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Party-Droge: Das weiße Pulver und die Society

Ob Daum, Wecker oder Witzigmann: Etliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens stolperten über die Party-Droge Kokain, die Leistungsfähigkeit und Kreativität steigern soll.

Kokain, auch als Party-Droge oder "Schnee" bekannt, brachte schon viele Prominente in Bedrängnis. Ob Fußballtrainer Christoph Daum, Liedermacher Konstantin Wecker oder Starkoch Eckart Witzigmann: Etliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens stolperten über die Droge, die kurzfristig die Leistungsfähigkeit und Kreativität steigern soll. Während einige Musiker, Schauspieler und Künstler nach einer Drogentherapie oder dem zeitweisen Rückzug ins Privatleben wieder an frühere Erfolge anknüpfen konnten, versetzte das Rauschgift auch so mancher Karriere einen dauerhaften Knick.

Inspirierende Kurzzeit-Wirkung

In einem der größten Kokain-Verfahren, dem so genannten Klappe-Prozess, mussten 1981 Filmstars und Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder zumindest als Zeugen vor Gericht. Bei einer Razzia in einem Szenelokal der Münchner Schickeria hatte die Polizei hinter dem Tresen Kokain entdeckt. Doch prominente Stammgäste wurden mangels Beweisen freigesprochen. Die Droge ist wegen ihrer inspirierenden Kurzzeit-Wirkung besonders bei Künstlern beliebt. Doch Ärzte warnen: Einem vorübergehenden Stimmungshoch folge in der Regel ein Tief, in dem man sich angespannt, müde und missmutig fühle. Längerer Drogenkonsum führe zu Depressionen und Wahnvorstellungen.

Mit seiner Drogenaffäre löste Christoph Daum im Oktober 2000 einen der größten Skandale im deutschen Fußball aus. Der designierte Bundestrainer - nach der Saison 2000/01 sollte er Chefcoach der Nationalmannschaft werden - wurde nach einer von ihm selbst veranlassten Haarprobe des Kokainmissbrauchs überführt. Er verlor danach seinen Trainerposten bei Bayer Leverkusen und seinen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Daum stürzte "so tief wie kaum ein deutscher Prominenter" ("Die Zeit"). Im Oktober 2002 startete der Trainer seine Karriere bei Austria Wien neu, nachdem er zuvor in seinem Kokainprozess freigesprochen worden war. In einem Anklagepunkt wurde das Verfahren allerdings gegen Zahlung einer Geldauflage von 10 000 Euro eingestellt.

Wecker schaffte Comeback

Ein Comeback schaffte auch der Liedermacher Konstantin Wecker, der im Herbst 1996 wegen Kokainkonsums zunächst zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war. In einer Neuauflage seines Drogenprozesses milderte das Landgericht München 2000 das Urteil zu einer Strafe von 20 Monaten auf Bewährung sowie einer Geldbuße von 100 000 Mark ab. Der Skandal hat ihm nur bedingt geschadet: Zwischendurch ging der Künstler auf Tournee und brachte ein Musikmärchen heraus. Anfang dieses Jahres reiste der 56-Jährige mit einer Friedensdelegation in den Irak, um gegen den Krieg zu protestieren, vor kurzem erschien sein Buch "Tobe, zürne, misch dich ein".

Bei einem Prozess gegen einen Drogendealer gab der Modeschöpfer Wolfgang Joop 1993 zu, Kokain konsumiert zu haben. "Ja, ich habe gekokst, aber nur einmal", gestand der Designer. Der Münchner Starkoch Eckart Witzigmann wurde im selben Jahr wegen Kokainkaufs verurteilt. Durch eine schwere Lebenskrise sei er in die Drogenszene hineingerutscht, hatten seine Anwälte damals plädiert. "Inzwischen hat er die Umkehr geschafft und den richtigen Weg gefunden", sagte einer seiner Anwälte. Heute spricht normalerweise niemand mehr davon, der Starkoch ist mit Kochbüchern und kulinarischen Genüssen hoch erfolgreich.

Schills ungewöhnliche Aktion

Mit einer für einen deutschen Politiker ungewöhnlichen Aktion wiederum machte der Hamburger Innensenator Ronald Schill auf sich aufmerksam. Nach anonymen Kokainvorwürfen unterzog er sich Anfang 2002 einer freiwilligen Haarprobe, die ihn entlastete.

Carola Große-Wilde / DPA