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Strafen für Bedürftige: Hamburger Flughafen zeigt Pfandsammler an

Hamburg geht hart gegen Pfandflaschensammler vor, wenn auch indirekt. In die neuen Mülleimer der Stadt kann niemand hineingreifen. Beim Flaschensammeln an Flughafen und Bahnhöfen drohen gar Anzeigen.

Ein Pfandring, wie hier an einem Mülleimer in Bamberg, erleichtert Bedürftigen das Sammeln von Pfandflaschen. In Hamburg haben Pfandsammler es dagegen eher schwer.

Ein Pfandring, wie hier an einem Mülleimer in Bamberg, erleichtert Bedürftigen das Sammeln von Pfandflaschen. In Hamburg haben Pfandsammler es dagegen eher schwer.

Pfandflaschen sammelt niemand aus Spaß. Ein paar Sammler sind sicherlich Umweltfreunde. Die meisten jedoch fischen Flaschen aus dem Müll, weil sie auf das Pfandgeld angewiesen sind. Es ist eine legale Art, an Geld zu kommen, das sie benötigen.

Umso drastischer ist es, wenn selbst dieser legale Weg noch untersagt wird. So geschieht es etwa am Hamburger Flughafen. Wie die "taz" berichtet, hat der Flughafen, der zu 51 Prozent der Stadt gehört, allein im vergangenen Jahr 97 Strafanträge gegen Flaschensammler gestellt. In diesen Fällen hatten die Sammler gegen ein Hausverbot verstoßen, das zuvor gegen sie ausgesprochen worden war.

Das Hamburger Straßenmagazin "Hinz & Kunzt" berichtet über einen seiner Verkäufer, der am Flughafen häufiger nach Pfandgut gesucht hatte. Weil das am Flughafen nicht gern gesehen war, erhielt er Hausverbot - und kam dennoch wieder. Denn da die Passagiere ihre Flaschen nicht mit ins Flugzeug nehmen dürfen, sondern vorher wegwerfen müssen, sind Flughäfen für Bedürftige ein beliebtes Ziel. Es folgte eine Strafanzeige für den Obdachlosen: wegen Hausfriedensbruchs.

Pfandsammler sind nicht "ästhetisch"

Auch die Deutsche Bahn will keine Pfandsammler an ihren Bahnhöfen sehen. Die "taz" zitiert eine Sprecherin der Bahn mit den Worten, es sei an allen deutschen Bahnhöfen verboten, Flaschen einzusammeln, um "ästhetischen Aspekten anderer Bahnhofsnutzer Rechnung zu tragen." Außerdem sehe die Bahn das "subjektive Sicherheitsgefühl der Bahnhofsbesucher" gefährdet durch das "Problemklientel" der Pfandsammler.

Dazu zieht die Sprecherin "wissenschaftliche Studien" ohne jegliche Quellenangabe heran, die zeigten, dass "das Tolerieren von Problemklientel meist zu zusätzlichem Anstieg von weiterer Problemklientel" führe, die "das Erscheinungsbild des Bahnhofs zunehmend verschlechtern."

Eine Anzeige folge erst, wenn die Sammler trotz Hausverbots wiederkämen - und auch ein Hausverbot gebe es nicht schon beim ersten Mal.

Es geht auch anders

In Bremen funktioniert es auch ohne Anzeigen: Am dortigen Flughafen werden Pfandsammler nicht grundsätzlich als Störenfriede betrachtet. Sollten sich die Fluggäste doch einmal gestört fühlen, können sie sich beim Personal beschwerden - und das sucht dann das Gespräch mit den Sammlern, so Flughafensprecherin Andrea Hartmann.

Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadt mit neuen Mülleimern für Empörung gesorgt, in die Passanten nicht hineingreifen können. Nach einer Beschwerdewelle rüstete die Stadt an einigen wenigen Eimern eine Pfandsammelstelle nach.

jen
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