HOME

Gewalt in Mexiko: Über 100.000 demonstrieren gegen Drogenkrieg

40.000 Tote in viereinhalb Jahren: Der mexikanische Staat scheint die Kontrolle über Gewalt und Kriminalität verloren zu haben. In Mexiko-Stadt demonstrierten über 100.000 Bürger gegen die Regierung, die den Drogenkrieg weiter mit Gewalt beenden will.

Über 100 000 Menschen haben am Sonntag bei einer Groß-Demo in Mexiko-Stadt die Regierung aufgefordert, die Strategie des gewaltsamen Kampfes gegen die Kriminalität zu ändern. Zum Abschluss eines viertägigen Friedensmarsches forderten Demonstranten einen "Bürgerpakt für ein Mexiko in Frieden mit Gerechtigkeit und Würde". In seiner Ansprache forderte der Dichter Javier Sicilia auf dem Zócalo, dem zentralen Platz von Mexiko-Stadt, den Rücktritt von Sicherheitsminister Genaro García Luna.

Die Demonstranten stellten mehrere zentrale Forderungen an die rechtsliberale Regierung von Präsident Felipe Calderón. Sie verlangten, "die Kriegsstrategie zu beenden" und sich stattdessen um die Sicherheit der Bürger zu kümmern. Die Streitkräfte müssten abgezogen werden und solltenkeine Polizeiaufgaben mehr ausüben. Außerdem verlangten die Demonstranten die Aufklärung der Morde, der Entführungen und der Massenmorde an Migranten, die auf dem Weg in die USA Mexiko durchqueren. Auch die Bekämpfung der Korruption und eine Stärkung der repräsentativen Demokratie wird gefordert.

Sicilia kritisierte vor allem die politische Klasse Mexikos scharf. Er warf ihr Korruption und Verwicklung in die Drogenkriminalität vor: "Wir wollen hier klarmachen, dass wir keine Wahl mehr akzeptieren werden, wenn nicht zuvor die politischen Parteien ihre Reihen von denen säubern, die unter der Maske der Legalität in die Verbrechen verwickelt sind und den Staat gefesselt haben."

Schon zu Beginn des Marsches hatte der Dichter Präsident Calderón aufgefordert zu begreifen, dass die Kriminellen nicht nur außerhalb der Gesellschaft stünden, sondern längst auch in die Institutionen eingedrungen seien. Im mexikanischen Drogenkrieg sind in der Amtszeit Calderóns seit Dezember 2006 annähernd 40 000 Menschen umgekommen.

Der von zahlreichen Organisationen der Zivilgesellschaft getragene Marsch ging auf eine Initiative Sicilias zurück, dessen Sohn im März getötet worden war. Er begann in der Stadt Cuernavaca rund 80 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt. In zahlreichen weiteren Städten Mexikos und in aller Welt gab es Solidaritätsmärsche.

cjf/DPA / DPA