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Leben von 3500 Euro im Jahr Der Mann, der im Hobbit-Bau wohnt


Dan Price hatte eine glückliche Familie, ein Haus und einen guten Job. Eines Tages kehrte er der Gesellschaft den Rücken - und zog in eine Hobbithöhle in der Wildnis. Die Geschichte eines Aussteigers.
Von Christoph Fröhlich

Was braucht man für ein glückliches Leben? Ein prall gefülltes Konto? Einen erfüllenden Job? Eine sich liebende Familie? Dan Price müsste diese Frage eigentlich beantworten können: Der 33-jährige US-Amerikaner war glücklich verheiratet und ist Vater zweier Kinder. Er hatte einen stressigen Job als Fotojournalist in Kentucky, den er über alles liebte. Dan Price führte ein Leben wie Millionen seiner Landsleute, mit denselben Ängsten und Sorgen. Seine Gedanken drehten sich jeden Tag um das Geld, das er verdiente, sagte er dem US-Sender NBC. Auch fragte er sich immer wieder, warum er sich die ganze Schinderei im Job eigentlich antue. "Doch ich habe mir gesagt 'Reiß dich zusammen und bezahl einfach die Rechnungen'", sagte Price. "Das ist nun mal der Lauf der Dinge." Nur glücklich war der 33-jährige Familienvater nie.

Von der Vorstadt in die Wildnis

Sein Leben nahm eine Wendung, als er vor zwanzig Jahren ein Buch in die Hände bekam: "Payne Hollow" von Harlan Hubbard. Es stammt aus dem Jahr 1974, darin beschreibt der Autor seine Ablehnung der modernen, konsumsüchtigen Gesellschaft und schildert seinen Alltag in einem primitiven Heim am Ufer des Ohio River. Price war beeindruckt und beschloss, es Hubbard gleichzutun: Die Ehe ging in die Brüche und er wanderte nach Oregon aus, wo Price als kleiner Junge aufgewachsen ist. Dort angekommen, klinkte sich der 33-Jährige weitgehend aus der Gesellschaft aus.

Die ersten Nächte seines neuen Lebens verbrachte er allein in einer winzigen Hütte in den Wäldern. Es folgten Übernachtungen in diversen Absteigen und in einem Tipi. Dann beschloss er, sich eigenhändig ein Loch unter eine Pferdeweide in der Nähe eines Flusses zu buddeln. Er brauchte nicht viel für den Bau seiner neuen Behausung, sie besteht hauptsächlich aus Steinen und Ästen. Insgesamt habe er nicht mehr als 75 Dollar bezahlt, erzählte Price dem Sender NBC - das meiste Geld ging für Kleber und Dichtungsmittel drauf.

Wasser für die Cornflakes

Die Behausung ist winzig, nur wenige Quadratmeter groß, die Decke ist nicht einmal anderthalb Meter hoch. Aufrecht stehen kann Price nicht in seiner Wohnung, auch durch die Eingangstür aus Holz, die knapp einen Meter hoch ist, kommt er nur krabbelnd. Die Einrichtung im kreisrunden Inneren ist rustikal: Es gibt ein paar Teppiche, einen Schrank, elektrisches Licht. An der Wand hängt ein Gemälde. Luxus gönnt sich Price nicht, er schläft auf einem dünnen Polsterkissen, das tagsüber als Sessel dient und kocht seine Mahlzeiten in einer kleinen Kochnische. Mehr als einen Löffel, eine Gabel, ein Messer und eine Heizplatte hat er nicht.

Price ernährt sich hauptsächlich von Gemüse und verschiedenen Getreidesorten, die er zu einem Müsli kombiniert. Weil er keinen Kühlschrank hat, in dem er Milch lagern kann, muss er seine Cornflakes morgens mit Wasser anrühren. Seine Klamotten wäscht er im Fluss. Es ist ein Leben am Existenzminimum, doch für Dan Price bedeutet es pure Freiheit.

Hightech im Hobbit-Haus

Seit knapp zwei Jahrzehnten lebt Price dieses Leben. Nur während der kalten Wintermonate sucht er Schutz vor dem rauen Wetter, das im Nordwesten der USA herrscht. Meist verschlägt es ihn nach Hawaii, wo er von November bis April leidenschaftlich gerne surft. Alles in allem kostet ihn sein Lebensstil etwa 5000 US-Dollar (zirka 3500 Euro) pro Jahr, schreibt NBC.

Solange es ihm gesundheitlich gut geht, funktioniert das Modell. Nur vor drei Jahren stieß Price an seine Grenzen: Er hatte einen Nierenstein und musste im Krankenhaus behandelt werden. Weil er keine Krankenversicherung hat, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Rechnung in Höhe von 3000 Dollar in Raten abzustottern.

Sein Leben finanziert sich Price mit Gelegenheitsjobs, außerdem gibt er ein Magazin namens "Moonlight Chronicles" über den Alltag in der Wildnis heraus. Das erstellt er auf einem Macbook Air und einem iPad, es sind die modernsten Gegenstände in der selbstgebauten Holzhöhle.

"Ich glaube nicht an Häuser oder Hypotheken"

Sein Leben würde der nun über 50-jährige Aussteiger für kein Geld der Welt eintauschen. "Ich kann tun und lassen, was ich will", sagt Price, der 100 Dollar jährlich für das Grundstück bezahlt, auf dem sein Hobbit-Bau steht. "Die meisten Leute fühlen sich gut, wenn sie etwas kaufen. Deshalb kaufen sie auch die ganze Zeit irgendwelches Zeug. Ich bin das Gegenteil. Wenn ich etwas kaufe, fühle ich mich richtig mies", sagt Price NBC. "Ich glaube nicht an Häuser oder Hypotheken. Welcher normal denkende Mensch verschwendet sein Leben, um Häuser zu bezahlen, in denen man nie ist, weil man nur noch arbeitet?"


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