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Missbrauchsskandal: Papst trifft Missbrauchsopfer in Malta

Papst Benedikt XVI. hat während seines Malta-Besuchs Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester getroffen. Zuvor hatte er sich zu den Pädophilie-Skandalen in der katholischen Kirche geäußert. Seine Botschaft verschlüsselte der Pontifex allerdings in kryptischen Andeutungen, die der Erläuterung bedurften.

Papst Benedikt XVI. ist bei seinem Besuch in Malta mit Männern zusammengetroffen, die nach eigenen Angaben als Kinder in den 80er und 90er Jahren von katholischen Priestern in einem Waisenhaus missbraucht wurden. Benedikt äußerte nach Angaben des Vatikans seine Scham und sein Bedauern über das Leid, das den Männern zugefügt wurde. Die Kirche müsse alles in ihrer Macht stehende tun, um den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und junge Leute in Zukunft zu schützen.

Zuvor hatte sich der Papst zum Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern durch Kirchenmänner geäußert. Die Kirche sei "verletzt durch unsere Sünden", sagte der Pontifex im Flugzeug auf der Reise in die Inselrepublik südlich von Sizilien. Jeder Christ sei dazu aufgerufen, mit seinem Glauben die "zahlreichen Bedrohungen gegen die Heiligkeit des menschlichen Lebens" einzudämmen. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Abend auf Anfrage bestätigte, bezog der Pontifex sich damit auf die Pädophilie-Skandale.

Überschwänglich begrüßt von Tausenden Maltesern besuchte Papst Benedikt XVI. am Samstagabend die Katakomben des Apostel Paulus. So stand die erste Reise des Papstes nach Malta im Zeichen des 1950. Jahrestags des Schiffbruchs des Apostel Paulus auf der Insel. Unvorhergesehen wie jener Schiffbruch habe auch "das Wort des Evangeliums die Kraft, in unser Leben hereinzubrechen und dessen Lauf zu ändern", sagte Benedikt nach einem stillen Gebet in den Katakomben. Fast leidenschaftlich forderte das katholische Kirchenoberhaupt die Malteser auf, "die spannende Herausforderung der Neuevangelisierung anzunehmen".

Missbrauchsopfer wollen "Chefanwalt" treffen

Am Freitag hatten zehn Malteser, die in einem Waisenhaus der Insel Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester geworden waren, mitgeteilt, dass sie im kommenden Juni in Rom mit Monsignore Charles Scicluna zusammentreffen werden. Scicluna beschäftigt sich als "Chefanwalt" der Glaubenskongregation mit den Missbrauchsfällen.

Benedikt dankte am Samstagabend den Missionaren in der Welt für ihre Arbeit. Dabei betonte er, wie schon in der Begrüßungsrede, erneut den Wert von Ehe und menschlichem Leben. Im in weiten Teilen erzkatholischen Malta ist Scheidung bis heute gesetzlich nicht geregelt und damit illegal.

In nur 26 Stunden auf der Insel hat der Papst, der am Freitag seinen 83. Geburtstag feierte, ein dichtes Programm zu absolvieren. Mit einer Messe unter freiem Himmel setzte er seinen Kurzbesuch am Sonntag fort. Bei leichtem Nieselregen wurden Tausende von Katholiken in Floriana auf dem größten maltesischen Platz zu der Messe erwartet.

Außerdem will der Pontifex ein Treffen mit Jugendlichen abhalten. Es handelt sich um die 14. Auslandsreise Benedikts. Rund 95 Prozent der maltesischen Bevölkerung sind katholischen Glaubens.

DPA/APN / DPA