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Shitstorm nach Germanwings-Kommentar der "Emma": "Tote für die Quote?!"

Ein Kommentar des Magazins "Emma" verlangt mehr Pilotinnen im Cockpit - denn "Amoktrips sind Männersache". Die Netzgemeinde ist empört, auf Twitter tobt ein Shitstorm gegen das feministische Blatt.

Das feministische Magazin Emma fordert mehr Pilotinnen im Cockpit

Das feministische Magazin Emma fordert mehr Pilotinnen im Cockpit

Ein Gastbeitrag der feministischen Linguistin und Schriftstellerin Luise Pusch, den das Magazin "Emma" online veröffentlichte, sorgt in den sozialen Netzwerken für Furore. In dem Text fordert Pusch mit Bezug auf die Flugzeug-Katastrophe in Südfrankreich eine "Frauenquote fürs Cockpit!". Bei der Lufthansa gebe es 94 Prozent männliche Piloten. Für Pusch ein Risiko, denn – "Amoktrips sind Männersache."

Viele Internetnutzer sind empört und werfen der Autorin vor, das Unglück zu instrumentalisieren. In dem Text beschreibt Pusch die Gefahr durch Männer im Cockpit. Denn nicht nur lenken ihrer Ansicht nach hauptsächlich Piloten statt Pilotinnen, auch sei die Suizidrate bei Männern viermal so hoch wie bei Frauen. "Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren", schreibt Puscht.

"Menschenverachtend" und "pietätlos"

Die Autorin beschreibt die Fluggesellschaft wegen des geringen Anteils an Pilotinnen im Cockpit als "fast so schlimm wie die katholische Kirche". Eine Frauenquote sei "das Nächstliegende", schließlich suche die Lufthansa "verzweifelt nach Maßnahmen, um Katastrophen wie die mutmaßlich durch ihren Germanwings-Co-Piloten verursachte in Zukunft auszuschließen oder wenigstens unwahrscheinlicher zu machen."

Viele Twitternutzer regen sich über den Text auf und finden ihn "menschenverachtend" oder "pietätlos".

"Nahe Bild-Niveau. Echt Geschmacklos"

Abgesehen von der Vorverurteilung des Copiloten – schließlich laufen die Ermittlungen noch und auch einen technischen Defekt schließen die Ermittler bislang nicht aus – ging es der Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch möglicherweise aber auch vorrangig um sprachliche Feinheiten. Sie spricht von einem "blinden Fleck", der "aus den beiden getöteten Lehrerinnen aus Haltern 'Lehrer' und aus den 14 getöteten Mädchen und zwei Jungen '16 Schüler' macht."

Allerdings vermengt sie dabei eine linguistische Geschlechterdebatte mit einer aktuellen Tragödie. Auf ihrem Blog hat Pusch den Text noch indirekt als Glosse ausgewiesen, während "Emma" ihn schlicht als Kommentar bezeichnet. Ein Versäumnis das schnell zu Missverständnissen führen kann. So oder so ist es aber für viele Leser irritierend ein solches Unglück für derartige Forderungen zu missbrauchen.

mka