HOME

Mutter reagiert auf Coming-out bei Facebook: Ich liebe dich, auch wenn du schwul bist

Das Coming-out ist ein schwieriger Schritt. Als ein Junge bei Facebook seine sexuellen Neigungen veröffentlicht, reagiert die Mutter mit einem warmherzigen Brief. Darin geht es um Liebe.

Von Julia Rieke

Im März 2013 offenbarte ein Vater seinem Sohn Nate in einem Brief, dass er ein Telefongespräch mitangehört und so von seinen Coming-out-Plänen erfahren habe. "Ich weiß, dass du schwul bist, seitdem du sechs Jahre alt bist, ich liebe dich seitdem du geboren bist", schrieb Nates Vater darin. Diese rührende Notiz wurde seither über 55.000 Mal auf der Facebook-Seite von FCKH8 geteilt. Nun gibt es einen neuen Brief, der sich im Netz verbreitet. Nachdem sich ein junger Mann mit seiner Statusmeldung bei Facebook als bisexuell geoutet hat, erhält er einen liebevollen Brief von seiner Mutter:

"Zach,
ich war überrascht von deinem Facebook-Posting, in dem du dich outest. Ich will, dass du weißt, dass ich dich bedingungslos liebe. Ich liebe dich mit dem, was ich tue, nicht nur mit Worten. Ich bin so stolz auf dich. Du bist die mutigste Person, die ich kenne. Ich werde immer für dich kämpfen. Es ist nicht deine sexuelle Orientierung, die dich ausmacht. Du bist noch immer der Junge, der mein Herz für immer gewonnen hat."

Was Zachs Mutter viel mehr zu schaffen macht, ist die Vernachlässigung seiner Haushaltspflichten:

"Das Einzige, was mir Sorgen macht, ist die Anzahl der leeren Limo-Gläser und Teekannen in deinem Zimmer. Wirf sie weg, bevor die Ameisen kommen."

Auch dieser Brief verbreitete sich im Netz, nachdem ihn die Facebook-Page Have a Gay Day veröffentlicht hatte. Dort meldete sich auch die Mutter Michelle Conway McClain zu Wort und bestätigte, dass es sich bei dem Brief um keine Fälschung handle. Mittlerweile wurde der Brief bereits mehr als 2000 Mal geteilt und über 500 Mal kommentiert.

Es menschelt so schön

Was diese Briefe von Nachrichten über Ehegatten-Splitting und Homo-Ehe unterscheidet, ist der persönliche Bezug. Es geht nicht um Gesetze oder Verordnungen, sondern um Gefühle. Es geht darum, wie sich Eltern und Kinder fühlen, wenn sie diesen für sie lebenswichtigen Schritt gegangen sind. Kaum jemand, der nicht selbst in dieser Situation gewesen ist, kann nachvollziehen, wie einem Menschen die Knie schlottern, bevor er oder sie den Satz "Ich bin homosexuell" zum ersten Mal laut ausgesprochen hat.

Das Mitempfinden der User zeigt sich deutlich in den Kommentaren der Facebook-Seiten, auf denen die Briefe veröffentlicht wurden. Eine Nutzerin schreibt, dass das Lesen des Briefes von Nates Vater sie zu Tränen gerührt habe. Ein anderer schreibt, wie sehr er die Reaktion von Zachs Mutter bewundere und dass Zach stolz auf sie sein kann. Viele erzählen von ihren eigenen Coming-outs, denen ihrer Kinder oder davon, dass sie sich selbst auch solche Eltern gewünscht hätten.

Öffentlichkeit schafft Aufklärung und Verständnis

Bei aller Empathie sind natürlich nicht sämtliche Kommentare positiv, es finden sich im Netz auch negative Reaktionen von Eltern sowie Pöbeleien. Doch Freude, Rührung und Mitgefühl überwiegen. Und ganz ehrlich: Haben Sie sich schon einmal die Kommentare unter Artikeln über Angela Merkel oder die deutsche Nationalelf durchgelesen? "Haters gonna hate", heißt es im Netzjargon, wer meckern will, findet immer etwas.

Sicherlich sind Nate und Zach nicht die ersten Menschen der Welt, die einen Brief als Reaktion auf ihr Coming-out erhalten. Die meisten Outings spielen sich jedoch abseits der Öffentlichkeit ab und ziehen keine Welle der Rührung nach sich. Vielleicht wäre das ein oder andere Outing anders verlaufen, wenn es soziale Netzwerke wie Facebook schon vor vielen Jahren gegeben hätte. Vielleicht tragen derartige Reaktionen dazu bei, dass manchen die Angst vor dem eigenen Coming-out genommen wird. Das Wichtigste stellen Nates Vater und Zachs Mutter am Ende ihrer Briefe klar: "Ich liebe dich". Und genau darum geht's letztendlich doch. Liebe, egal ob homo-, bi-, hetero- oder was-auch-immer-sexuell.

Themen in diesem Artikel