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Anschlag in Paris: Warum "Charlie Hebdo" immer wieder zur Zielscheibe wird

Das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" provoziert regelmäßig mit islamkritischem, aber auch kirchenkritischem Spott. Mehrfach wurde es deshalb bereits zur Zielscheibe von Attacken.

Ein Polizist sichert die Redaktionsräuem des islamkritischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo

Ein Polizist sichert die Redaktionsräuem des islamkritischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo

Die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo", die am Mittwoch Ziel eines blutigen Anschlags mit mindestens zwölf Toten wurde, sorgt seit Jahren mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Aufregung und löst Proteste in muslimischen Ländern aus.

In seiner neuen Ausgabe macht sich das Blatt über das jüngste Buch "Unterwerfung" des Skandal-Schriftstellers Michel Houellebecq lustig, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft. Die Überschrift der Titelgeschichte: "Die Vorhersagen des Zauberers Houellebecq: 2015 verliere ich meine Zähne ... 2022 befolge ich den Ramadan!"

Zeichnungen lösen wütende Proteste aus

Es ist nicht das erste Mal, dass die Zeitung sich satirisch mit dem Islam und dem Propheten beschäftigt.

Die Redaktion mit rund 20 Mitarbeitern veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Für Aufsehen hatte das linksgerichtete Blatt auch 2011 gesorgt. So übernahm es die umstrittenen dänischen Karikaturen vom September 2011, die Mohammed unter anderem mit einer Bombe als Turban zeigten.

Die Zeichnungen lösten in zahlreichen muslimischen Ländern wütende Proteste aus. Seither sei die Redaktion ständig bedroht worden, sagte am Mittwoch der Anwalt des Blattes, Richard Malka.

2011 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris. Zuvor hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht.

Redakteure leben mit Bedrohung

Im September 2012 sorgte "Charlie Hebdo" mit Mohammed-Karikaturen erneut für Aufsehen. Nach der Veröffentlichung mussten französische Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Am 2. Januar 2013 veröffentlichte das Blatt ine Comic-Biographie von Mohammed ("La Vie De Mahomet").

In dem Band werden seine ersten 40 Lebensjahre nacherzählt, unter anderem wird Mohammed auf einer Seite nackt dargestellt. Daraufhin war die Internet-Seite des Satire_Magazins tagelang von Hackern gestört.

Die Redakteure von "Charlie Hebdo" hätten seit Jahren mit der Bedrohung gelebt, das Innenministerium habe sie unter Polizeischutz gestellt, berichtete Anwalt Richard Malka. Doch "gegen Barbaren, die mit Kalaschnikows kommen, ist nichts zu machen". Insgesamt starben bei dem Anschlag am Mittwoch zwölf Menschen, darunter vier Zeichner des Blattes.

Satireblatt muss sich vor Gericht verantworten

Die 1970 gegründete Satirezeitung ging aus dem verbotenen Vorgängerblatt "Hara-Kiri" hervor. Autoren und Zeichner von "Charlie Hebdo" scheren sich nicht um Begriffe wie politische Korrektheit. Zu den Attackierten zählen Mächtige aus Politik und Wirtschaft genauso wie Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer.

Das zwischen Ende 1981 und 1992 wegen Geldmangels vorübergehend eingestellte Blatt muss sich regelmäßig vor Gericht verantworten. So gab es Klagen nach einer bitterbösen Papst-Sonderausgabe. "Charlie Hebdo" erscheint auf Zeitungspapier mit einer Auflage von in der Regel 75.000 Exemplaren.

Das Wochenblatt ist am ehesten den deutschen Satiremagazinen "Titanic" und "Eulenspiegel" vergleichbar. Der Name erinnert an die Comicfigur Charlie Brown von den Peanuts.

tob/AFP/DPA / DPA