandro Mattioli

'Ndrangheta-Clan: Auf Mafia-Dienstreise durch Deutschland

Melsungen in Hessen gilt als wichtiger Stützpunkt der ’Ndrangheta (l.). Beim Treffen auf dem Sparkassenplatz fotografierten Fahnder die Übergabe von Gastgeschenken aus Kalabrien (r. u.). Der Pate aus Cirò, Giuseppe Farao (o.) sitzt wegen Mordes im italienischen Knast.

Dieser Artikel erschien erstmals am 7. April 2018 auf der Website des stern. Aufrund des großen Interesses veröffentlichen wir ihn erneut auf unserer Homepage.

Die Reisen von Kalabrien nach Deutschland sind anstrengend. Die lange Fahrt, das schlechte Wetter und immer dieses Gezeter und Geheule, wenn es vor Ort dann Stress gibt. "Vittorio, nein, ich will nicht zahlen!" – "Vittorio, nein, so viel Ware kann ich dir nicht abnehmen."

Aber dieser Nerv-Kram gehört nun mal dazu. So läuft das Geschäft, das der Vater aufgebaut hat und der Sohn jetzt weiterführt. Also steigen Vittorio Farao, der Clanchef, und drei seiner Männer in den Mercedes, Kennzeichen CY 152 MR, und fahren 20 Stunden Richtung Norden. Von Cirò in Süditalien nach Stuttgart, Melsungen, Fritzlar und wie die Orte auf der kalten Seite der Alpen sonst noch heißen. Die Mafia auf Dienstreise.

Das Fahrzeug ist verwanzt

Vittorio Farao und seine Männer gehören zur 'Ndrangheta, dem mächtigsten Arm der organisierten Kriminalität in Italien. Und Deutschland zählt inzwischen zu ihren wichtigsten Geschäftsgebieten.

Neben Drogenhandel und Geldwäsche haben sie hier ein neues, lukratives Geschäft aufgebaut: Farao und seine Leute "überzeugen" Gastwirte, überteuerte Waren aus Kalabrien zu kaufen. Im Angebot haben sie Olivenöl, Fertigteig, Fisch, Wurst, Pizzakartons und Wein. Alles, was ein italienisches Restaurant braucht. Die Idee ist simpel: Statt Schutzgeld zu erpressen, verkaufen die Mafiosi minderwertige Waren zu imposant hohen Preisen.

Der Rotwein etwa, den der Farao-Clan in den Markt drückt, stammt von einem Weingut in Kalabrien, dessen Besitzer enge Kontakte zur Familie pflegt. Über die Qualität des Weins streiten sich die Mafiosi im Auto. Einer sagt: "Sag Pasquale (dem Weingutbesitzer), dem Pisser, dass der Wein absolut scheiße ist! Alle beschweren sich über diesen Dreckswein. Er schmeckt nach nichts."

Was die Männer nicht wissen: Ihr Mercedes ist auf vielen ihrer Reisen verwanzt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren, von 2013 bis Anfang 2018, werden sie von italienischen und deutschen Polizisten abgehört und observiert. Auf Tausenden Seiten protokollieren die Fahnder den Alltag der Mafia. Verdeckte Ermittler machen zusätzlich Fotos. In Ton und Bild entsteht so die Nahaufnahme des organisierten Verbrechens, in einer nie gekannten Schärfe. Erstmals können die Fahnder damit das Deutschlandgeschäft der 'Ndrangheta bis in kleinste Details nachvollziehen.

Mächtiger ’Ndrangheta-Boss: Das Geschäftsgebiet von Vittorio Farao (l.) reicht von Stuttgart bis Kassel

Mächtiger ’Ndrangheta-Boss: Das Geschäftsgebiet von Vittorio Farao (l.) reicht von Stuttgart bis Kassel

Die Manager der Mafia reisen bescheiden. Typisch dafür ist eine Tour im September 2013. Unterwegs schlafen Vittorio Farao und seine Männer in einfachen Herbergen. Sie tragen keine teuren Anzüge, sondern Jeans und Lederjacke. Das Gewöhnliche ist ihre beste Tarnung. Sie kommen und gehen wie Vertreter für Nudelmaschinen.

Auf halber Strecke, in Parma, will Farao übernachten. Ein Kontaktmann soll sich um Zimmer kümmern und an der Ausfahrt "Parma Centro" warten. Er eskortiert den Mercedes des Chefs in die Stadt. Am nächsten Morgen geht es weiter über den Brenner nach Deutschland.

Die Farao-Familie aus Cirò hat sich in der schwäbischen und hessischen Provinz festgesetzt. Sie zählt in Deutschland zu den stärksten 'Ndrangheta-Clans. Ihr Territorium reicht von Stuttgart bis Kassel, der Rest des Landes "gehört" anderen Familien. Im Auto sagt Vittorio Farao zu seinem Cousin Vincenzo: "Wichtig ist, dass du nicht in Gebiete gehst, wo ich schon bin." Vincenzo erwidert brav: "Nein, ich habe nicht die Absicht."

Wichtiger Stützpunkt für den Farao-Clan ist Melsungen in Nordhessen. Die Mafiosi machen auf ihren Dienstreisen in der Kleinstadt Station, sie ist so etwas wie der Brückenkopf ins Geschäftsgebiet. Hier leben wichtige Kontaktleute – auch sie möglichst unauffällig. Lediglich in den Carports vor ihren Häusern fällt ein Hang zu hochmotorisierten Alfa Romeos auf.

Die 'Ndrangheta braucht es ruhig

Als zwei von Faraos Leuten mal im Streit auf offener Straße mit Pistolen herumfuchteln, wird der Boss wütend. Am Telefon brüllt er: "Ich sag es dir einmal und nie wieder: In Melsungen muss es still wie in einer Kirche sein. Hier sind unsere Freunde, die kommen und gehen. Mit solchen Scheißaktionen darfst du die Leute nicht nerven! Verstanden? Du Scheißidiot!"

Die 'Ndrangheta braucht es ruhig. Auf keinen Fall darf sich wiederholen, was vor über zehn Jahren in Duisburg passierte. Bei einer wilden Schießerei zwischen rivalisierenden Familien starben damals sechs Mafiosi. Solche Vorfälle stören nur die Geschäfte und erhöhen den Fahndungsdruck durch die Polizei.

Wolfgang Rahm bittet in ein Besprechungszimmer im Erdgeschoss eines 70er-Jahre-Betonbaus. Er arbeitet beim LKA in Stuttgart und gilt als einer der erfahrensten Mafia-Ermittler in Deutschland. Er trägt Hoody, Jeans und Sneaker. Auch er will nicht auffallen. Mit den Klischees, sagt Rahm, habe die moderne Mafia wenig zu tun. Sie reist nicht mit Maschinenpistolen. Sie mordet nicht leichthändig und ist längst aus dem plumpen Schutzgeldbusiness ausgestiegen. Moderne Mafiosi lassen sich juristisch beraten. Sie konzentrieren sich auf Geschäfte mit hohen Margen und geringem Entdeckungsrisiko.

Reklame für Rotwein aus Cirò im Sportheim des TV Häslach

Reklame für Rotwein aus Cirò im Sportheim des TV Häslach

Rahm sagt, die Männer, die im Mercedes über den Brenner kommen, sind wie Mitarbeiter auf Montage. Sie fahren tausend Kilometer am Tag und erledigen systematisch ihre Aufträge. Sie treffen Statthalter und Kontaktleute, sie erkunden Schmuggelrouten, legen Depots für legale und illegale Waren an. "Die bewegen sich ganz selbstverständlich über Landesgrenzen hinweg, die haben schnell verstanden, was für ein großer Markt Europa ist. Die sind die wahren Europäer."

Die 'Ndrangheta habe außerdem viele Helfer, einige arbeiten als Spediteure oder Fernbusfahrer, viele leben mit ihren Familien in Deutschland. "Diese Leute sind das bürgerliche Gesicht der Mafia", sagt Rahm. Die dritte Gruppe bilden Geschäftsleute, die gut vernetzt sind, die örtliche Vereine sponsern und als Wohltäter auftreten. Oft sind es Restaurantbesitzer. Rahm nennt sie die "unternehmerische Mafia".

Koordiniert wird dieses Netzwerk aus Handlungsreisenden, Helfern und Unternehmern von Kalabrien aus. Manchmal sogar direkt aus einem italienischen Hochsicherheitsgefängnis, wo der Vater von Vittorio Farao eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes absitzt. Er ist der Pate. In den 70er Jahren hatte er den Clan gegründet.

Die Geschäfte belaufen sich weltweit auf etwa 50 Milliarden Euro im Jahr

Die Spur der Mafia führt in den Speckgürtel Stuttgarts – aus dem Talkessel die Neue Weinsteige hinauf nach Häslach. Die Protokolle der Polizei legen nahe, dass die Farao-Familie hier einen wichtigen Statthalter installiert hat. Als Inhaber der Pizzeria "Venere e Peperoncino".

Die Gaststätte gehört zum Sportheim des TV Häslach, verpachtet ist sie an den Pizzabäcker Francesco B., der wie die Faraos aus Kalabrien stammt. Hinter der Theke stehen Dutzende Flaschen "Rosso Classico" aus Cirò. Das Restaurant gilt in der Gegend als "guter Italiener". An Wochenenden reihen sich auf dem Parkplatz die SUV, wochentags kommen die Rentner zum Seniorennachmittag. Francesco und seine Lebensgefährtin Emilia seien "fleißig und handfest", sagen die Leute.

Die Ermittler vermuten, dass im "Venere e Peperoncino" Mafiageld gewaschen wurde. Für die Mafia ist es ein dauerndes Problem, das schmutzige Geld aus kriminellen Geschäften wie dem Drogenhandel in sauberes zu verwandeln. Wird damit aber ein Lokal gepachtet oder wird es offiziell als Umsatz eines Restaurants angegeben, gelangt das Geld zurück in den legalen Kreislauf, blitzblank. In einem Telefongespräch sagt ein Statthalter des Clans über die Pizzerien: "Waschen. Waschen. Das ist eine einzige Wäscherei hier."

Die Ermittler hören im "Venere e Peperoncino" ein Gespräch ab, bei dem sich der Anrufer beim Pizzabäcker B. beklagt. "Wir transportieren das Geld, übergeben es persönlich. Euch geht es bestens. Aber wir gehen 20 Jahre in den Knast, wenn wir erwischt werden." Im Hintergrund ist das Zischen einer Vakuummaschine zu hören. Zu den Tricks der Mafia gehört es, Geldbündel in Plastikfolie einzuschweißen, damit sie bei Zollkontrollen von Spürhunden nicht erschnüffelt werden können.

Promi-Italiener Luigi L., hier mit Währungsfonds-Chefin Lagarde, sollte Mafiawein kaufen

Promi-Italiener Luigi L., hier mit Währungsfonds-Chefin Lagarde, sollte Mafiawein kaufen

Ein anderer Gastwirt mit Wurzeln in Kalabrien und engen Verbindungen zum Farao-Clan soll mit dem Geld der 'Ndrangheta im Großraum Stuttgart ein Netz aus mehr als 140 Pizzerien, Restaurants und Eisdielen aufgebaut haben. Sogar Immobilienprojekte mit Lokalpolitikern sind in Planung. So nistet sich die Mafia immer tiefer in der Gesellschaft ein.

Neben der Großfamilie Farao zählen rund 60 weitere Gruppen aus Kalabrien, "locale" genannt, zur 'Ndrangheta in Deutschland. Namen, Orte und Firmen sind in den Protokollen genannt. Es gehören ihr vor allem Italiener an, als Strohmänner bei Finanz- und Immobiliengeschäften dienen aber auch deutsche Staatsbürger. Zählt man all diese Helfer dazu, sind hierzulande etwa 3000 Leute der Mafia zuzuordnen. Die Geschäfte der 'Ndrangheta belaufen sich weltweit auf schätzungsweise 50 Milliarden Euro im Jahr.

"Die Kalabresen musst du aufsuchen."

Auf den ersten Blick wirkt die 'Ndrangheta chaotisch und unorganisiert. Tatsächlich ähnelt die Verbrecherorganisation einem verzweigten Mischkonzern. Eine Sparte handelt und vertreibt Drogen, vor allem Kokain. Dabei arbeiten die drei großen italienischen Mafiaorganisationen Camorra (Neapel), Cosa Nostra (Sizilien) und 'Ndrangheta (Kalabrien) sogar zusammen, wenn mehrere Clans große Mengen bei den Kartellen in Süd- und Mittelamerika bestellen. Eine andere "Konzernsparte" ist spezialisiert auf EU-Subventions- und Versicherungsbetrug. Eine dritte kümmert sich um Immobilien, Geldwäsche und den Handel mit Lebensmitteln.

Vor allem dieser Geschäftszweig gilt als berechenbar und krisensicher. Die Ermittler schätzen, dass allein der Gewinn aus dem Weinhandel bei einigen Millionen Euro pro Jahr liegt. Der Pate der Farao-Clans, der sich einst mit brutalen Methoden im Rauschgiftgeschäft durchgesetzt hatte, hatte aus Sorge um seine Familie seinen Sohn aufgefordert, diese "unternehmerische" Aktivität zu stärken.

Die Protokolle führen auch zu einer Pizzeria in der Nähe von Melsungen. Dort ließ der Farao-Clan 200 Kartons Wein aus Cirò vor die Tür stellen. Der Wirt weigerte sich zu bezahlen, bis Vittorio Farao mit seinen Jungs im Mercedes vorfuhr. Das genügte. Ob der Wirt den "Dreckswein" an seine Gäste ausschenkt oder in den Gully kippt, ist der Mafia egal. Sie stellt für die Lieferung sogar eine echte Rechnung aus.

Bäcker Heiko F. wollte ein Eiscafé im Territorium des Farao-Clans eröffnen. Er wurde bedroht

Bäcker Heiko F. wollte ein Eiscafé im Territorium des Farao-Clans eröffnen. Er wurde bedroht

Ein Staatsanwalt, der seit Jahren gegen die Mafia ermittelt, sagt: "Wenn wir ihnen nach aufwendigen Ermittlungen auf die Schliche kommen, kriegen wir sie höchstens wegen Nötigung dran. Darauf steht nicht einmal eine Gefängnisstrafe."

In einem der abgehörten Telefonate gibt Vittorio Farao einem Mitarbeiter Anweisung, wie er neue Kunden findet: "Du musst morgens um acht los und bis abends dranbleiben. Du musst Strecke machen. Du musst die Lokale abklappern, wo Landsleute sind, wo Kalabresen sind. Die Kalabresen musst du aufsuchen."

Jemanden wie Luigi L., einen angesehenen Gastwirt in Neu-Isenburg. Sein Restaurant gehört zu den Nobelitalienern rund um Frankfurt. An den Wänden hängen Dutzende Fotos mit prominenten Gästen. Boris Becker ist dabei, Günter Netzer, Mario Adorf, Christine Lagarde.

An diesem Vormittag ist noch nichts los. In der Küche scheppern die Töpfe. Als Mittagsmenü gibt es Penne mit Rehragout für 17,50 Euro. Luigi L., ein Mann mit Halbglatze und Bauchansatz, empfängt mit fröhlichem "Buongiorno". Man wolle über den Wein und die Mafia reden? Da werde er nichts sagen. Aber er bietet Platz an und lässt ein Tellerchen mit Bruschetta bringen. Daneben legt er die Visitenkarte seines Anwalts. "Wenn Sie sich bitte an diese Adresse wenden wollen." Er lächelt. Er hält sich an die Spielregeln.

"Und ich hab euch all die Tricks beigebracht, ach."

Aus den Protokollen weiß man: Luigi L. kaufte Wein von der Mafia. Erst wollte er nicht, dann erhielt er einen Anruf. Er habe doch gar keinen Wein bestellt, wehrte er sich noch. Doch eine Männerstimme sagte: "Mich hat der Kurier angerufen und gesagt, dass die Annahme des Weins verweigert worden ist, den Vittorio bestellt hat." Es war keine offene Drohung, die Mafia droht selten offen – und doch wusste Luigi L. nun, mit wem er es zu tun hatte und dass er sich fügen sollte. "Ich kann so viel Wein nicht nehmen", sagte er noch, "wenn es ein paar Kartons wären, die würde ich kaufen – aber doch nicht so viele."

Später meldete sich Vittorio Farao persönlich bei ihm. "Hör mir zu", sagte der Clanchef, "ich habe 50 Kartons … Wenn sie bei dir ankommen, nimmst du sie."

Luigi L. räumt das Tellerchen wieder ab. Zum Abschied sagt er: "Es ist nur Wein, es sind keine Drogen. Das ist kein Weltuntergang. Da hat einer ein Geschäft, der verkauft Wein, das ist alles sauber. Schauen Sie, wer alles bei mir im Restaurant war." Die Zwangsgeschäfte mit dem Wein aus Cirò laufen so gut, dass der Clan eine Lagerhalle anmietet. In einem Industriegebiet in der hessischen Kleinstadt Fritzlar fallen ihre Transporte zwischen Autowerkstätten, Baumärkten und Fitnessstudios nicht auf. Die Regale besorgen sich die Mafiosi von einem Supermarkt, der pleitegegangen war. Auf dem Briefkasten am Hallentor klebt der Name eines Italieners, dem ein Eismobil gehört.

Gegenüber seinem Vater, dem Paten, brüstet sich Vittorio Farao laut Protokoll: "Der Wein, Papa, der Wein in Deutschland. Wir haben gutes Geld verdient."

"Und zahlen sie dich gut?"

"Bar, jede Stückelung … Das war so ein Haufen 500-Euro-Scheine. Ich hab sie für den Transport im Lenkrad versteckt." Der Pate: "Und ich hab euch all die Tricks beigebracht, ach."

Wenn es sein muss, drohen die Männer von der 'Ndrangheta nicht nur. Das zeigt der Fall der "Kleinen Parkwirtschaft" bei Hanau. Als sich der Wirt dort weigerte, große Mengen Mafiawein zu kaufen, erhielt er sogar Morddrohungen. Er sagte den Mafiosi: "Erschießt mich, dann ist die Musik zu Ende." Später brannte sein Restaurant, und das Kassenhäuschen auf seinem Minigolfplatz gleich mit. Brandstiftung, eine eindeutige Botschaft.

Heute kocht der tapfere Wirt hinter der Ruine in provisorischen Containern. Nein, er wolle nicht reden, sagt er. Er bekreuzigt sich und legt den Zeigefinger an die Lippen. Dann erzählt er die Geschichte doch. Nach dem Brand hätten ihn seine Gäste beschworen, nicht aufzugeben. Die Stadt habe unbürokratisch die Aufstellung der Container genehmigt, die Sparkasse Zinsen gestundet. "Ich habe finanziell viel verloren, aber moralisch habe ich gewonnen."

"Finger weg!"

Auf den Spuren der Faraos hört man überall solche Geschichten. Von Fritzlar geht es über die kurvige L3147 in ein Fachwerkstädtchen. Dort wollte Heiko F. neben dem Altenheim ein Eiscafé eröffnen. Dem Bäcker gehören in der Region sechs Filialen, eine Eisdiele und zwei Schwimmbadcafés, warum also nicht expandieren?

Sein Pech: Die Faraos waren mit der Eisdiele "Confetti" schon vor Ort – und sie dulden nun mal keine Konkurrenz in ihrem Territorium. Eines Tages sprach den Bäcker einer seiner Mitarbeiter an, ein Italiener aus Kalabrien, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt. "Chef", sagte der, "ich soll dir sagen, es wäre besser für dich, deine Tochter und deine Frau, wenn du die Eisdiele nicht machst."

Heute sagt Bäcker F., er habe bis dahin die Mafia für ein Problem der Italiener gehalten. Seine Frau habe sofort "Finger weg!" gesagt, die Tochter sollte nichts von den Drohungen erfahren. Die Polizei auch nicht. Der Bäcker schwieg.

Vittorio Farao und seine Männer haben auf jener Tour im Herbst 2013 nach drei Tagen ihre Jobs in Deutschland erledigt, so geht es aus den Protokollen hervor. Nun fahren sie ins Bordell. Hinter Frankfurt biegen sie nach Pohlheim in die "FKK World" ab. Jeder zahlt 50 Euro Eintritt und erhält am Empfangstresen einen weißen Bademantel und desinfizierte Schlappen.

An der Bar warten auf roten Samthockern auch heute die Prostituierten. Eine nennt sich Ruby. Italiener? Sie sagt, sie könne sich nicht an jeden ihrer Männer erinnern. "Aber meine Pussy kennt sie alle."

Vittorio Faraos Ausflug in den Puff jedenfalls sprach sich damals schnell herum. Die Ermittler hörten, wie sich ein kleiner Mafioso über die Bosse empörte: "Wenn sie hierherkommen, dann um uns etwas Geld abzuzocken." – "Alle haben diese Krankheit. Sie kommen nur, um am Abend auszugehen." – "Sie hauen sich den Bauch voll und gehen wieder. Sie sagen, wir kommen in zwei Wochen wieder." – "Und ich kaufe mir nicht mal eine Tomate zum Mittagessen. Ich esse Nudeln und Bohnen, und sie greifen sich die besten Stücke!"

Auf dem Rückweg nach Italien machen Vittorio Farao und seine Männer noch in Monte-Carlo halt. Auch dort muss der Verkauf von Mafiawein angekurbelt werden. In Genua treffen sie einen Kontaktmann auf der Yachtausstellung "Salone Nautico". Dann fahren sie zurück nach Cirò. Abends um 19.25 Uhr ruft Vittorio Farao seine Frau Filomena an: "Mach schon mal die Garage auf, wir kommen heim."

Vermögenswerte von rund 50 Millionen Euro

Alle in diesem Text genannten Mafiosi des Farao-Clans wurden Anfang des Jahres verhaftet. In Deutschland wurden elf Verdächtige festgenommen, in Italien 151. Die Aktion mit dem Codenamen "Styx" gilt als größter Schlag gegen die Mafia in den vergangenen 20 Jahren. Die Polizei beschlagnahmte in Italien Vermögenswerte von rund 50 Millionen Euro, 17 Liegenschaften und 400 Fahrzeuge.

Vittorio Farao muss sich wegen "Zugehörigkeit zur Mafia" verantworten. Bäcker F. kann die Eisdiele "Confetti" kaufen, der Farao-Clan hat kein Interesse mehr daran.

Wolfgang Rahm, der LKA-Ermittler, sagt, für die deutschen Strafverfolger gehe die Arbeit jetzt erst richtig los. Er hofft, dass die Beweise ausreichen, um den Verhafteten in Italien den Prozess zu machen. Wenn es dann zu rechtskräftigen Verurteilungen komme, sei das ein echter Durchbruch im Kampf gegen die Mafia.

Es könnte gelingen. Ein verhafteter Sohn des Paten will vor Gericht als Kronzeuge aussagen. Gegen seine Familie.

Themen in diesem Artikel
Buchtitel gesucht. Die Rückkehr ...
Der Titel des zweiten Bandes lautet "Die Rückkehr des <xyz>" Autor ist ein irischer Schriftsteller. Es geht um einen Mönch mit einem Sprachfehler. Als das Kloster von Dämonen angegriffen wird, kann er die Abwehr-Gebete, wegen seines Sprachfehlers, nicht so deutlich sprechen, wie seine Mönchsbrüder und der Geist einer Hexe geht deshalb auf ihn über. Seine Mönchsbrüder wollen ihn, um zumindest seine Seele zu retten, nun auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Mit dem Geist der Hexe und etwas Flug-Salbe gelingt ihm aber die Flucht, auf einem Besen durch die Luft reitend. Zufällig belauscht er das Gespräch einer Frau, in die er sich verliebt hat und von der er sich ebenfalls geliebt fühlt. Dabei findet er heraus, dass sie ihn nicht als Mann liebt, sondern dass sie ihn für einen solchen Trottel hält, dass er ohne ihre mütterliche Fürsorge nicht lebenstüchtig sei und dass sie sich deshalb verantwortlich fühlt ihn mit ihrer Mutterliebe zu umsorgen. Tief verletzt hängt er seine Versuche, ein guter Mensch zu sein an den Nagel, will nun böse werden und schließt zu diesem Zweck einen Packt mit dem Teufel. Um den Packt zu besiegeln muss er ein mit Blut unterschriebenes Pergament mit dem Vertragstext verschlucken. Bei der anschließenden Überfahrt nach Frankreich wird er jedoch seekrank und kotzt sich seine Seele aus dem Leib. Dabei geht auch das Pergament mit dem Teufelspackt mit über Bord. Dadurch ist er an den Packt mit dem Teufel nicht mehr gebunden, plant aber weiterhin, mit Hilfe des Teufels ein böser Mensch zu werden. Dabei stellt er sich aber jedesmal so dusselig an, dass immer etwas Gutes dabei heraus kommt. Trotz der tiefen Verletzung durch die Frau, die er liebt, kann er sie doch nicht vergessen und schmachtet ihr auch weiterhin nach. Bei einem Hexenmeister lernt er einen Liebestrank zu brauen. Was er dann auch tut. Der Trank muss sehr lange ziehen. Während also der Trank auch während einer Abwesenheit weiter zieht, dringt eine Kuh in die Höhle ein, in der der Trank gebraut wird und säuft den Trank aus. Als der Mönch in die Höhle zurück kehrt, verliebt sich die Kuh augenblicklich in ihn und weicht ihm von da an nicht mehr von der Seite. Wie heißt der Mönch, der Held dieser Geschichte, und auch titel-gebend ist. Und wer ist der irische Autor?
Gerneralvollmacht und Insichgeschäft
Wir sind 3 Kinder und 2 haben Generalvollmacht. Unser Bruder hat Vorkaufsrecht eingetragen für die Elterliche Wohnung. Unsere Mutter ist im Mai 2016 gestorben, meinem Bruder war der Vater zu stressig im Haus also kam er 4 Tage nach Mutter s Tod ins Pflegeheim. Ich fragte meinen Bruder der in dem Haus wohnt wo auch die Eltern lebten was nun mit der Wohnung geschieht. Mein Bruder erklärte die bleibt leer es kommen keine Fremden ins Haus. Ich ging mit meiner Vollmacht zum Notar und fragte nach da in der Vollmacht geschrieben war den Besitz ordentlich verwalten. Ich bekam vom Notar die Auskunft vermieten oder verkaufen und wir benötigen einen Gutachter. Mein Bruder bekam 3 Wochen später von dem selben Notar die gleiche Information. Ein paar Tage später schickte mir mein Bruder eine Mail, er möchte die Wohnung kaufen, schickte mir ein leeres Dokument mit das ich unterschreiben soll und zu diesem Betrag geht dann die Wohnung an ihn über. Er wollte ein Gutachten bei der Gemeinde erstellen lassen wo seine ganzen Freunde im Ausschuss sitzen. Ich hab das natürlich nicht unterschrieben und wir holten (der andere Bruder und ich ) einen Gutachter. Die Wohnung mit 93 qm, riesigem Garten, Stellplatz, 2 Fam. Haus zentrale Lage mit S-Bahn-Anbindung wurde geschätzt auf 139.000 Euro. Also kam der nächste Kaufvertrag meines Bruders zu dem Wert.Mit dem Wert waren wir ebenso nicht einverstanden, warum verkauft man eine Wohnung zum Gutachterwert wenn man auf dem freien Markt einen total anderen Preis erzielt ! WIr setzten die Wohnung in Immoscout und hatten eine feste Kaufzusage für 218.000 Euro ! Hatten von unserem Bruder einen Termin gesetzt bekommen zum 30.11.16 sollen wir nachweisen wie wir einen Preis um die 200.000 erzielen wollen. Wir hatten unserem Bruder die Kaufzusage vor dem gesetzten Termin gesendet und boten ihm an die Wohnung für 200.000 Euro zu kaufen. Noch vor Ablauf und nach unserem Angebot kam von der Gegenseite .. tut uns leid die Wohnung ist seit 15.11.16 vermietet auf 3 Jahre ohne Kündigungsrecht von beiden Seiten, somit ist der Verkauf nicht mehr möglich ..... so nun kam der Hammer, das Schloss wurde ausgetauscht und ich kam weder in den Garten noch ins Haus. Wir haben Klage gestellt ! Bis der Termin auf dem Gericht endlich kam, wurde von unserem Bruder 3 x verschoben kam die Hiobsbotschaft bei dem Termin.. unser Bruder fuht im April 17 zu einem Notar, 100 km von unserem Wohnort und verkaufte sich die Wohnung mit seiner Vollmacht selbst zum Preis von 160.000 Euro... . ...58.000 Euro weniger als wir auf dem freien Markt bekommen hätten und natürlich steckt er ab diesem Termin die Miete ein. Wir haben Klage beim Landgericht gestellt...und jetzt kommt der Witz.. er kommt damit wahrscheinlich durch .. Wertgutachten waren 139.0000 Euro, wir hätten 218.000 Euro bekommen Differenz 58.000 Euro und er darf bis 30 % abweichen ! Was ist das denn für ein Gesetz .. Im Testament stand alles zu gleichen Teilen und wir sollen das Vorkaufsrecht unseres Bruders beachten.... 1, 16.08.17 starb Vater ! Rechtzeitig die Wohnung aus dem Erbe geholt ! Weiss jemand einen Rat ?