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Religiöser Eifer: Blitz-Scheidung in Saudi-Arabien

Ein Hochzeitsfoto brachte einen Bräutigam in Saudi-Arabien zur Weißglut. Wutentbrannt verstieß er seine frisch gebackene Ehefrau, die Schwester des Fotografen. Grund: Abbildung von Menschen verstößt gegen seine Religion.

Ein frisch gebackener Ehemann aus Mekka hat sich von seiner Frau nur wenige Minuten nach der Eheschließung wegen eines Hochzeitsfotos scheiden lassen. Wie die saudische Zeitung 'ArabNews' berichtete, wollte der Mann zunächst auf den Bruder der Braut losgehen, der das Paar fotografiert hatte. Als ihn die Hochzeitsgäste davon abhielten, entschied er sich kurzerhand, die Frau zu verstoßen.

In Saudi-Arabien können Männer sich ihrer Ehefrauen nach islamischem Recht innerhalb von Minuten entledigen, indem sie drei Mal hintereinander sagen: "Ich verstoße Dich." Viele Anhänger der wahabitischen Schule des Islam, die im Königreich Saudi-Arabien Staatsreligion ist, lehnen Fotos und andere Formen der Abbildung von Menschen aus religiösen Gründen ab. In konservativen saudischen Familien werden die Ehen bis heute von den Eltern der Brautleute arrangiert.

Teurer Seitenblick

Für einen ähnlichen Aufruhr sorgte jüngst auch ein junger Bräutigam aus der südsaudischen Provinz Asir. Weil er bei seiner eigenen Hochzeit einen unerlaubten Blick auf die weiblichen Gäste warf, verurteilte ihn der Ältestenrat seines Stammes zur Zahlung von 20 000 Rial (rund 4600 Euro) und zur Ausrichtung eines Festmahls für 50 Männer des Stammes. Die Frauen - die bei saudischen Hochzeiten immer getrennt von den Männern feiern - waren empört gewesen, weil der Bräutigam ihre unverschleierten Gesichter hatte sehen können. Ein Augenzeuge berichtete saudischen Zeitungen, eine ältere Frau habe sogar Steine nach dem Jüngling geworfen.

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