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Hamburger Schülerzeitung: Kampf gegen die Zensur

Er kämpfte als Redakteur der Hamburger Schülerzeitung "Sophies Unterwelt" gegen die Zensur durch die katholische Sophie-Barat-Schule und gründete nach einem Schulwechsel den "ATHeist". Arne Semsrotts Weg zum eigenen unzensierten Blatt war steinig.

Von Carolin Mader

Es ist Montag der 11. Juni 2007. Arne Semsrott hat gerade seine mündliche Abiturprüfung im Fach Gemeinschaftskunde hinter sich gebracht. Andere Jugendliche säßen jetzt vielleicht auf einer Abi-Party und würden feucht-fröhlich ihr bestandenes Abitur begießen. Arne erzählt von seinen Erfahrungen als Schülerzeitungsredakteur, die unterschiedlicher nicht sein könnten. An der Sophie- Barat-Schule war er ursprünglich Redakteur der Schülerzeitung "Sophies Welt". Der zuständige Betreuungslehrer allerdings ging nicht mit der Meinung der Redaktion konform. Er wollte Artikel veröffentlichen, die den Schülerzeitungsmachern nicht gefielen, die Redaktion durfte nicht schreiben, was sie wollte. So gründeten einige der Redakteure kurzerhand ihre eigene Zeitung - "Sophies Unterwelt".

"Sophies Unterwelt" wird boykottiert


Von Pressefreiheit und jugendlichem Engagement hielten Lehrer und Leitung der katholischen Privatschule allerdings wenig. Ohne vorherige Einsicht in die Artikel, kein Verkauf auf dem Schulhof hieß es da von den Oben. Ihre Zeitung verkauften die jungen Journalisten trotzdem - vor dem Schulgelände. Für ihr Engagement wurden die Redakteure unter anderem mit dem 1. Platz beim Hamburger Regionalausscheid des Schülerzeitungswettbewerbes des Bundespräsidenten ausgezeichnet. Beeindruckt zeigte sich die Schulleitung allerdings immer noch nicht. Zu starrsinnig und altbacken war die Vorstellung von einer ordentlichen Schülerzeitung. Der Schulalltag hätte ähnlich ausgesehen, so Arne Semsrott. "Ich habe vor ungefähr zwei Jahren die Schule gewechselt, weil ich es an der Sophie-Barat-Schule nicht mehr ausgehalten habe. Das hatte natürlich unter anderem mit "Sophies Unterwelt" und ihrem Verbot zu tun, aber auch die Mentalität der Schule war einfach nicht die richtige für mich. Es ging darum, die Schüler möglichst klein zu halten. Das Verbot unserer Zeitung drückte nur die Angst der Schule vor eigenverantwortlichen und selbstbewussten Schülern aus."

"ATHeist" als freie Schülerzeitung
Nach dem Wechsel auf das staatliche "Albrecht-Thaerymnasium" gründete Arne Semsrott mit ein paar Freunden die Schülerzeitung "ATHeist". Die neue Schulleiterin hätte sich anfangs zwar gefragt, ob es gut wäre, Arne in ihre Schule aufzunehmen, aber man habe ihn durchaus freundlich aufgenommen. Auch die neu gegründete Schülerzeitung wurde sofort gut ins Schulleben integriert. Ein derart professionell gestaltetes Schülerblatt hätten viele Lehrer vorher noch nicht gesehen, so Arne. "Am „Albrecht-Thaer-Gymnasium kann man sich als Schülerzeitungsredakteur wirklich austoben. Die Lehrer lassen uns den Freiraum, den wir brauchen und das ist das Beste, was einem Schülerzeitungsredakteur passieren kann. Eine Religionslehrerin beschwerte sich zwar über den Namen unserer Zeitung, weil sie Angst hatte, Schüler könnten als überzeugte Ungläubige aus der Schule gehen, aber mit ihrer Meinung stand sie auf recht verlorenem Posten".

Der Name der Zeitung blieb und die jungen Redakteure konzentrierten sich auf ihre journalistische Arbeit. Gegen große Widerstände müsse man an der neuen Schule nicht anrennen, aber genau diese hätten an "Sophies Unterwelt" besonders viel Spaß gemacht. "Rebellion ist immer eine gute Möglichkeit, aktiv und kreativ zu werden. Das ist jetzt natürlich ganz anders. Trotzdem sind wir eine tolle Redaktion. Wir sind zwar anders als "Sophies Unterwelt", aber nicht besser oder schlechter. Insgesamt acht feste und etwa zehn freie Redakteure habe die Redaktion. Ambitionierte Nachfolger kündigen sich bereits an und so muss sich Arne Semsrott keine Sorgen machen, wenn er seine Schullaufbahn im Sommer beendet und seinen Freiwilligendienst in einem rumänischen Obdachlosenheim antritt.

"Durch Engagement lässt sich etwas erreichen!"
Sich zu engagieren habe er bei der Schülerzeitung gelernt. "Ich habe gesehen, dass sich durch Engagement etwas erreichen lässt, ob nun in der Schule oder im normalen Leben. Der Medienrummel um "Sophies Unterwelt" hat mir jede Menge Selbstvertrauen beschert. Dieses nutze ich nun, um mich für andere zu einzusetzen.", so der frisch gebackene Abiturient. Ob er nach seinem Auslandsaufenthalt in den Journalismus gehen werde, wisse er noch nicht. Die Medienwelt sei einer der vielen Bereiche, für den er sich interessiere. Genau das ist es wahrscheinlich, was einen guten Journalisten auszeichnet- die Neugier und ein unstillbarer Wissensdurst.

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