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Hundeattacken auf Kleinkinder: Zahnlose Behörde contra bissiger Köter

Wieder einmal hat ein Hund ein kleines Kind attackiert und schwer verletzt. Dabei war das Tier als bissig bekannt. Der Vorfall aus München zeigt exemplarisch die Trägheit von Behörden.

Von Malte Arnsperger

Immer wieder sorgen Hundeattacken auf Kleinkinder für blutige Zwischenfälle

Immer wieder sorgen Hundeattacken auf Kleinkinder für blutige Zwischenfälle

Es ist ein toller Ort für Kinder, an dem Paulines Gesicht zerfleischt wurde. Auf dem Spielplatz am Athener Platz in München-Harlaching gibt es Schaukeln, einen Kletterturm mit rotem Dach und silberner Rutsche, zwei Tischtennis-Platten. Ringsherum stehen große Bäume, eine Wiese lädt zum Toben ein. Am 9. Juni 2012 besucht das Mädchen mit seiner Mutter das "Griechische Fest". Die Stände sind auf einem weitläufigen, parkähnlichen Areal mit viel Grün aufgebaut. Ganz am Rand befindet sich der Kinderspielplatz. Während Paulines Mutter mit einer Bekannten ein paar Worte wechselt und ihre Tochter einen Moment lang aus den Augen lässt, entfernt sich das Mädchen ein paar Meter. Auf dem Spielplatz hält sich auch Karin Z. mit ihrem Labrador-Mischling "Bippo" auf, obwohl Hunde hier generell verboten sind. Das Kind nähert sich dem - angeleinten - Hund. Karin Z. sagt später, sie habe das Mädchen gewarnt. Zu spät: Das Tier fällt die Kleine an, beißt ihr tiefe Wunden ins Gesicht.

Während Pauline auch Wochen später noch zwischen Krankenhauszimmer und OP-Saal pendelt, muss "Bippo" nun Maulkorb tragen. Endlich. Denn der Umgang mit diesem Hund zeigt beispielhaft, wie langsam die sprichwörtlichen Mühlen der deutschen Bürokratie mahlen und dass Gesetze und Verordnungen sinnlos sind, wenn sie nicht schnell und konsequent umgesetzt und überwacht werden. Der Fall Pauline zeigt aber auch, dass jeder - insbesondere Kinder - auf die Rücksicht und das Verantwortungsbewusstsein seiner Mitmenschen angewiesen ist.

"Bippo" war als Beißer bekannt

Die 73-jährige Rentnerin Karin Z. hat den neunjährigen Rüden "Bippo" vor einigen Jahren von einem italienischen Straßenhundeprojekt bekommen. In seiner Heimat habe er wohl "schlechte Erfahrungen mit Kindern gemacht", sagt die Halterin der Münchner Boulevardzeitung "TZ". "Aber er ist doch nicht grundsätzlich böse." Das mag sogar stimmen. Doch fest steht auch, dass der Hund aggressiv werden kann. Er soll vor 2011 ein Kind aus der Familie der Besitzerin gebissen haben. Im Februar 2011 erfährt das zuständige Kreisverwaltungsreferat (KVR) in München durch eine Anzeige davon, dass "Bippo" ein Kind attackiert habe.

Die Behörde redet Karin Z. ins Gewissen und weist sie mündlich an, ihr Tier künftig von Kindern fernzuhalten. Einen generellen Leinenzwang bekommt der Labrador-Mischling nicht, den gibt es in München nur in Bereichen wie beispielsweise Parks und Kinderspielplätzen sowie in "besonderen Einzelfällen", wie es das KVR ausdrückt.

Ein Jahr später beschweren sich Anwohner, dass sich der Hund oft in der Nähe von Kindern aufhalte. Das KVR reagiert entsprechend seinem "Stufenprinzip". Man habe nun das gesetzlich geforderte "Anhörungsverfahren" anlaufen lassen. Das dauert, und so geht erst am 4. Juni ein Brief an Karin Z. raus, in dem ihr mitgeteilt wird, sie dürfe sich mit dem Hund Jungen und Mädchen künftig nicht mehr nähern. Ansonsten würde ihr eine Strafe in Höhe von 500 Euro drohen. Am Nachmittag des 9. Juni trudelt der Brief bei Karin Z. ein. Doch da liegt Pauline schon schwer verletzt im Krankenhaus.

Antrag auf Leinenzwang dümpelt im Bezirksausschuss

Der Bezirksausschuss (BA) von Harlaching nimmt sich der Sache an, nachdem die Presse über den Fall berichtet. Die CSU-Fraktion in dem Stadtteilrat will in einem Antrag die Stadt auffordern, künftig die Leinenpflicht in den Parks enger zu kontrollieren, besser sichtbare Verbotsschilder vor Spielplätzen aufzubauen und diese einzuzäunen. Doch das Gremium kann sich noch nicht einmal darauf einigen, über den Antrag abzustimmen und vertagt sich um Wochen. Die Schuld dafür schieben sich CSU und SPD gegenseitig zu.

Abseits der politischen Rangeleien beschäftigt BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Er wolle zwar dem Sachbearbeiter des KVR keine Schuld zuschieben, der habe sicher "mit Augenmaß und nach Vorschrift" gehandelt. "Aber meiner Meinung nach hätte man viel früher handeln müssen. Schon nach dem ersten Beißvorfall hätte der Hund eine Maulkorbpflicht bekommen müssen. Und jetzt müsste man ihn der Frau wegnehmen."

Bayern lässt Hundebesitzern mehr Freiheiten

Immer wieder sorgen blutige Attacken für Diskussionen, wie man den Schutz von Kindern und die Interessen der Hundebesitzer miteinander vereinbaren kann. Einer der schrecklichsten Fälle ereignete sich im Jahr 2000 in Hamburg: Ein Kampfhund biss dort einen sechsjährigen Jungen tot. In ganz Deutschland wurden daraufhin die Gesetze zur Hundehaltung verschärft. Die Maßnahmen zeigen nach Behördenangaben Wirkung - wenn sie denn konsequent umgesetzt werden. In Bayern lässt man den Hundebesitzern Freiheiten. In Nürnberg etwa müssen neben Kampfhunden zwar auch andere Exemplare an die Leine, aber nur solche mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimetern und auch nur in Fußgängerzonen oder Spielstraßen. In München gilt eine Leinenpflicht allein für Parks. Ein genereller Leinenzwang für Hunde, so die Auskunft aus den Behörden, sei nicht mit bayrischen Landesgesetzen vereinbar.

CSU-Mann Baumgärtner, Familienvater und Besitzer eines Mops', will auch gar keine Verschärfungen oder neue Gesetze. Er findet viel mehr, dass die Hundebesitzer auch wirklich mit Überprüfungen rechnen müssten, etwa in den Parks oder auf Spielplätzen. "Die Stadt München trägt hier eine Verantwortung, weil die Kontrollen zu lax sind. Es wird immer argumentiert, es gebe zu wenig Personal. Aber fürs Aufschreiben von Falschparkern reicht es doch auch." Von der Stadt heißt es: "Die Einhaltung der Verordnungen wird regelmäßig kontrolliert. Aber natürlich kann es vorkommen, dass ausgerechnet an der Stelle, wo etwas passiert, gerade keiner da ist."

Pauline hat die 15. Operation hinter sich

Pauline hat mittlerweile ihre 15. Operation hinter sich. Und Karin Z., gegen die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung laufen, darf ihren Hund behalten. Er sei, so eine behördliche Gutachterin, lediglich ein "Angstbeißer". Paulines Vater meint: "Der Hund ist in Kombination mit der Frau ein Sicherheitsrisiko."

Themen in diesem Artikel
Dachüberstand beim Gerätehaus und Mindestabstand Grenze zum Nachbarn
Ich wohne in Baden-Württemberg und plane auf meinem Grundstück einen alten Schuppen durch ein neues Gerätehaus (kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte im Gebäude!) mit den Grundmaßen 3,50 m x 2,50 m und Firsthöhe von 2,21 m zu ersetzen. Da die neue Anlage etwa 60 cm in einer Geländestufe aufgestellt wird, ist die Wand gegenüber dem Nachbarn tatsächlich nur ca. 1,6 m gegenüber der OK des Gartens hoch. Es soll eine verfahrensfreie Umsetzung in einer Grenzbebauung durchgeführt werden. Auf dem Nachbargrundstück ist eine ca. 3m hohe Thuja Hecke, die geringfügig über die Grenze herüber ragt. Nun hat das geplante Gerätehaus einen umlaufenden Dachüberstand von ca. 20 cm, sodaß die Außenmasse des Fundaments etwa 20 cm von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Damit ist sichergestellt, dass der Dachüberstand nicht mit dem Nachbargruzdstück überlappt. Wie sieht es nun entsprechend der LBO Baden-Würtenberg mit der Regelung zum Mindestabstand gegenüber der Grenze des Nachbarn aus? Ich sehe 3 Möglichkeiten: a) es gilt als Grenzbebauung. Die überhängende Thuja-Hecke stört mich nicht. b) es müssen 50 cm Mindestabstand eingehalten werden. c) der Überstand am Gerätehaus an der Grenze zum Nachbarn muss entfernt werden, damit der Aufbau als Grenzbebauung anerkannt wird. PS: Zusammen mit der Länge der Garage des Nachbarn wird eine Grenzbebauung von 9m nicht überschritten. Mit der Bitte um eine Rückmeldung, sodaß ich meinen Plan vernünftig abschließen kann. mfg