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Kalifornische Behörde bietet 86.000 Dollar Autist soll von Schule verschwinden


In Kalifornien hat die Behörde einer Mutter 86.000 Dollar angeboten, damit sie ihren Sohn von der Schule abmeldet. Lehrer kamen mit dem Jungen offenbar nicht zurecht, sollen ihn misshandelt haben.
Von Gernot Kramper

Soviel Geld dafür, dass ein Kind nicht mehr zur Schule geht: 86.000 Dollar hat die Schulbehörde in Yuba City, Kalifornien, der Mutter Heather Houston geboten, damit sie ihren Sohn, David Swanson, von der staatlichen Schule abmeldet. Dabei hat sich der 21-jährige David nichts zuschulden kommen lassen. David hat nicht etwa andere Schüler angegriffen. David ist mehrfach behindert, Autist, taub und an Diabetes erkrankt. Während des Unterrichtes wurde er von einer eigenen Krankenschwester begleitet. Da ihm schon jetzt der Unterrichtet verweigert wird, hat die Mutter eine Verfassungsbeschwerde eingereicht und bereitet eine Klage gegen die Schule vor.

Streit um Zwangsfütterung durch Lehrerin

Die Auseinandersetzungen begannen im August vor einem Jahr. Krankenschwester Annette Armstrong sagt, im letzten Jahr habe eine Lehrerin beschlossen, David Tischsitten beizubringen. Weil sie Druck und Zwang einsetzte, habe sie keinen Erfolg gehabt, aber sie habe Armstrong verboten einzugreifen. "Das war schrecklich anzusehen. Sie drückte Davids Kopf in einen Napf. David würgte, spuckte ins Essen, aber die Lehrerin stopfte das Zeug wieder in ihn hinein." Armstrong beschwerte sich bei der Schulleitung. Die Zwangsfütterungen hätten dann aufgehört, aber danach habe man David nicht mehr auf der Schule haben wollen.

"Ich kann es nicht fassen, David ist so ein wunderbarer Junge", sagte Armstrong der Nachrichtensendung "ABC News". "Die Schule mag mich nicht, weil sie wissen, dass ich die Wahrheit sagen werde."Anders als die anderen Erwachsenen an der Schule ist die Krankenschwester nicht von der Schulbehörde abhängig.

Mutter beharrt auf Schulbesuch

Das erste finanzielle Angebot der Schulbehörde kam im Juni. Damals wurden Houston 50.000 Dollar angeboten, damit sie ihren Sohn abmelde. Ende August erhöhte die Behörde ihr Angebot auf 86.000 Dollar. Mit dem Geld könnte David auch an einer Privatschule unterrichtet werden. Doch seine Mutter will das Geld nicht annehmen, ihr geht es ums Prinzip: "In einem bestimmten Licht betrachtet, wollen die Leute doch nur, dass ich die Rechte meines Sohnes verkaufe. Und das werde ich niemals tun. Da können sie mir eine Million anbieten."

Die Hoffnung ihres Sohnes, trotz seiner Behinderung einen Platz in der Gesellschaft zu finden, beginnt im Klassenraum, davon ist die Mutter überzeugt. "Er wird vermutlich nur lernen, seinen Namen zu schreiben. Aber für ihn ist das ein großer Schritt. Darum kann ich nicht einfach aufgeben." Gegenüber "USA Today" sagte sie: "Diese Leute haben kein Recht, David so etwas anzutun."

Ihrer Meinung nach zeige die enorme Summe nur, wie weit die Behörde zu gehen bereit sei. Sie sieht sich auch nicht als Schul-Querulantin. Vier andere ihrer Söhne seien in öffentliche Schulen gegangen. Wegen Budgetkürzungen hätten sie nicht immer den Unterricht erhalten, der ihnen zugestanden hätte. Das habe sie damals akzeptiert, weil es auch für den Bezirk schwierige Zeiten gewesen seien, sagt Houston. Die Sache mit David sei anders, ihn wolle man einfach loswerden. Dabei hat David das Recht bis zu seinem 22. Geburtstag eine öffentliche Schule zu besuchen.

Fortgesetztes Mobbing

Auf Anfrage von "USA Today" und "ABC News" hat die Schulbehörde das anrüchige Angebot bestätigt. Mit der Summe soll nicht allein die Abmeldung bezahlt werden, mit der Zahlung will die Behörde der Mutter auch das Klagerecht wegen Diskriminierung abkaufen. Angesichts der drohenden Klage verweigert die Behörde weitere Auskünfte, entkräftet die Vorwürfe aber auch nicht.

In den USA sind die Schuldistrikte verpflichtet, behinderte Schüler zu unterrichten. Wenn sie die speziellen Bedürfnisse eines Schülers nicht erfüllen können, ist es durchaus vorgesehen, die öffentliche Schule durch einen alternativen Unterricht zu ersetzen, wenn der Distrikt für die Kosten aufkommt. Krankenschwester Armstrong bestreitet jedoch, dass die mangelhaften Möglichkeiten der Schule bei David der Grund gewesen sein sollen. Vor dem Zwischenfall mit dem Essen sei alles in Ordnung gewesen, sagt sie im Interview. "Wir hatten unseren Tisch in unser Ecke und alles war gut. Wir saßen da, wo wir sein sollten."

Die Chancen der Schule vor Gericht dürften schlecht stehen. Zumindest wenn Heather Houston die Wahrheit berichtet. Sie zählt mehrere Fälle nach der Zwangsfütterung auf, die nach fortgesetztem Mobbing aussehen. David kommuniziert mit Hilfe seines iPad. Man soll ihn gezwungen haben, das Gerät außerhalb der Schule im Regen zurückzulassen, weil Telefone und elektronische Aufzeichnungsgeräte auf dem Schulgelände verboten seien. Ein anderes Mal soll ein Lehrer die Klasse zu einem Stück Kuchen eingeladen haben. Jedes Kind bekam ein Stück zugeteilt, nur David bekam keins. Deutlicher kann ein Lehrer nicht machen, dass ein Schüler unerwünscht ist.


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