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Peking: Volle Busse, lange Staus und dicke Luft

Die Fahrverbote im Vorfeld von Olympia haben bei Millionen Berufspendlern in Peking Wut und Empörung ausgelöst: U-Bahnen und Busse waren hoffnungslos überfüllt. Auf den Straßen bildeten sich Staus, obwohl nur die Hälfte der mehr als drei Millionen Autos fahren durfte. Und auch die Luft war noch kein Deut besser.

Am ersten Arbeitstag mit den massiven Fahrverboten für die Olympischen Spiele hat die Pekinger U-Bahn den Ansturm zusätzlicher Passagiere nur mühsam bewältigen können. Viele Pekinger stöhnten und schimpften am Montag über die Fahrverbote, die zwei Monate andauern sollen. Obwohl nur die Hälfte der 3,3 Millionen Autos fahren durfte, staute sich der Verkehr auf den großen Ringstraßen, da eine Fahrbahn exklusiv für den "olympischen Verkehr" von Fahrzeugen mit Sonderausweisen reserviert wurde. Zu allem Unglück zeigte sich die Luft, die den Olympia-Organisatoren in der 17-Millionen-Metropole die größten Kopfschmerzen bereitet, noch kein bisschen besser.

Ausgerechnet mit Beginn des Berufsverkehrs erwies sich das neue Steuerungssystem des am Wochenende um drei Linien erweiterten U-Bahn-Netzes als "etwas instabil", wie ein Sprecher der Verkehrsbetriebe einräumte. Der Takt der fahrenden Züge musste von zweieinhalb auf bis zu dreieinhalb Minuten verlängert werden. "Die Stationen waren mit Menschen überfüllt." Vorübergehend habe sogar der Transfer an dem wichtigen Umsteigebahnhof Jianguomen für eine Viertelstunde völlig untersagt werden müssen. Viele Fahrgäste waren sauer.

Wie in einer Sardinendose

"Die Leute wurden zusammengequetscht. Es war wie in einer Sardinendose", sagte ein Mann. "Es war heiß, und wir schwitzten." Die Temperaturen stiegen am Montag auf mehr als 35 Grad. "Ich sah eine Frau, die bewusstlos wurde", berichtete eine Passantin. "Es waren einfach zu viele Leute, und die Kapazität reichte nicht aus." Einige Fahrgäste seien nicht mehr in die vollen Züge gekommen und zwischen den schließenden Türen eingequetscht worden. "Viele Leute stritten mit dem Sicherheitspersonal", sagte die Frau. "Die Wachleute wollten sie aufhalten, damit sie auf den nächsten Zug warten, aber die Leute hatten Sorge, zu spät zur Arbeit zu kommen. So drängten sie zu den Türen."

Mit den Fahrverboten dürfen die 3,3 Millionen Autos in der Olympiastadt seit Sonntag jeweils nach Nummernschild nur noch an geraden oder ungeraden Tagen fahren. Die Fahrverbote sollen die schlechte Luft über der Olympiastadt und den Verkehr in den sonst chronisch verstopften Straßen verbessern. Der Index für die Luftverschmutzung zeigte sich aber auch am zweiten Tag der Fahrverbote mit 65 Punkten ziemlich unbeeindruckt. Er schwankte in den vergangenen sechs Tagen zwischen 55 und 66 Punkten, was aber für Pekinger Verhältnisse schon nicht schlecht ist. Häufig liegt der Index über 100 Punkten. Richtig schlimm wird die Luft über 150 Punkte. Über 500 wird nicht mehr weiter gemessen.

Wieder Staus auf den Ringstraßen

Viele Taxifahrer waren am Sonntag noch voll des Lobes. "Der Verkehr fließt", sagte ein Fahrer. Auch läuft das Geschäft: "Ich habe mehr Fahrgäste als sonst." Doch am Montag standen die Autos auf den Ringstraßen, auf denen eine der drei Fahrbahnen für Olympiaverkehr blockiert ist, doch wieder im Stau. Ein Augenzeuge berichtete von einem Unfall, weil ein genervter Fahrer aus dem Stau ausbrechen wollte und mit einem schnell vorbeifahrenden olympischen Fahrzeug kollidierte.

"Die Beschränkungen nach geraden und ungeraden Nummern bringen nichts, weil eine Fahrbahn für Olympia reserviert ist", klagte der Autofahrer Wang Na. "Auch die Autobahn zur Großen Mauer bei Badaling war genauso verstopft wie immer, weil normale Autos die Überholspur nicht benutzen dürfen." Auf vielen Straßen abseits der Ringstraßen war insgesamt aber ein besseres Durchkommen. Auch waren zusätzlich Busse eingesetzt worden. "Mein Bus war zwar vollgepackt mit Leuten", berichtete die junge Angestellte Miao Lina. "Aber ich bin schneller als sonst zur Arbeit gekommen."

Andreas Landwehr/DPA / DPA
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