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Schlag 12 - der Mittagskommentar: Paternoster. Erlöse uns von dem Übel

Man darf wieder Paternoster fahren. Das Hin und Her mit den Personenumlaufaufzügen ist ein Beispiel für die herrlichen Irrungen und Wirrungen der deutschen Bürokratie.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Und heute, meine Lieben, befassen wir uns, weil's erstens so schön doof ist und zweitens in seiner Konsequenz doch eher selten vorkommt, heute also befassen wir uns mal kurz mit einem Klassiker: den Irrungen und Wirrungen der deutschen Bürokratie, dem leider Erwartbaren eben, und, damit es  nicht allzu eindimensional wird, aber auch mit der ebenso leider absoluten Ausnahme: deren doch ziemlich prompter Korrektur. Teilweise zumindest.

An dieser Stelle müssen wir erst mal kurz grundsätzlich werden und mit einem großen Missverständnis aufräumen. Wer glaubt, alles oder zumindest das Allermeiste, was der Staat anstellt, sei des Teufels, der irrt. Wir verweisen da auf den berühmten Sachverständigen Herrn Mephisto, der von sich behauptet, er sei "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". Und nun mal Pferdefuß aufs Herz: Wer wollte solches vom Staat behaupten, der doch immer wieder prächtigste Beispiele dafür liefert, dass er spielend das Gegenteil schafft. 

Wir sagen nur: HErr im Himmel! Altdeutsch: Paternoster. Auf Behördisch, der in Deutschland gängigsten Zweitsprache: Personenumlaufaufzüge. 

Streitfall Paternoster: Die letzte Runde mit dem rasanten Retrolift


Ein Paternosterführerschein in Frankfurt am Main

Der Deutsche, vor allem der verbeamtete Deutsche, will nun mal vor allem eins: Sicherheit. Und wo es keine absolute Sicherheit gibt, da will er deren Simulation. Oder wenigstens Warnschilder. Vor allem aber begehrt er: nicht schuld daran sein, falls mal etwas passiert. Wozu das führt, kann man sehr schön in einem Fernsehbeitrag aus dem Jahr 2011 beobachten. Es geht darin um einen Paternosterführerschein, den die, ja, ha, genau die: Goethe-Universität zu Frankfurt am - Obacht, "Widerstand Ost West"! - MAIN eingeführt hatte. Nur wer den entsprechenden Wisch beim Wachpersonal vorzeigen konnte, durfte in der rumpelnden Kiste mitfliegen, äh, fahren. Könnt ja dem in die Kunst des Paternosterns Uneingewiesenen sonst was passieren. Sehr lustig das Ganze. 

Wir machen jetzt mal eine ganz große Ausnahme und ein Geständnis: Auch wir sind zuweilen ein wenig schwer von cape. Wir hielten den Beitrag zunächst für eine Satire. War er aber mitnichten. Alles echt. Das Unvorstellbare, an der Goethe-Uni ward's tatsächlich Ereignis. Allerdings kein so wirklicher Bringer. Nachdem alle gegen den Unsinn aufbegehrt hatten, schaffte die Hochschulverwaltung den Führerschein wieder ab. 

Was im Kleinen nicht klappt

Kommt Ihnen bekannt vor? Sollte es auch. Denn nicht aus allem, was ein Fehler ist, lernt der deutsche Beamte. Im Gegenteil. Man kann ja aus dem Scheitern im Kleinen auch die Lehre ziehen, dass man es nur im Großen versuchen muss - dann wird's schon klappen. Versuch macht eben nicht immer kluch. So kam es wahrscheinlich zu jenem verhängnisvollen Satz auf Seite 28 der neuen "Betriebssicherheitsverordnung", den wir doch noch mal in seiner vollen Pracht und Herrlichkeit zitieren wollen: "Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten verwendet werden."


So hat es ein Beamter oder - was uns noch besser gefallen würde - eine Beamtin des Bundesarbeitsministerium ersonnen. Die schwarzgelbe Regierung hat es im Sommer 2013 noch fix verabschiedet, die Länder haben die Verordnung sogar noch etwas angespitzt. Den Ärger abgekriegt hat dann allerdings die nun auch nicht mehr ganz so neue Ministerin Andrea Nahles, die den Passus gar nicht kannte und im Übrigen Paternoster liebt. Aber wie Schweißfuß schon sangen: Einer ist immer der Arsch, einer bleibt immer übrig. Nahles kennt das. 

Das Geschrei des romantischen Deutschen

Wem das jetzt zu derb ist, dem kommen wir halt noch mal mit Olle Wolfgang Johann und seinem hier wie der Faust auf die Bühne bzw. zum Ende des Anfangsabsatzes passenden: "Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst." Wir sind nun nämlich an jenem Punkt, an dem der Sicherheit liebende Deutsche auf sein nicht komplett spiegelverkehrtes Alter Ego stößt: den romantischen Deutschen. Der rumpelt nun mal gerne in den ohnehin nur noch wenigen verbliebenen Paternostern auf und ab und macht ordentlich und berechtigt Geschrei, wenn es ihm verwehrt oder erschwert werden soll. Und weil der regierende Deutsche Geschrei meist noch weniger liebt als mangelnde Sicherheit, deshalb hat das Kabinett nun seine Verordnung wieder rückverordnet. Ging nicht ganz so schnell wie beim Atomausstieg nach Fukushima, bedurfte allerdings auch nur eines Spott-Tsunamis. Ein paar Warnschilder extra sind aber drin. Geht doch also. 

Von Frankfurt am MAIN lernen, kann eben auch heißen, Fehler nicht nur nachzuahmen, sondern auch korrigieren zu lernen. Zum in diesem Fall ganz guten Ende möchten wir noch daran erinnern, woher der Name Paternoster stammt. Von den Kabinen, die an der Kette aufgeschnürt sind wie die Perlen am Rosenkranz. Rosenkranz. Paternoster. Vaterunser. Und erlöse uns von dem Übel. Passt.

Andreas Hoidn-Borchers hat diesen Schlag 12 auf dem Flug von Berlin nach Düsseldorf verfasst. Im Paternoster fühlt er sich nicht nur sicherer, er schreibt sich darin auch angenehmer. Sie können ihm auf Twitter folgen: @ahborchers

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.