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Silvester in Manchester Die unerwartete Ästhetik des Koma-Saufens


Dass auf der Insel feuchtfröhlich gefeiert wird, ist nichts Neues. Besonders an Silvester schauen die Briten gerne tief ins Glas - was zu so mancher kuriosen Straßenszene führt. Diese Momentaufnahme aus Manchester erinnert sogar an ein Kunstwerk.

Komasaufen, in Großbritannien gemeinhin als "Binge drinking" bekannt, hat auf der Insel traurige Tradition: Immer wieder zeigen Momentaufnahmen, was sich im britischen Nachtleben für kuriose Szenen abspielen - besonders zum Ende der Partynacht. Es wird geknutscht, geprügelt, gekotzt, gestritten - ein Nickerchen mitten auf der Straße inklusive.

Wie exzessiv es in der vergangenen Silvesternacht in der nordenglischen Metropole Manchester zuging, hat die Zeitung "Manchester Evening News" in einer Fotostrecke zusammengefasst. Die Aufnahmen zeichnen ein Bild von Betrunkenen, die mit letzter Kraft versuchen, sich im Vollrausch von einem Fast-Food-Geschäft zum Nächsten zu hangeln, um dann nach einer Portion "Fish and Chips" in ein Taxi zu fallen.

Kunstwerk der Extase

Auf dieser hochprozentigen Odyssee kommt es - wie jedes Jahr - auch häufiger zu Auseinandersetzungen mit den Ordnungshütern. Eines der Bilder sticht besonders aus der Menge der Momentaufnahmen hervor - auch weil so mancher Twitter-Nutzer in ihr eine ästhetische Komposition erkennt, die sich auch vor Werken der großen Renaissance-Meister nicht verstecken muss.

Das Bild zeigt eine Kreuzung in Manchester in der Neujahrsnacht, auf dem einiges zu sehen ist: Im Vordergrund versuchen zwei Beamte einen Mann zu bändigen, der mutmaßlich mindestens einen zu viel getrunken hat. Daneben, eine Frau im roten Kleid, die von der Polizeimaßnahme alles andere als begeistert scheint. Andere Polizisten diskutieren mit Beistehern - Passanten beobachten die Szene von der anderen Straßenseite. Und um das ganze abzurunden, liegt mitten auf der Straße ein Mann der sich mit letzter Kraft und entblößtem Bierbauch an eine Flasche "Desperados" klammert.

Zunächst war dem britischen Journalisten Roland Hughes die Gemeinsamkeit der Aufnahme mit "einem wunderschönen Gemälde" aufgefallen. Und offenbar sah nicht nur er die versteckte Ästhetik des Fotos. Mittlerweile wurde Hughes Tweet schon über 21.000 Mal geteilt.  Ein Twitter-Nutzer belegte die Aufnahme kurzerhand mit dem aus der Geometrie und Kunst bekannten "Goldenen Schnitt", welcher die Schönheit von künstlerischen Darstellungen anhand von Proportionen bemisst.

Besonders der betrunkene Herr, der mitten auf der Straße liegt, lässt bei der Twitter-Gemeinde die Kreativität nur so aufblühen: Dieser User baut die Schnapsleiche von Manchester in die Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle mit dem Titel "Erschaffung des Adam" von Michelangelo ein.

Auch diese klassische Filmszene aus dem Oscar prämierten Meisterwerk "Titanic" glauben einige in der Aufnahme wiederzuerkennen.

Weitere Nutzer sehen in dem Foto auch Gemeinsamkeiten mit den künstlerischen Werken der spanischen Künstlers Joan Miró und Pablo Picasso oder des Franzosen Georges Seurat.

amt

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