HOME

Jugendwort des Jahres: Die Jugend weiß, wer der "Babo" ist

"Babo" ist zum Jugendwort des Jahres gewählt worden. Das Wort ist türkisch für "Chef" und stammt aus einem Song des Rappers Haftbefehl. Dabei ist dessen Musik nicht unbedingt jugendfrei.

Hat mit seinem Song "Chabos wissen, wer der Babo ist" das Jugendwort des Jahres bekannt gemacht: Gangster-Rapper Haftbefehl

Hat mit seinem Song "Chabos wissen, wer der Babo ist" das Jugendwort des Jahres bekannt gemacht: Gangster-Rapper Haftbefehl

Wer jung ist und wer nicht, entscheidet nicht nur das Alter - sondern einmal im Jahr auch der Langenscheidt-Verlag. Dann bestimmt eine Jury nämlich das Jugendwort des Jahres, und wer es nicht kennt, der gehört eben nicht mehr dazu.

In diesem Jahr haben sich die Worthüter für "Babo" entschieden, das mit 48 Prozent der Stimmen auch Favorit bei der Online-Community von "jugendwort.de" war. Es sei bemerkenswert, wie selbstverständlich multi-kulturell und vielsprachig der Alltagsjargon der heutigen Jugend geprägt sei, erklärte das Komitee. Mit dem tatsächlichen Hintergrund hat man sich aber offenbar nicht befasst.

"Babo" ist türkisch, heißt so viel wie "Anführer", "Boss" oder "Chef" und wurde durch den Song "Chabos wissen, wer der Babo ist" des Rappers Haftbefehl berühmt. Der Deutsch-Kurde heißt mit bürgerlichen Namen Aykut Anhan, wohnt in Offenbach und pflegt das Image des Ex-Drogendealers. Sein Rap ist martialisch und ein wilder Sprach-Mix, den er als "kanakisch" vermarktet. So mimt er auch im Video zum "Babo"-Song den Bad Boy - und das dürfte so manchem Jugendschützer übel aufstoßen: Der Clip erinnert an Szenen aus Mafia-Filmen, am Ende stürmen Vermummte ein Lokal - und erschießen einen Mann. Bei "Youtube" wurde das Video über 11 Millionen Mal geklickt.

Tatsächlich gibt es seit längerer Zeit Kritik an Haftbefehl, wie unter anderem die "Welt" berichtet. In seinem Rap-Song "Psst" äußert er sich antisemitisch und brüstet sich etwa damit, "Kokain an die Juden an der Börse" zu verkaufen. Dass aber menschenfeindliche Texte kein Hindernis für Auszeichnungen sind, hatte bereits der Burda-Verlag bewiesen. 2011 verlieh er dem deutsch-tunesischen Rapper Bushido einen Bambi für Integration - trotz breiten Prostests.

Immerhin: So verbreitet, wie Langenscheidt meint, waren die Jugendwörter der vergangenen Jahre gar nicht. Es bleibt also noch etwas Zeit, um sich an "Babo" zu gewöhnen. Und bis dahin gibt es mit "Swag" und "Yolo" ja noch die Gewinner aus 2011 und 2012, die es mittlerweile sogar zu einer neuen Wortschöpfung gebracht haben: "swolo".

she mit DPA