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J. Engelmann: "Jede Woche, Baby!": Beziehung ja, aber mit wem?

stern-Stimme Julia Engelmann ist sich sicher: Man muss zu sich selbst stehen. Erst dann sind Beziehungen nicht mehr so kompliziert.

Julia Engelmann fragt sich: Warum sind Beziehungen manchmal so kompliziert?

Julia Engelmann fragt sich: Warum sind Beziehungen manchmal so kompliziert?

Beziehungen sind kompliziert. Ich bin nicht die erste, der das auffällt, genauso wie ich nicht die erste bin, der auffällt, dass es hin und wieder sehr notwendig ist, bereits bekannte Fakten zu wiederholen: Es regnet. Seeluft macht müde. Krass, wie schnell die Zeit vergeht. Gesundheit ist wichtig. Beziehungen sind kompliziert. 

Ein großer Bestandteil dieser Kompliziertheit ist, dass die erste Herausforderung schon ist, sie zustande zu bekommen. Das ist auch deshalb ungerecht, weil so viele Menschen gerne eine haben wollen und es aber nicht allen dann gelingt, wenn es ihrer Meinung nach das Richtige für ihr Leben wäre. Ich gehörte lange zu diesen Menschen. Ich wollte unbedingt gerne eine Beziehung führen, ich wusste nur leider nicht mit wem.

Für eine ziemlich lange Weile unterlag ich dem Irrtum, dass es ein sehr großes Problem mit meiner Person gibt. Dass ich nicht cool genug bin, nicht dies genug, nicht das genug, bla bla bla. Das ist Humbug. Für eine weitere Weile dachte ich dann, ich müsste erst perfekt mit mir selbst klarkommen, bevor ich bereit wäre. In dieser Phase habe ich das Buch gekauft "Liebe dich selbst - und es ist egal, wen du heiratest", obwohl ich gar nicht heiraten wollte, und obwohl ich mich für deutlich jünger als die Zielgruppe einstufe. Aber auch daran glaube ich nur bedingt. Es ist immer besser, wenn man sich selbst mag. Alter egal, Job egal, Beziehungsstatus egal. Sich selbst zu mögen ist für alles wichtig und immer und ein riesen großes Thema, so groß, dass es sich vielleicht nicht lohnt, dass Fass jetzt nur kurz aufzumachen. Nur so viel sei gesagt: jeder hat immer die Chance dazu, mit sich selbst klarzukommen, wenn er mag. Und wie alles im Leben ist das ein Prozess und wie bei allem im Leben kann das jeder für sich selbst einschätzen. Und daher glaube ich, dass es auch Semi-Humbug ist, die Beziehung zu sich selbst mit der zu anderen Menschen zu übertrieben in Kausalzusammenhänge zu bringen.

Denn der Glaube an Kausalzusammenhänge führt – zumindest bei mir – dazu, dass ich auch glaube, ich könnte alles kontrollieren. "Wenn ich dies, dann das". Und obwohl ich ein Freund des Walt Disney Prinzips ("If you can dream it, you can do it") bin, bin ich darüber hinweg gekommen, zu denken, allein meine Handlung und Einstellung bestimmt, was mit mir passiert. Weil es nicht so ist. Mein Fazit nach 23 Jahren Kopfzerbrechen heißt: Beziehungen sind auch Glückssache.

Und mein Bonusfazit lautet: Ich würde lieber keine Beziehung führen, als aus Verlegenheit eine komische. Genauso wie ich rückblickend ruhig mal alleine auf dem Schulhof zu stehen hätte aushalten können, als Mädchen, die nie meine Freundinnen wurden, bei bescheuerten Lästereien zuzustimmen. Und genauso wie ich mir kein Paar Schuhe kaufen will, das ich nie tragen wollen würde. Ich bräuchte keine Beziehung, um der glückliche Mensch zu sein, der ich mittlerweile geworden bin. Aber ich bräuchte auch keinen Beamer, um Filme zu gucken, und ich bräuchte auch keinen zweiten Lippenstift, genauso wie ich schon den ersten ja nicht wirklich gebraucht hätte. Aber ich brauche das Gefühl, dass ich mir und meinen Werten so sehr treu bleibe, dass ich nicht noch mal mit Wölfen heule, mit denen ich gar nicht heulen will. Und Beziehungen sind wesentlich weniger kompliziert, wenn jeder zu sich selber steht.  Wenn jeder das machen würde, dann würden sich Töpfe und Deckel vielleicht auch viel einfacher finden können.


Soundtrack zum Text: The Beachboys – "Wouldn’t it be nice"