HOME

Unter Beobachtung: Vorbereitung auf die Apokalypse: Wie gefährlich ist die deutsche Prepper-Szene?

Wenn die Katastrophe naht, sind die sogenannten Prepper vorbereitet. Doch weil einige von ihnen Waffen horteten und Mordpläne für den Bürgerkriegsfall ausarbeiteten, wollen die Innenminister die Szene nun beobachten.

Bastian Blum, Chef der Prepper Gemeinschaft Deutschland

Egal ob Chemie-Katastrophe, Stromausfall oder Wirbelsturm, Prepper Bastian Blum ist vorbereitet

Egal, ob Chemieunfall, Stromausfall oder Anarchie durch totales Staatsversagen - es gibt in Deutschland Menschen, die sind für jedes Katastrophen-Szenario gerüstet. Prepper nennen sie sich und sorgen vor für die Apokalypse - mit Nahrungsmittelvorräten, Gasmasken und Notfallplänen. Und manchmal eben auch Waffen. Die Innenminister von Bund und Ländern wollen nun die Prepper-Szene bundesweit unter die Lupe nehmen. Das Thema steht auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz (IMK), die am Donnerstag in Leipzig begonnen hat. Ähnlich wie bei den Reichsbürgern wollen die Innenminister in Erfahrung bringen, inwieweit die Prepper-Szene zur Radikalisierung neigt, über wie viele Waffen sie verfügt und welche Bezüge zum Extremismus es gibt.

Der Begriff Prepper kommt aus den USA und leitet sich vom englischen "to be prepared" (vorbereitet sein) ab. Und vorbereiten tun sich Prepper für jede denkbare Katastrophe von Sturm über Atomkrieg bis hin zur Zombie-Apokalypse - mit Vorräten, die sie in ausgebauten Kellern oder Bunkern horten, oder indem sie lernen, in der freien Natur zu überleben. Auch Waffenlager sind dort keine Seltenheit. Denn im Fall bürgerkriegsähnlicher Verhältnisse wollen Prepper sich und ihre Vorräte auch verteidigen können. Diese Waffenlager sind es, die den Behörden Sorgen machen. Zuletzt konnte man an der Reichsbürger-Bewegung sehen, wohin Waffenbesitz und ein Hang zu Verschwörungstheorien führen kann.

Wie radikal sind die deutschen Prepper?

Doch auch in Deutschland gibt es eine Prepper-Gemeinschaft. Zu ihr gehört Bastian Blum. Er ist der Chef der "Prepper Gemeinschaft Deutschland" (PGD). An eine Zombie-Apokalypse glaubt er zwar nicht, aber egal ob ein Anschlag auf ein Chemie-Werk in der Nähe, ein Stromausfall oder eine Naturkatastrophe– der Mann aus Krefeld ist für den Notstand vorbereitet. In seinem Keller stapeln sich Decken, Wurst und Hering in Dosen, Haferflocken, Milchpulver, Gasmasken, Kerzen und Medikamente bis unter die Decke, wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, nach dem sie ihn in seinem Keller besucht hatte.

Und die Vorstellung von einem kompletten Staatsversagen lockt eine sehr bunte Mischung von Menschen an. Reichsbürger, rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker finden sich hier wieder. Bei einer Anti-Terror-Razzia Ende August hatten Sicherheitskräfte in Mecklenburg-Vorpommern Wohnungen und Büros von sechs "Preppern" durchsucht. Zwei von ihnen wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat vorgeworfen. Die Männer hätten wegen der Flüchtlingspolitik einen Fall der politischen Ordnung befürchtet, so die Generalbundesanwaltschaft. Aus diesem Grund hatten sie neben Lebensmitteln auch Waffen und Munition gehortet. Außerdem sollen sie Namen von Personen aus dem linken politischen Spektrum gesammelt haben, die im Krisenfall getötet werden sollten. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat eine Kommission eingesetzt, die die Prepper-Szene im Nordosten unter die Lupe nehmen soll.

"Für die meisten Katastrophen ist keine Waffen nötig"

Auf ihrer Internetseite distanziert sich die PGD von Rechts- und Linksradikalen. In einer Erklärung bekennen sie sich zum Rechtsstaat und distanzieren sich von jeglichen Extremisten. "Wir wundern uns nicht. Mit der Geheimniskrämerei, den unrealistischen Szenarien und Verschwörungstheorien haben einige dazu beigetragen, dass wir Alle unter Beobachtung stehen", schreibt Bastian Blum in einer Stellungnahme auf Facebook. Kommentare darüber, dass man im Katastrophenfall viele Waffen benötigen würde, um seine gehorteten Nahrungsmittel zu verteidigen, würden die Szene in Verruf bringen. "Für die meisten und realistischen Katastrophen ist noch nicht einmal eine Waffe nötig", heißt es weiter. Der Stellungnahme zufolge seien mehr als 18.000.000 Bundesbürger Prepper. Denn so viele hätten in den letzten 16 Jahren Katastrophen miterlebt und daraus Konsequenzen für die Zukunft gezogen und sich in ganz unterschiedlichem Ausmaß vorbereitet. Eine sehr weit gefasste Definition also. Wie es um die deutsche Prepper-Seszene bestellt ist und wie gefährlich sie wirklich ist, wollen die Innenminister künftig beobachten.

mit DPA