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Massenkarambolage auf der A19: Windschutz auf Äckern reicht nicht aus

Der Massenunfall im Sandsturm auf der A19 hat die Diskussion über Windschutzstreifen auf Feldern neu entfacht. "Da liegt einiges im Argen", sagte der Professor im Fachbereich Landschaftsarchitektur an der Hochschule Neubrandenburg, Mathias Grünwald, am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Gebraucht würden Feldhecken, die nicht nur entlang der Straßen stünden, sondern auch die Felder unterteilten. Die Landwirtschaft aber sei nur an Großflächen interessiert, die sich gut bearbeiten ließen. "Jetzt haben wir die Kehrseite davon gesehen", sagte Grünwald.

Am Freitag hatten Sturmböen von Feldern bei Rostock Erde durch die Luft gewirbelt. Kraftfahrern auf der A19 war die Sicht genommen, 80 Autos rasten ineinander, es gab acht Tote.

"Jedem Landwirt muss das Herz bluten, wenn er sieht, wie die Ackerkrume davonweht", meinte Grünwald. Dass unbedeckter Boden bei Trockenheit weggetragen wird, "gehört zum Erfahrungsschatz seit der Jungsteinzeit", kommentierte der Professor. Heute seien im Frühjahr hauptsächlich die Felder kahl, auf denen Mais gelegt werden soll. Der Anbau einer Zwischenfrucht, die als Gründünger untergepflügt werde, sei sinnvoll. Wo jetzt Winterweizen oder -raps wachse, gebe es das Erosionsproblem nicht.

Optimal gegen Winderosion seien Strauchhecken, sagte Grünwald. Sie böten viele Vorteile. "Der Flächenverlust wird mehr als wettgemacht." So seien die Erträge auf eingefriedeten Flächen besser, weil der Humus gehalten werde und die Luftfeuchtigkeit im Bereich der Hecken größer sei, was den Boden fruchtbarer mache. Feinde von Schädlingen fänden in den Hecken ein Refugium. Neben Vögeln seien das Marienkäfer, Flor- und Schwebfliegen, die sich von Getreide- Blattläusen ernähren. Zudem verschönten Hecken das Landschaftsbild.

Das Problem ist nach Ansicht Grünwalds, dass Hecken wie Winterbegrünung Kosten und Arbeit verursachen. "Das ist der Grundkonflikt: Will ich nachhaltige Landwirtschaft betreiben oder bin ich auf Profitmaximierung aus."

DPA / DPA