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Meuterei-Prozess: Was geschah an Deck der "Hermelin"?

Sie fesselten ihren Kollegen, schrieben ihm "Mongo" aufs Bein: In Rostock hat der Prozess um eine Meuterei bei der deutschen Marine begonnen. Ein Soldat schilderte bereits, was an Deck geschah.

Mit einem umfangreichen Geständnis eines der sechs Angeklagten hat am Dienstag vor dem Amtsgericht Rostock der Prozess wegen einer Meuterei auf dem Schiff "Hermelin" der deutschen Marine begonnen. Die Beschuldigten haben laut Anklage im Februar dieses Jahres während eines Auslandseinsatzes im Hafen von Beirut einen Bootsmann mit einem fünf Zentimeter breiten Tapeband an einen Tisch gefesselt. Dann hätten sie ihm mit einem wasserunlöslichen Stift unter anderem "Hier wohnen die Mongos" auf den Unterschenkel geschrieben.

Die Aktion der Soldaten war laut Anklage ein Denkzettel für eine Äußerung des Bootsmanns thailändischer Abstammung, die sie als beleidigend empfanden. Dabei habe ein Offizier bei einer Musterung, bei der die gesamte Besatzung antrat, in die Runde gefragt, wo die Offiziere und wo die Mannschaft schlafen. Der Bootsmann habe geantwortet: "Offiziere schlafen in der Kammer, an Deck schlafen die "Mongos"."

Der 27 Jahre alte Soldat sagte im Prozess allerdings, dass die Aktion eher als Spaß gedacht gewesen und spontan entstanden sei. Er habe mit dem vorgesetzten Bootsmann ein freundschaftliches Verhältnis gehabt, dieser habe zudem auch an Deck bei den Mannschaften geschlafen. Das Wort "Mongo" sei üblicher Sprachgebrauch gewesen und habe mit der Abstammung des Bootsmanns nichts zu gehabt.

DPA / DPA
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