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Chris Watts: Er ermordete seine Frau und Kinder - warum schicken ihm Frauen Liebesbriefe in den Knast?

Chris Watts hat seine Familie ausgelöscht - und entwickelt sich nun im Knast zum Frauenschwarm. Befeuert durch soziale Netzwerke flirten Frauen aus der Distanz mit dem mehrfachen Mörder. 

Christopher Watts vor Gericht

Christopher Watts vor Gericht: Er soll seine schwangere Ehefrau und seine Kinder ermordet haben.

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Nur wenige Tage, nachdem Christopher Watts den Mord an seiner schwangeren Ehefrau und seiner Tochter gestand, trudelte der Brief von Tatjana bei ihm ein. "Grüße aus New York", wünschte die 29-Jährige dem inzwischen verurteilten Mörder. "Ich habe viel über dich nachgedacht", schrieb sie ihm, berichtet die "Washington Post". "Aber das Leben ist zu kurz, um sich zurückzuhalten.... also, hier bin ich." Dazu legte sie ihm ein Foto von sich im Bikini in den Umschlag. So könne er ihren Worten ein Gesicht zuordnen."Ich weiß, wie du aussieht, also dachte ich mir, das ist nur fair", flirtet sie. "Ich hoffe, ich habe ein Lächeln auf dein Gesicht gezaubert."

Im November verurteilte ein Richter in Colorado den 33-jährigen Chris Watts zu mehrfach lebenslänglicher Haft. Er hatte seine schwangere Ehefrau Shanann (34) und seine Töchter Töchter Bella (4) und Celeste (3) ermordet - und die Polizei und Staatsanwalt lange belogen. Zunächst hatte er seine Familie nur als vermisst gemeldet. Im TV zeigte sich der Familienvater tränenüberströmt, bettelte, dass seine Familie zurückkommen solle. Doch die Ermittler glaubten ihm nicht. Eine mutmaßliche Affäre und Geldsorgen ließen sie an der Geschichte zweifeln. Nach einigen Verhören knickte Watts ein: Ein beichtete, dass er seine Frau in einem Wutanfall erwürgt habe. Laut Watts hatte die zuvor die beiden Töchter ermordet - doch auch das glaubten die Ermittler nicht. Vor Gericht gestand Watts die Morde an seiner Frau und den Kindern. 

Chris Watts wird zum Frauenschwarm

Weggesperrt im Knast entwickelt sich Watts zum Frauenschwarm, berichten US-Medien. Zig Frauen schreiben ihm schwärmerische Briefe. Eine von ihnen ist die zweifache Mutter Cancace. Gleich mehrfach hatte sie dem Mörder geschrieben, in einem Brief endet ihr Text mit #TeamChris und #LoveHim. Sie habe ein Interview mit ihm gesehen und sich direkt angezogen gefühlt, beichtet die 39-Jährige in ihrem Schreiben. Den Grund dafür könne sie auch nicht finden. Doch wenn Chris Watts ihr antworten würde, sei sie "das glücklichste Mädchen" auf der Welt. 

Tammy, "ein einfaches Mädchen, das in einer kleinen Stadt lebt", schrieb Watts ebenfalls. Es sei das erste Mal, dass sie einem Häftling schreibe, räumt sie ein. Auch die 36-Jährige legte ihrem Brief Fotos bei. In US-Medien gibt es weitere Schilderungen von Watts Fan-Post. 

Doch wie kommen diese Frauen dazu, einen Mörder anzuhimmeln? Dieses "jahrzehntealte Phänomen sei nicht ungewöhnlich, schreibt die "Washington Post". Die Täter seien wahrscheinlich für viele Frauen ein Teil ihrer sadomasochistischen Fantasie geworden, so Katherine Pier, Psychiaterin an der Fakultät der Universität von Kalifornien in San Francisco. "Es ist ein Weg, mit der Gefahr zu flirten und dabei selbst nichts zu riskieren", sagt Pier der "Washington Post".

"Die Frauen, die einem Mörder schreiben, sind oft Opfer von Misshandlungen und ziehen Aggressoren an. Wenn Sie sich mit einem Mann hinter Gittern beschäftigen, befinden Sie sich in der Kontrollposition. Diese Frauen werden höchstwahrscheinlich niemals die Chance haben, den Mann zu treffen, den sie verfolgen. Und wenn, dann würden sie vom Gefängnis vor ihm geschützt werden." Die Autorin des Buchs "Women who love men who kill", Sheila Isenberg, sagt, es gehe weniger darum, einen Promi zu jagen. In einen Mann hinter Gittern verliebt zu sein, sei aufregend. "Sie wissen nicht, was passiert. Es gibt immer wieder einen Adrenalisschub." 

Soziale Netzwerke und Mörder

Isenberg beobachtet sei einiger Zeit eine Veränderung in dem Beziehungsgefüge zwischen diesen Frauen und den Mördern. Ihre Erklärung: Online-Foren und Chats zu diesen Themen sind populär. Früher geisterten nur Serienkiller und Massenmörder durch die Presse, inzwischen gibt es Facebook-Gruppen oder Reddit-Posts, die sich mit Mördern und ihren Motiven auseinander setzen würden. "Der Medienrausch und die Online-Aufmerksamkeit um Leute wie Watts veranlassen mich zu der Erkenntnis, dass es eine völlig neue Art von Beziehungen zwischen Mördern und Frauen gibt", so Isenberg.

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kg