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Meterologischer Sommerbote: Siebenschläfer mit Sonne und Regen

Der Siebenschläfer, so besagt eine Bauernweisheit, gibt die Wetterrichtung für die kommenden sieben Wochen vor. Morgen wissen wir also mehr - oder sind genauso schlau wie vorher.

Von Veronika Gstöttl

"Das Wetter am Siebenschläfertag, sieben Wochen bleiben mag" – Das besagt zumindest eine alte Bauernregel. Namensgeber für diesen Tag sind nicht etwa die putzigen Nager der Erdmännchenfamilie, sondern eine im Jahr 251 n. Chr. entstandene Legende um sieben schlafende Brüder, die nach knapp 200 Jahren in einer verschlossenen Höhle wieder erwachten.

Und genau wie diese Legende ist auch die Regel des Siebenschläfertages nur eine Geschichte. Meteorologen sind sich einig: Egal wie nass der gefürchtete Stichtag wird, sieben Wochen Regen werden uns auch in diesem Sommer nicht drohen. Das nächste Public Viewing der Fußball-Europameisterschaft kann man also durchaus im Freien planen und auch Grillfeste und Gartenpartys in den Kalender schreiben – zur Sicherheit einfach noch eine Extra-Jacke einpacken.

Verschieben nach der Kalenderreform

Ohnehin sind wir zehn Tage zu früh dran. Papst Gregor XIII ließ im Jahr 1582 zur Korrektur des bis dahin gültigen Julianischen Kalenders von einem Tag auf den anderen zehn Kalendertage überspringen, statt dem 5. folgte plötzlich der 15. Oktober. Mit dieser Kalenderreform verschiebt sich also nicht nur der Siebenschläfertag. Eigentlich müssten auch alle anderen Bauernregeln, die sich auf ein bestimmtes Datum beziehen, um zehn Tage nach hinten verschoben werden.

Trotzdem wird die Regel in Süddeutschland in bis zu 80 Prozent der Fälle von der Wirklichkeit bestätigt. Im Norden ist die Trefferquote der richtigen Wettervorhersage weitaus geringer. Ermittelt haben das die Meteorologen des Online-Wetterportals wetter.net mittels Langzeitstatistik. Schuld an der niedrigeren Trefferquote im Norden ist der maritime Einfluss.

Was den Sommer wirklich bestimmt

Die meteorologische Begründung für das Auf und Ab in den Sommermonaten lässt sich weniger an einem einzelnen Tag festmachen - ausschlaggebend ist vor allem der Jetstream. Liegt er eher über dem Norden Deutschlands, erwartet uns durch den Einfluss des Azorenhochs ein sonniger, warmer Sommer. Sollte sich das Windband eher im Süden ansiedeln, können sich Tiefs leichter durchsetzen.

Nass oder sonnig - Die aktuelle Vorhersage der Meteorologen

Aber wird denn nun das Wetter am Siebenschläfertag? Trifft die Regel zu, bleibt Deutschland zweigeteilt. Die einen bekommen mehr Regen ab als die anderen. Und: Der Sommer wird in weiten Teilen der Republik eher nass. Tief "Lisa" bringt nämlich aus Westen Regen, der sich im Lauf des Tages über der Mitte Deutschlands ostwärts ausbreitet. Einzelne Gewitter schließt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach nicht aus. Nur der äußerste Norden und der Süden bekommen keinen Regen ab, dort gibt es auch Wolkenlücken.

Die Kollegen von wetter.net ermittelten ein ähnlich gemischtes Bild. Zunächst scheint die Sonne häufig durch einen dünnen Wolkenschleier. Von Nordwesten her werden die Wolken allerdings rasch zahlreicher. Zwischen Tiefebene und westlichen Mittelgebirgen kann es zu regnen beginnen. Örtlich werden sich auch einige Gewitter entladen. Sie breiten sich bis zum Main aus. Die Temperaturen klettern auf 14 im nördlichen Schleswig-Holstein und 26 Grad am Bodensee.

Wechselhaft und unstet ist aber nicht nur dieser Sommer. Auch wenn es einigen vielleicht so vorkommen mag - 2012 ist weder besonders regnerisch noch besonders heiß. Die Temperaturen liegen "in etwa im langjährigen Durchschnitt", sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. Der Norden ist etwas zu kalt, der Süden etwas zu warm: Deswegen bleibt der Durchschnittswert im Vergleich zu Vorjahren gleich.

Siebenschläfer hin, Siebenschlläfer her: Es wird besser. Die Deutschen können sich schon mal auf 23 bis 33 Grad am kommenden Wochenende freuen. Auch Hitzegewitter und Sturmböen sind möglich. Der Sommer 2012 bleibt also im Zick-Zack-Lauf - ganz wie der Siebenschläfertag es prophezeien wird.