Kirchentag Ein Halleluja für die Ökumene


«Ihr sollt ein Segen» sein - unter diesem Motto waren fast eine Viertelmillion Christen nach Berlin gereist. Fünf Tage lang hatten sie die Gemeinsamkeiten ihrer Konfessionen beschworen und über Trennendes gesprochen.

Zum Schluss wollten auch die Bayern-Fans ein Segen sein. In ihren roten-weißen Trikots tauchte ein Dutzend junger Männer vor dem Berliner Reichstag in ein Meer orangefarbener Schals und Regenbogenfahnen. Beim Ausklang des Ökumenischen Kirchentags in Berlin zeigten die Fußballfans am Sonntag auch ihre Freude über das gewonnene Pokalendspiel. Unter der prallen Sonne feierten mehr als 200 000 Katholiken und Protestanten ihren größten gemeinsamen Gottesdienst seit der Reformation.

Ihr sollt ein Segen

«Ihr sollt ein Segen» sein - unter diesem Motto waren fast eine Viertelmillion Christen nach Berlin gereist. Fünf Tage lang hatten sie die Gemeinsamkeiten ihrer Konfessionen beschworen und über Trennendes gesprochen. Als sich dann während des Gottesdienstes zwischen Reichstag und Kanzleramt Zehntausende die Hände zum gemeinsamen «Vaterunser» reichten, ergriff auch der Protestant und Bundespräsident Johannes Rau die Hand des Berliner Erzbischofs, Kardinal Georg Sterzinsky.

Mit viel Halleluja und Blasmusik hatten die Kirchen den Gottesdienst gestaltet - 5 500 Posaunen, Trompeten und Hörner erklangen in den Himmel und übertönten das Rattern der Hubschrauber. Gedränge, Hitze und müde Beine - auf der Wiese mischten sich andächtige Ruhe mit ausgelassener Freude und zufriedener Erschöpfung. Immer wieder stimmten Jung und Alt die Lieder aus voller Kehle an.

Arbeitslosigkeit und die Ungerechtigkeit in der Welt

Vor dem Brandenburger Tor und im Tiergarten verfolgten Menschen auf Großleinwänden das Geschehen auf der Altarbühne. Dort reichten sich, in Erinnerung an die Taufe, die Repräsentanten der großen Kirchen Schüsseln mit geweihtem Wasser und zeichneten sich gegenseitig ein Kreuz auf die Stirn. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit in der Welt anprangerten.

Nachdem die Kirchentagspräsidenten Elisabeth Raiser und Hans Joachim Mayer die Teilnehmer verabschiedet hatten, wollte das große Treffen nicht enden. Musiker kamen zu Spontankonzerten zusammen, rund um das Brandenburger Tor stimmten Chöre Kirchenlieder an. Lange Schlangen bildeten sich auch vor den den Unterschriftlisten für einen weiteren ökumenischen Kirchentag im Jahr 2008 - wieder in Berlin. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Einladung bereits ausgesprochen.


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