Kindesentführung "Ayla hatte keine Chance"


Für die Eltern der kleinen Ayla aus Zwickau ist es jetzt traurige Gewissheit. Ihre am Dienstag entführte Tochter lebt nicht mehr. Besonders bitter: Der mutmaßliche Täter ist wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft.

Die in Sachsen entführte sechsjährige Ayla ist tot. Die Polizei fand ihre Leiche in der Nacht zum Donnerstag in einem Waldstück nahe Zwickau. Der 37 Jahre alte Tatverdächtige gestand die Tat und führte die Polizei selbst zum Fundort. Der mehrfach vorbestrafte Arbeitslose und zweifache Vater kam unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Er hat die ihm bekannte Ayla sehr wahrscheinlich sexuell missbraucht, wie der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, Dieter Kroll, sagte. "Ayla war die Tochter einer Freundin der früheren Lebensgefährtin des Tatverdächtigen."

Wie die Staatsanwaltschaft berichtete, war der Unterleib der Leiche unbekleidet und der Pullover hochgezogen. Den bisherigen Ermittlungen zufolge starb Ayla durch einen Messerschnitt in die Kehle. Das Mädchen war Dienstagmorgen auf offener Straße nahe seiner Wohnung von dem Mann in den Kofferraum seines Autos gezerrt worden.

"Ayla hatte keine Chance"

Nach Krolls Angaben geschah die Mordtat bereits kurze Zeit später zwischen 7.45 Uhr und 9.45 Uhr. "Wir hatten keine Chance und Ayla hatte keine Chance, da das Zeitfenster zu kurz gewesen ist." Tatort war der Dänkritzer Forst, ein Waldgebiet zwischen den Ortschaften Dänkritz und Mosel bei Zwickau. Die Leiche war mit Reisig und Mulde zugedeckt und nicht ohne weiteres zu finden, sagte Kroll. Der Fundort ist von dem der Entführung sechs Kilometer entfernt.

Bei der Vernehmung sagte der gelernte Fliesenleger, der einen fünf Monate alten Sohn und eine fünf Jahre alte Tochter hat, er wisse selbst nicht, warum er das getan habe. Laut Polizei gab der 37-Jährige weiter an, dass er das Mädchen getötet habe, nachdem es geschrien habe. Der Täter bestreite aber bisher, das Kind missbraucht zu haben.

Der Täter ist vorbestraft

Die 27 Jahre alte Mutter von Ayla, die noch eine sieben Monate alte Tochter hat, kam in psychologische Betreuung. Laut Polizei ist der Verdächtige mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Mordes. Als 17-Jähriger hatte er 1985 eine ältere Frau auf der Straße erstochen. Dafür wurde er vom Bezirksgericht Chemnitz zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. 1996 kam eine Verurteilung wegen Unterschlagung hinzu. 1997 musste der Mann wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Kindern für zwei Jahre hinter Gitter.

Die Vernehmung des Täters bezeichnete Kroll als ungewöhnlich. Er zeichne viel und spreche in Halbsätzen. "Es sind keine normalen Gespräche." Am Mittwochnachmittag habe der Tatverdächtige erstmals angedeutet, dass er etwas mit der Entführung zu tun habe. Es sei dem psychologischen Geschick des Ermittlungsrichters am Amtsgericht Zwickau zu verdanken gewesen, dass der Tatverdächtige geredet habe.

Der aus der Nähe von Zwickau stammende Mann geriet ins Visier der Ermittler, weil die Beschreibung des Täterfahrzeugs - eines dunkelgrünen Fiat Tempra mit Stufenheck und Zwickauer Kennzeichen - auf seinen Wagen zutraf. "Dieser Fahrzeugtyp ist in Zwickau sehr selten", sagte Kroll.

Zeugen alarmierten die Polizei

Am Dienstag hatte ein 15 Jahre altes Mädchen beobachtet, wie Ayla entführt wurde. Sie hat sich den Angaben zufolge an ihren Vertrauenslehrer gewandt, der wiederum die Polizei angerufen habe. Zeitgleich sei ein zweiter Notruf von einem Zeugen eingegangen, der beobachtet habe, wie der Tatverdächtige in seinem Fiat mit hoher Geschwindigkeit davon gefahren war.

Kroll sagte, wegen der Auffindesituation nehme die Polizei an, dass das Mädchen sexuell missbraucht worden sei. "Wir wissen es aber nicht genau, da das Ergebnis der Untersuchung noch nicht abschließend vorliegt." Der Täter sei nach der Tat nach Gößnitz in Thüringen gefahren, habe dort eine Firma aufgesucht, in der er früher gearbeitet hatte, und geduscht. Hin- und Rückfahrt abgerechnet, habe er für die Tatbegehung höchstens eine Stunde Zeit gehabt. Der Mann wurde etwa 12 Stunden nach der Tat festgenommen.

Im Fahrzeug und an seiner Kleidung wurden Spuren gesichert, die beim Landeskriminalamt Sachsen untersucht werden. Der Mitteilung der Polizei zufolge handelt es sich dabei auch um DNA-Spuren, die inzwischen auch an das Bundeskriminalamt übersandt wurden.

Frank Ellmers/AP AP

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