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Philippinen Lottogewinn von 433 Menschen sorgt für landesweite Diskussionen

Ein Lotterie-Stand in den Philippinen
Lotterie und Glücksspiel sind äußerst beliebt auf den Philippinen
© Matt Hunt / Picture Alliance
Bei einer Ziehung der staatlichen Lotterien auf den Philippinen sackten 433 Menschen auf einen Schlag den Jackpot ein. Alles nur Glück oder steckt doch mehr dahinter? Eine unabhängige Untersuchung soll nun Antworten liefern.

Eine Ziehung der staatlichen Lotterie auf den Philippinen sorgt derzeit weltweit für Schlagzeilen. Am vorletzten Samstag jubelten mehr als 400 Menschen bei der täglichen Verkündung der Lottozahlen in Manila. Sie alle wollen die sechs Richtigen auf ihrem Schein wiedergefunden haben. Kann das mit rechten Dingen zugegangen sein?

Der gleichzeitige Erfolg von 433 Menschen bei einer einzigen Lotto-Ziehung löst bei vielen Beobachtern Skepsis aus. Wie kann es sein, dass so viele Menschen die richtige Kombination 09-18-27-36-45-54 gezogen haben und ist es wirklich Zufall, dass alle Gewinnzahlen Multiplikatoren von neun sind? Mit diesen Fragen beschäftigten sich seit einer Woche nicht nur viele Menschen in den sozialen Medien, sondern auch die philippinische Politik.

Die Organisatoren der Lotterie, das Philippine Charity Sweepstakes Office, ist sich sicher, dass es keine Anzeichen für einen Betrug oder irgendwelche Ungereimtheiten gebe. General Manager Melquiades Robles sagte Reportern am Sonntag, es habe sich bei der Ziehung um ein ganz normales Event gehandelt, nur dass es eben ein paar Gewinner mehr als üblich gegeben hätte.

Wissenschaftler streiten über Lotto-Ziehung

Glückspiel und besonders Lotto sind in der philippinischen Bevölkerung sehr beliebt. Ähnlich wie in Deutschland wählen Spieler sechs Zahlen zwischen 1 und 55 aus. Um den Jackpot zu gewinnen, müssen die Zahlen mit den Gewinnkugeln übereinstimmen. Vor zwei Jahren sprach der ehemalige Präsident Rodrigo Duterte ein temporäres Verbot aus, um eine Korruptionsermittlung beim staatlichen Verband durchzuführen. Wenig später wurde dieses allerdings wieder aufgehoben. Ein Sprecher des Ex-Präsidenten verkündete damals die elektrischen Lotto-Maschinen wären viel weniger anfällig für Betrug als die meisten anderen Glückspiele. Seither werden die Maschinen und Bälle, die für die Ziehung verwendet werden, täglich inspiziert. Dieser Prozess wird sogar im Fernsehen übertragen. Ein Betrug scheint daher unwahrscheinlich.

Auch Guido David teilt diese Meinung. Anfang der Woche veröffentlichte der Mathematiker der Universität der Philippinen in Diliman eine Analyse der Lotto-Resultate vom Wochenende. Genau wie Robles geht er darin von der "Multiples-of-Nine-Theory" aus. Die Zahlenkombination sei genauso wahrscheinlich wie jede andere auch – 1 zu 28.989.675. Da allerdings viele Menschen auf die Neuner-Zahlenreihe gesetzt hätten, würde es überdurchschnittlich viele Gewinner geben. Dieser Argumentation folgt auch Professor Jomar Rabajante von der Universität in Los Baños. Er teilte unter der Woche einen wissenschaftlichen Artikel, aus dem hervorging, dass die Neun bei Glücksspielern eine besonders beliebte Zahl sei.

Ganz anders sieht es die renommierte Ökonomin Solita "Winnie" Collas-Monsod. Sie appellierte an die 0.0000000345-prozentige Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Lottogewinns. Das 433 Menschen so einen glücklichen Treffer haben, wirkt verdächtigt, so Monsod.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass nun immer mehr prominente Stimmen Zweifel an der Legitimität der Lotto-Ziehung äußern. Neben einigen unglücklichen Teilnehmern haben sich sowohl Abgeordnete aus dem Repräsentantenhaus als auch aus dem Senat für eine unabhängige Untersuchung des Events ausgesprochen. Der Oppositionsführer im Abgeordnetenhaus, Marcelino Libanan, veröffentlichte ein Statement, in dem er die Untersuchung damit rechtfertigte, dass man die Hoffnung und Träume von Millionen Philippinos schützen müsse. Im Gespräch mit der "New York Times" stimmte ihm Aquilino Pimentel III., Oppositionsführer im Senat, zu. Die Ergebnisse seien "nicht unmöglich, aber höchst unwahrscheinlich".

433 Gewinner der Lotterie – alles nur Zufall? 

Laut Chua Tin Chiu liefern die größten Zweifler des Zufalls die Grundlage für die wohl recht einfache Erklärung. Schließlich ist es mathematisch schlicht nicht unmöglich, dass 433 Menschen gleichzeitig den Jackpot holen. Der Statistiker der National University of Singapore erklärte im Interview mit der "New York Times": "Menschen sind sehr gut darin, Muster zu erkennen. Trotzdem handelt es sich hier um ein bestimmtes Phänomen, welches auf dem Zufall beruht." Chiu hält das Ergebnis daher schlicht für "nicht ungewöhnlich". Eine Untersuchung könnte sich daher höchstens mit organisatorischen Details beschäftigen. Möglicherweise hätten an diesem Tag besonders viele Menschen einen Schein gekauft.

Den 433 Glücklichen winkt nun erstmal ein warmer Geldregen. Für das gesamte Preisgeld von vier Millionen US-Dollar reicht es zwar für keinen allein, trotzdem kann sich jeder über mindestens 545.000 philippinische Peso, umgerechnet etwa 9300 US-Dollar, freuen. Das entspricht mehr als dem Doppelten des jährlichen Durchschnittseinkommens auf den Philippinen.

Quellen:New York Times, CNN, BBC, Yahoo News

jus

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