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Ausgrabungen in Israel Vermutlich älteste Inschrift der Welt entdeckt – auf einem Läusekamm

Gravierter Doppelkamm aus der Bronzezeit des alten Königreiches Juda
Auf dem gravierten Doppelkamm aus der Bronzezeit des alten Königreiches Juda steht: "Möge dieser Stoßzahn die Läuse aus dem Haar und dem Bart ausrotten".
© AFP
In Israel haben Forscher 2017 einen Fund gemacht, der sich bei einer genaueren Analyse als archäologische Sensation entpuppt hat. Es handelt sich um einen antiken Läusekamm. Auf diesem könnte der erste verschriftlichte Satz der Menschheitsgeschichte stehen.

Es ist ein sehr pragmatischer Wunsch, der auf dem Jahrtausende alten Läusekamm zu lesen ist: "Möge dieser Stoßzahn die Läuse aus dem Haar und dem Bart ausrotten." Die Inschrift besteht aus sieben Wörtern und gilt als der erste vollständig entschlüsselte Satz der kanaanäischen Schrift – dem ersten Alphabet der Welt. Folglich könnte es sich um den ersten verschriftlichten Satz in der Menschheitsgeschichte handeln.

Kamm 2017 bei Ausgrabungen in Israel entdeckt

Ein Team von Forschern der Hebrew University of Jerusalem (HU) und der Southern Adventist University in Tennessee entdeckten den Kamm bereits 2017 bei Ausgrabungen in Tel Lachish in Israel. Doch erst im Dezember vergangenen Jahres fielen einer Wissenschaftlerin die Schriftzeichen auf. "Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte der menschlichen Fähigkeit zu schreiben", zitiert die "Jerusalem Post" Professor Yosef Garfinkel, der die Ausgrabungen geleitet hat. Am Ausgrabungsort, heute ein Nationalpark, befand sich einst die zweitwichtigste Stadt im Königreich Juda nach der Hauptstadt Jerusalem.

Kämme aus dieser Zeit hätten die Menschen laut den Forschern üblicherweise aus Holz, Tierknochen – oder wie im vorliegenden Exemplar – aus Elfenbein gefertigt. Letzteres Material sei Importware, vermutlich aus Ägypten, und daher ein Luxusgut. Der Kamm müsse deshalb Menschen aus der Oberschicht gehört haben. Das 3,5 mal 2,5 Zentimeter große Objekt sei laut Bericht des "Guardian" abgenutzt. Von den Zähnen seien nur noch Stümpfe übrig. Dennoch könne daran die genaue Anzahl der Zacken bestimmt werden. Der Kamm soll demnach sechs große Zähne zum Entwirren von Haarknoten und 14 kleine Zähne zum Entfernen von Läusen und deren Eiern besessen haben.

Kanaanäisches Alphabet als Grundlage moderner Sprachen

Das genaue Alter des Objekts konnten die Forscher nicht bestimmen. Der eingravierte Satz liefert aber einen wichtigen zeitlichen Hinweis. "Die Inschrift des Kamms ist in dem Stil geschrieben, der das allererste Stadium der Entwicklung des Alphabets kennzeichnete", erklärt Eipgraph Daniel Vainstub im Gespräch mit "The Times of Israel". Da das Schriftsystem etwa 1800 v. Chr. entstanden sei, datieren die Forscher den Fund auf 1700 v. Chr. Den Zweck des Kammes konnten die Wissenschaftler aber problemlos feststellen: Am zweiten Zahn fanden sie die äußeren Membranen von Kopfläusen im Nymphenstadien.

Luftbild der Ausgrabungsstätte Tel Lachish
Luftbild der Ausgrabungsstätte Tel Lachish, einst eine bedeutende Stadt im Königreich Juda
© AFP

Die ersten Schriftsysteme der Welt entstanden bereits um 3200 v. Chr. in Mesopotamien und Ägypten. Diese kannten jedoch noch keine Buchstaben, sie stützen sich auf hunderte verschiedene Zeichen, um Wörter oder Silben darzustellen, erklärt Christopher Rollston, Professor für nordwestsemitische Sprachen an der George Washington University in den USA, dem "Guardian". Dazu zählen zum Beispiel die Hieroglyphen aus dem alten Ägypten. Daraus ging schließlich das System hervor, das als kanaanäisch bekannt ist. Statt Bilder nutzte es Buchstaben für einzelne Worte. Dieses erste Alphabet wurde über Jahrhunderte verwendet und bildet die Grundlage für Altgriechisch, Latein und die meisten modernen Sprachen im heutigen Europa, so der Experte.

Läuse sind "ein Dauerproblem in der Menschheitsgeschichte"

Tel Lachish galt laut Bericht der "Jerusalem Post" über mehrere Jahrhunderte als wichtigstes Zentrum für Verwendung und Erhalt des Alphabets. Trotzdem sind bisher keine bedeutungsvollen Inschriften entdeckt worden. "Dies ist der erste Satz, der jemals in der kanaanäischen Sprache in Israel gefunden wurde", schreiben die Archäologen im "Jerusalem Journal of Archaeology". Spannend finden die Forscher auch, dass die Schriftzeichen sehr klein sind – nur ein bis drei Millimeter. Dies zeuge von handwerklichem Geschick. Zudem legt der Fund neue Details des damaligen Lebens offen. 

"Die Inschrift ist sehr menschlich", sagt Ausgrabungsleiter Yosef Garfinkel. Rollston ergänzt: "In der gesamten Menschheitsgeschichte waren Läuse ein Dauerproblem. Und diese Inschrift zeigt schön, dass selbst die Reichen und Berühmten in der Antike nicht von solchen Problemen ausgenommen waren."

Quellen: "Deutschlandfunk","Jerusalem Journal of Archaeology", "Jerusalem Post", "The Guardian", "The Israel Times"

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