HOME

Prozess: Die perfide Masche des Andreas N. - Chefarzt machte Frauen mit Kokain an seinem Penis gefügig

Es klingt unglaublich: Andreas N. versteckte Kokain unter der Vorhaut seines Penis, um Frauen beim Sex gefügig zu machen. Eines seiner Opfer stirbt. In Magdeburg wird dem Chefarzt jetzt der Prozess gemacht.

Angeklagter Andreas N.

Der Angeklagte Andreas N. vor dem Magdeburger Landgericht

DPA

Als Oberstaatsanwältin Eva Vogel die Anklage verliest, geht es immer wieder um Sex und Drogen. Die zahlreichen Zuschauer im Saal des Magdeburger Landgerichts hören, wie Chefarzt Andreas N. ihm bekannte Frauen beim Sex gefügig gemacht haben soll: Indem er ihnen Kokain einflößte. Seine perfide Masche: Er löste laut Anklage die Droge nicht nur heimlich in Getränken auf, sondern brachte sie auch unter der Vorhaut seines Penis an. Die Frauen seien ahnungslos gewesen, klagt der Staatsanwalt an. Für eine von ihnen endete das Sexspiel im Februar tödlich. 

Seit Freitag muss sich der ehemalige Chefarzt eines Halberstädter Krankenhauses vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Andreas N. unter anderem Vergewaltigung mit Todesfolge vor. Das Gericht muss im Laufe der Verhandlung prüfen, ob für eine Tat auch eine Verurteilung wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen oder Totschlags infrage kommt. Auch die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt sowie Sicherungsverwahrung kommen in Betracht. 

Angeklagter Andreas N. schweigt

Insgesamt sind zehn Fälle zwischen September 2015 und Februar dieses Jahres in Berlin, Hermsdorf und Halberstadt angeklagt. Die Taten ereigneten sich laut Staatsanwaltschaft im Privaten, nicht in der Klinik. In Halberstadt leitete der Angeklagte zuletzt in einem Krankenhaus die Abteilung für plastische, ästhetische und Handchirurgie. Vor Gericht erscheint er im weißen Hemd und grauem Jacket. Er wirkt ruhig und gefasst, spricht immer wieder mit seinen Anwälten.

Zum Prozessauftakt hüllt sich der gebürtige Österreicher mit deutschem Pass in Schweigen - auch im Ermittlungsverfahren hat er sich nach Auskunft eines Gerichtssprechers nicht geäußert. Über einen seiner Anwälte lässt er mitteilen: "Der Tod, wie auch immer er zustande gekommen ist, war nicht gewollt." 

Die beiden Verteidiger beantragen am Freitag eine Aussetzung der Verhandlung wegen Formfehlern in der Anklageschrift und bei deren Zustellung sowie einen generellen Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Dirk Sternberg weist beide Anträge zurück und will über den Ausschluss der Öffentlichkeit im Einzelfall entscheiden. 

Zeugin über Opfer: ""Er war für sie Christian Grey"

Der Anklage zufolge soll es am 20. Februar in der Halberstädter Wohnung des Mannes zunächst zu einvernehmlichen Sex mit einer Frau gekommen sein. Ohne ihr Einverständnis soll der Angeklagte ihr dann vaginal Kokain verabreicht und außerdem ein Video gedreht haben. Die beste Freundin der Toten sagte im Zeugenstand: "Yvonne wollte ihren Mann für N. verlassen. Er war für sie ihr Christian Grey aus Fifty Shades of Grey.“

Während des Geschlechtsverkehrs habe sich der Zustand der Frau stark verschlechtert, sagt Staatsanwältin Vogel. Der 42-Jährige ruft ihren Angaben zufolge den Notarzt, dem zunächst die Wiederbelebung gelingt. Sechs Tage später wird bei der Frau im Krankenhaus der Hirntod festgestellt, ausgelöst durch eine Überdosis Drogen. Ihr Ehemann, der als Nebenkläger auftritt, sagt am ersten Verhandlungstag hinter verschlossenen Türen aus. 

Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt

Auch in den anderen neun Fällen mit vier weiteren Frauen sei es immer darum gegangen, Sex unter Drogeneinfluss zu haben. Die Opfer seien dann wehrlos und nicht mehr in der Lage gewesen, einen Willen zu äußern, heißt es. Die erste Strafkammer hat zunächst Verhandlungstermine bis Ende November angesetzt. Neben den Zeugen sollen auch zwei Sachverständige gehört werden. Der Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt.

mai/DPA