Sahara-Geiseln Mauern des Schweigens


Seit Monaten werden noch immer 15 Entführte - darunter zehn Deutsche - in der algerischen Sahara vermisst. Doch selten hat das Auswärtige Amt in Berlin sich so zugeknöpft gezeigt wie in diesem Fall.

Seit fast fünf Monaten werden noch immer 15 Entführte - zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer - in der glühend heißen algerischen Sahara-Region um Tamelrik vermisst. Weder in Berlin noch in Algier oder Bern gibt es Informationen, die das Dunkel über dem Schicksal dieser Menschen erhellen könnten.

"Kontakte auf unterschiedlichen Ebenen"

"Es gibt Kontakte auf unterschiedlichen Ebenen. Unsere Bemühungen, die Betroffenen sicher und gesund nach Hause zu bringen, werden fortgesetzt", heißt es lapidar in Berlin.

Das offizielle Schweigen geschehe im Interesse der Menschen, von denen sich elf seit dem 22. Februar dieses Jahres und vier seit dem 8. März in den Händen von Extremisten befinden. Auch zu den Hintergründen der Entführung, ob es zum Beispiel um Lösegeld oder die Durchsetzung politischer Forderungen geht, gibt es keinen Kommentar. Die Berliner Diplomaten wissen im Tagesgeschäft üblicherweise sehr gut, offizielle Mitteilungen mit dem nötigen Hintergrundwissen und der Bemerkung "für Ihren Hinterkopf" anzureichern. Nicht im Falle der Sahara-Geiseln.

Das in die Untersuchungen eingeschaltete Bundeskriminalamt (BKA) hat eine Sonderkommission "Wüste" gebildet und schweigt eisern. Nicht einmal die Zahl der Entführten wollten die Beamten am Dienstag bestätigen. "Wir sagen dazu überhaupt nichts", lautet fast unwirsch der BKA-Kommentar. Es wird nicht einmal bestätigt, dass es sich um 15 Entführte handelt. Allerdings sind diese Personen auf der für jedermann zugänglichen Homepage des BKA mit vollem Namen und Alter als "Vermisste in der algerischen Sahara" aufgelistet. Aus den ebenfalls vermerkten Kennzeichen der Autos und Motorräder, mit denen die Abenteuer-Urlauber in der Wüste unterwegs waren, lässt sich sogar der ungefähre Herkunftsort der Verschwundenen erkennen. Aber dennoch heißt es amtlich: "Kein Kommentar".

17 von 32 Touristen befreit

Am 14. Mai wird bekannt, dass 17 der ursprünglich verschleppten 32 europäischen Touristen nach einer Aktion algerischer Spezialkräfte frei kamen. Zwei Tage zuvor hatte sich Außenminister Joschka Fischer in Algier aufgehalten.

Für kurzfristige Aufregung und Freude sorgten kurz nach der Befreiungsaktion Berichte, auch die übrigen 15 seien in Sicherheit. Das Dementi war ernüchternd.

Bei den "Kontakten auf unterschiedlichen Ebenen" handelt es sich nach Überzeugung von Insidern durchaus um Geheimverhandlungen. Mit welchem Ziel und über welche Stränge sie an welchem Ort geführt werden, bleibt indessen undeutlich. Satellitentelefone machen Kommunikation von beinahe jedem Ort der Welt aus möglich. Denkbar ist aber auch, dass Mittelsmänner im Spiel sind, die von Europa oder einem arabischen Land aus Kontakt nach Berlin und Bern halten.

Entführte in Gruppen aufgeteilt

Nach Zeitungsberichten vom Wochenende geht es den in Gruppen aufgeteilten Entführten, zu ihnen gehören auch vier Frauen, gesundheitlich gut. Die zwei Schweizerinnen sind 19 Jahre alt, die zwei deutschen Frauen sind 45 und 62 Jahre alt. Ein Bonner Mediziner meinte, so lange ausreichend Wasser vorhanden sei, bestehe keine akute Gefahr. Dass jüngere Menschen Strapazen dieser Art - glühende Hitze am Tag, Kälte in der Nacht - wahrscheinlich besser aushalten als Ältere, sei logisch.

Gerd Reuter DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker