Pechvögel Zug und Auto erwischen den "Ice Man"


Manche Leute können machen, was sie wollen. Sie haben einfach immer Pech. Robert "Ice Man" Evans aus Boulder in Colorado ist so einer. Erst fährt ihn ein Auto an, sieben Stunden später ein Zug und dann zerschneidet ihm eine Krankenschwester auch noch seine letzten Klamotten.
Von Manuela Pfohl

Es gibt Tage, an denen wirklich alles schief läuft. Robert Evans aus Boulder im US-Staat Colorado kennt sich aus damit. Er kann Geschichten erzählen, von solchen Tagen, die glaubt man nicht. Der Dienstag beispielsweise, der fing scheinbar harmlos an und endete, laut Denver-Post, im Chaos. Der 46-jährige Landstreicher war nach seinem Nachmittagsnickerchen aus seinem Schlafkarton gestiegen, hatte wie immer die Passanten um "eine milde Gabe" für arme Obdachlose gebeten und tatsächlich einige zerknitterte Dollarscheine bekommen. Zeit, sich sein klappriges Fahrrad zu schnappen und was zum Abendbrot zu besorgen.

Im Nachhinein ein Fehler

Pech, dass eine Autofahrerin ihn Minuten später beim Abbiegen übersieht. Robert, the Ice Man, der früher mal Automechaniker war, hat ein paar Schrammen, nichts Ernstes, wie er meint. Trotzdem will er sich in der Klinik nebenan kurz durchchecken lassen. Die Mediziner dort kennen ihn gut. Eine Krankenschwester säubert seine Wunde am Knie und bandagiert einen Arm, dann kann er wieder gehen. Was im Nachhinein betrachtet, ein Fehler ist.

Evans, der nach all dem Schrecken etwas wackelig auf den Beinen ist, beschließt erstmal einen kräftigen Schluck Whisky zu trinken und sich beim nächstgelegenen Taco Bell etwas Warmes zu schnorren. Das Essen ist gut und der Whisky auch. Kurz vor Mitternacht sind der Teller und das Glas leer. Und weil es spät ist und der Mann endlich in seinen Schlafkarton will, nimmt er den eigentlich gesperrten Weg an einem Bahngleis und ahnt nicht, dass das Schicksal ihm schon grinsend auf den Fersen ist.

Unkraut vergeht nicht

Evans, der seit 13 Jahren auf der Straße lebt, sieht die Sterne am Himmel, die Lichter der Lok, die mit einem leeren Kohlenwagen direkt auf ihn zurumpelt, sieht er nicht. Um 4.45 Uhr morgens werden er und sein Fahrrad und die letzte Dose Bier durch den Aufprall mit der Lok rund 20 Meter weit durch die Luft und schließlich in den Graben neben den Gleisen geschleudert. The Ice Man überlebt mit ein paar angebrochenen Rippen. Der Krankenschwester, die ihm eine Spritze gibt, sein Knie noch einmal richtet und den zweiten Arm verbindet, sagt er mit einem heiseren Lachen: "Unkraut vergeht nicht."

Die Polizisten, die schließlich die Sachlage protokollieren, und ihm, Ordnung muss sein, eine Strafanzeige wegen verbotener Benutzung eines Privatweges ausstellen, geben ihm noch einen guten Tipp: Lottoschein kaufen. "Er muss einer der größten Glückspilze auf der Erde sein", meint Polizist Jim MacPherson. Dass jemand innerhalb von sieben Stunden von einem Auto und einem Zug angefahren wird - und relativ unversehrt überlebt, sei schon extrem selten.

Damals, als das Bier explodierte

Robert Evans kann da nur heftig widersprechen. Er hat schon ganz andere Tage erlebt und das mit dem Glück sei so eine Sache. Wie war das noch, damals vor zwei Jahren, als beim Eisfischen in der Mitte des Sees seine beiden Sixpacks Bier explodierten? Evans war vor Schreck aus dem Boot gefallen und im Eis eingebrochen. Die Feuerwehrleute, die ihn schließlich irgendwann aus dem Wasser fischten, brauchten einige Liter heißes Wasser, um ihn und seine gefrorenen Klamotten aufzutauen. Als er wieder unter den Lebenden war, gaben sie ihm den Spitznamen "Ice Man" und Evans dachte, schlimmer könnte es nicht mehr kommen.

Und nun? Kann ihm einer erklären, warum die Krankenschwester ihm die Jeans und das Shirt vom Leib geschnitten und damit seine letzte Garderobe ruiniert hat, nur wegen der paar angebrochenen Rippen? Jetzt, wo es kalt wird draußen und ihm die Saubande von Kindern gerade seine Schlafsäcke und die beiden Decken in den Bach geschmissen hat?

Es gibt Tage, an denen wirklich alles schief läuft und Leute, mit denen man nicht tauschen möchte.


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