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Großbrand in Hollywood: King Kong ist tot

Ein Großbrand in den Universal Studios zerstörte nicht nur den King-Kong-Themenpark - auch 50.000 archivierte Film-Videos fielen den Flammen zum Opfer. Und trotzdem: Noch während das Feuer wütete, öffneten die Studios für die Besucher die Tore. Und auch die MTV Movie Awards fanden wie geplant statt.

Von Frank Siering, L.A.

Gegen elf Uhr Ortszeit am Sonntag hatten sich die Flammen bis ins innerste Heiligtum der Universal Studios vorgefressen. Das sogenannte "Video Vault", ein Gewölbe, in dem unter anderem die Videos von Filmen wie "Jurassic Park", "Zurück in die Zukunft", "Psycho" und "King Kong" archiviert werden, stand in Flammen.

Wenige Minuten später folgte die Bestätigung von Universal-Präsident Ron Meyer: "Im 'Video Vault' werden knapp 50.000 Videos aufbewahrt. Alle sind beschädigt, zum Teil zerstört." ¬Dennoch zeigte sich Meyer zuversichtlich: "Wir haben Duplikate der zerstörten Videos an einem anderen Ort aufbewahrt, und der Brandherd scheint von der Feuerwehr mittlerweile eingegrenzt."

Park, der Millionenumsatz einbringt, ist zerstört

Noch bevor die Besucher Eintritt in den Park erhielten, hatte sich aus noch ungeklärter Ursache ein Feuer auf dem Gelände der weltberühmten Universal Studios ausgebreitet. Rund 400 Feuerwehrleute bekämpften fast den gesamten Sonntag die Flammen. Vier von ihnen wurden bei diesen Bemühungen leicht verletzt. Die Studios, auch Steven Spielberg ist hier mit seiner Produktionsfirma angesiedelt, gehören zu den größten Touristenattraktionen in Los Angeles. Besucher können hier die Sets von "King Kong", "Back to the Future", "Indiana Jones" und anderen Kinoklassikern wie "Der Weiße Hai" oder "Psycho" besuchen. Der Park allein bringt den Universal Studios im Jahr einen dreistelligen Millionenumsatz ein. Die Sommermonate gelten als absolute Hauptsaison für Besucher.

Das Feuer, das sich wohl vor allem deshalb so schnell ausbreitete, weil viele Bauten auf dem Gelände aus Plastik sind, zerstörte fünf Gebäude. Unter anderen fiel sowohl der King-Kong-Themenpark den Flammen zum Opfer, als auch das Set von "Zurück in die Zukunft", sowie die Kulissen von einigen nachgebauten Straßen aus New York und Boston. Das Set von "Indiana Jones" entkam den Flammen nur knapp. Und auch das alte "Psycho"-Haus wurde ersten Meldungen nach vom Feuer nicht zerstört. Intakt blieb auch die Figur des "Weißen Hais", der die Besucher erschreckt, indem er mit aufgerissenem Maul aus dem Wasser auftaucht, während die Besucher in einem Bus über das Gelände fahren.

Mögliche Ursache Kabelbrand

Kurz nach neun Uhr morgens hörten Anwohner in den Hollywood Hills eine Explosion. Feuerwehr-Inspektor Daryl Jacobs geht davon aus, dass ein möglicher Kabelbrand mit anschließender Explosion das Feuer entfacht habe. Brandherd war wohl eine Soundanlage hinter einer der Bühnenbauten.

Die Anwohner, die in den Hügeln um die Studios herum leben, wurden am frühen Nachmittag ob einer möglichen Giftwolke vorübergehend sogar aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Umso erstaunlicher, dass Elliot Sekuler, der Sprecher der Universal Studios, schon am Sonntagmittag ankündigte, dass die Universal Studios für den Publikumsverkehr geöffnet werden, obwohl zu dieser Zeit noch Hubschrauber für Löscharbeiten über das Gelände kreisten. Und auch die am Abend angekündigten MTV Movie Awards würden "wie geplant stattfinden".

Studio-Areal bleibt für Besucher geöffnet

Nur die berühmte Bustour durch die Universal Studios, die die Besucher neben dem apokalyptischen Set von "War of the Worlds" auch zur King-Kong-Ausstellung führt, wurde abgesagt. "Das Gelände ist groß genug für die vielen tausend Besucher, sich an anderen Ausstellungen zu erfreuen", sagt Sekuler.

Das Feuer trifft die Universal Studios zu einem erst ungünstigen Zeitpunkt: Die Sommermonate locken die meisten Besucher an, da kommen schon mal 25.000 Besucher an einem Sonntag und spielen dementsprechend Umsatz in die Kassen. Wohl auch deshalb war es dem Universal-Management wichtig, den Themenpark so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Kritiker zweifeln an der Richtigkeit dieser Entscheidung, zumal auch am Sonntagnachmittag die Flammen noch immer nicht hundertprozentig unter Kontrolle waren.